• Betreten des Rasens verboten Bremen will seine Topform auch mit skurrilen Mitteln wahren

Sport : Betreten des Rasens verboten Bremen will seine Topform auch mit skurrilen Mitteln wahren

Frank Hellmann

Bremen/Belek. In der prunkvollen Anlage und den geräumigen Zimmern fehlt es an nichts. An den Badewannen liegt Duschgel bereit, auf der Anrichte findet sich Nähzeug, die Minibar ist prall gefüllt, und auf den Liegestühlen am Swimmingpool ist genug Platz für alle. An der türkischen Riviera im Fünf-Sterne Hotel „Arcadia Golf & Sport Resort“ mit exklusivem Rasenplatz hat der SV Werder Bremen das passende Ambiente gefunden, um den formvollendeten Fußball der Hinrunde ins neue Jahr zu retten. „Alles vom Feinsten, ideale Bedingungen“, sagt Trainer Thomas Schaaf. „Wir werden hier alles tun, um unser hohes Niveau zu halten.“

Dummerweise ist sein wertvollster Spieler nicht mitgereist: Ailton. Der Torjäger macht Wasserjogging in Bremen statt Testspiele in Belek. Bei einem seiner typischen Antritte zog sich der 30-Jährige am Sonntag im Testspiel bei Roda Kerkrade (1:2) einen Muskelfaserriss zu – zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Nun sind sie wieder da, die Befürchtungen, dass der glamourösen Hinrunde eine grausige Rückrunde folgen könnte. Denn Ailtons Fehlen ist nicht der einzige Störfaktor. Schon vor der Abreise konnte die Werder-Führung beim Hallenturnier in Hamburg beobachten, wie Ailtons Sturmpartner Ivan Klasnic mit Spielern und Verantwortlichen des Hamburger SV scherzte. HSV-Trainer Klaus Toppmöller macht kein Hehl daraus, dass er den am Saisonende ablösefreien Stürmer gern holen will. „Ein guter Junge, der gut zu uns passen würde.“ Klasnic macht den Poker mit. Genau wie Mittelfeldspieler Krisztian Lisztes will er das erste Vertragsangebot der Bremer nicht annehmen. „Abwarten, was passiert", sagt Klasnic, um den außer dem HSV auch Bayer Leverkusen buhlt. Sportdirektor Klaus Allofs will mit beiden „Problemfällen“ so schnell wie möglich eine Lösung finden – am liebsten noch in der Türkei.

„Eigentlich gibt es sportlich keinen Grund, uns zu verlassen. Die Mannschaft funktioniert, und beide Spieler gehören fest dazu“, sagt Schaaf. Dabei wollten der Trainer und Allofs eigentlich die Position des Käufers einnehmen. Unverändert preisen sie Kaiserslauterns Stürmer Miroslav Klose als Mann, der „zu Werder passt und bewiesen hat, was er kann“. Gespräche mit Berater Michael Becker sind längst aufgenommen. Das öffentliche Interesse soll auch ein Signal sein: Werder ist bereit, weiter oben mitzumischen.

Doch dafür muss der Verein zunächst die heikelste Phase des Jahres überstehen. In den vergangenen Jahren ging die HinrundenForm in der Winterpause stets verloren. 2002 gab’s in den ersten elf Spielen sieben Niederlagen; in der Startphase 2003 sogar sechs Pleiten am Stück. Damit das in diesem Jahr nicht passiert, ist der sonst so nüchterne Fußball-Lehrer Schaaf dem Aberglauben aufgesessen. Außer Werder darf keine andere Mannschaft den Rasenplatz betreten. „Dafür wird sogar extra bezahlt“, sagt Trainingslager-Organisator Reyhan Gök.

Schaaf bestreitet, dass die Wahl des Trainingslagers etwas mit den Leistungseinbrüchen der Vergangenheit zu tun hatte. „Das lag eher daran, dass etliche Leistungsträger die Vorbereitung wegen Verletzungen nicht mitmachen konnten.“ So wie jetzt Ailton.

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