Sport : Betriebsausflug nach Barcelona

Stuttgarts Abschied von der Champions League

Oliver Trust[Stuttgart]

Wenigstens so etwas kann nicht mehr passieren. Damals, im Oktober 1992, reiste der VfB Stuttgart schon einmal nach Barcelona. Als Lachnummer des europäischen Fußballs. Man hatte sich schwer verrechnet in der Champions League. Genauer gesagt Trainer Christoph Daum, den alle für den peinlichen Fehler verantwortlich machten, obwohl auch der damalige Manager Dieter Hoeneß nichts bemerkt hatte. So wie zunächst niemand etwas bemerkte, als Daum beim Rückspiel in Leeds mit Jovica Simanic den vierten Ausländer einwechselte, was verboten war. Dem 3:0 und 1:4, was zusammen für die nächste Runde gereicht hätte, folgte ein vom europäischen Verband Uefa angeordnetes Wiederholungsspiel in Barcelona. „Das ging damals ja nicht so gut aus“, erinnert sich Stuttgarts Finanzvorstand Ulrich Ruf. 1:2 unterlag der VfB, im Stadion in Barcelona verloren sich 15 000 Besucher.

Diesmal ist alles ein bisschen anders. Der VfB darf einwechseln wen er will, wird sich nach diesem Spiel aber auf jeden Fall vorerst aus dem internationalen Fußball verabschieden müssen. Das Spiel beim FC Barcelona ist deshalb auch ein bisschen ein Betriebsausflug. Solche Ausflüge verbessern das innerbetriebliche Klima. „Zu so einem Spiel muss man mit“, sagt Finanzchef Ruf. „Das ist eine Belohnung dafür, was alle in der Meistersaison für den Verein geleistet haben.“ Sogar Mario Gomez durfte trotz seiner Rippenfellentzündung mit ins Flugzeug steigen. Er habe sich so auf dieses Spiel gefreut, sagte jüngst Trainer Armin Veh, „der darf mit“.

Die Vorfreude auf dieses Spiel ermöglichte zu verdrängen, was man hatte alles erreichen wollen in der Champions League, „wenn wir nur konkurrenzfähig gewesen wären“, wie es Manager Horst Heldt ausdrückte. Obwohl der bereits für das Achtelfinale qualifizierte FC Barcelona mit einigen Reservisten und lange Zeit verletzten Spielern antreten wird, steht auch in diesem Spiel die Konkurrenzfähigkeit des VfB in Frage. Nach einem schweren halben Jahr wirkt die Mannschaft müde. Die Aufholjagd nach einem äußerst schwachen Start in der Bundesliga hat viel Kraft gekostet. Und die Schwierigkeiten wollen nicht enden. Wie verzwickt die Lage bleibt, zeigt die Verletzung von Stürmer Cacau, der sich beim Sieg gegen Wolfsburg einen dreifachen Bänderriss in der Schulter zuzog und mindestens drei Monate ausfällt. Nun müssen die Stuttgarter noch einmal einkaufen.

Schnäppchen sind in der Weihnachtspause nicht zu haben, und die Kandidaten Lukas Podolski und Jan Schlaudraff von Bayern München bekommen keine Freigabe. „Der VfB kann sich den Anruf sparen, wir sind bei Schlaudraff überhaupt nicht gesprächsbereit“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. So wird über Sergiu Radu (VfL Wolfsburg) und Milan Baros (Olympique Lyon) spekuliert. In Barcelona steht mit Manuel Fischer zwar ein talentierter, aber erst 18 Jahre alter Stürmer im Aufgebot. „Wir müssen jetzt eben tricksen“, sagte Manager Heldt. Und später für „Stabilität im Kader sorgen“.

Intern besteht weiter das Minimalziel, noch den Uefa-Cup zu erreichen. Das liegt einerseits an eigenen Erwartungen und zudem am hohen Gehaltsgefüge der Mannschaft. Ein paar der 22 bis 23 Millionen Euro, die der VfB aus der Champions–League-Saison 2007/2008 verbuchen konnte, müssen jetzt für weitere Investitionen herangezogen werden. Rund 14 Millionen Euro habe man bereits in die Mannschaft investiert, sagt Finanzchef Ruf, der der Champions League trotz des Ausscheidens positive Seiten abgewinnt. „Man wird im Kreise der Wettbewerber anders wahrgenommen. Der Imagegewinn ist nach wie vor vorhanden“, sagt Ruf. Auch das ist anders als 1992. Eine Katastrophe ist das Ausscheiden diesmal nicht. Die Krise 1992 führte dazu, dass Christoph Daum und Dieter Hoeneß am Ende den Verein verließen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar