Sport : Betroffene Vereine haben keine Lust auf die kommenden Spiele

Claus Vetter

Die Lustlosigkeit war Jan Benda deutlich anzumerken. Mit Schrecken dachte der Trainer aus Essen nach dem 3:10 seiner Moskitos bei den Capitals wohl schon an die kommenden Wochen. 16 Spiele müssen die Westdeutschen noch absolvieren, zwölf davon in der Abstiegsrunde. Da wären die Essener nach Stand der Dinge der erste Kandidat für die zweite Liga. "So wie wir jetzt spielen, ist das die Realität", sagte Benda, "als wir im November letztes Jahr so viele Erfolge hatten, da war viel Glück im Spiel."

Der Jubilar störte sich an den Problemen des Essener Trainers indes wenig. Mit den Fans der Capitals hatte Roger Wittmann schon vor dem Spiel seinen 40. Geburtstag gefeiert. So wie es aussieht, zum ersten und letzten Mal, denn nach dieser Saison will Wittmann laut eigener Aussage seinen Posten als Manager zur Verfügung stellen. Mit Olle Öst, Bernie Johnston und Rick Amann werden auch schon Nachfolger gehandelt. Bislang sei allerdings noch nichts entschieden, sagt Sprecher Peter Harbig, und: "Das mit Amann ist aus dem Hut gegriffen." So ganz fehlt wohl allen Beteiligten der Glaube daran, dass sich Wittmann nach dieser Saison wirklich verabschiedet. Als Mitglied des Aufsichtsrates wird der 40-Jährige dem Verein ohnehin erhalten bleiben.

Was auch passieren mag, man hätte Wittmann an seinem Festtag einen würdigeren Rahmen gewünscht als das belanglose Spiel gegen die Essener. Da gab es das erste zweistellige Ergebnis in der laufenden Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) überhaupt - wohl im Wesentlichen deshalb, weil die Moskitos nur noch ein besseres Schaulaufen boten. Die letzte Vorstellung der Essener zum Maßstab genommen, muss man sich vor den anstehenden Wochen fürchten. Zumal es so aussieht, als ob die Abstiegsrunde eine Farce wird. Einen Absteiger wird es vermutlich nicht geben, da man eine Aufstockung auf 16 Vereine anstrebt. Nicht nur das: Der damalige Tabellenletzte, die Revier Löwen Oberhausen, wies die Ligenleitung der DEL schon vor Wochen vorsorglich darauf hin, dass man als GmbH gar nicht in den Bereich des Deutschen Eishockey Bundes (DEB), dem die Zweite Bundesliga untersteht, absteigen könne. Dort sind im Gegensatz zur DEL keine Gesellschafter, sondern eingetragene Sportvereine am Start.

"Da steigt Essen ab und klagt sich ein paar Wochen später wieder ein", weiß Martin Müller um die rechtliche Problematik. Der Generalbevollmächtigte der Eisbären sitzt auch im Aufsichtsrat der DEL, und der will in der kommenden Woche auf einer Gesellschafterversammlung über das Schicksal der Abstiegsrunde entscheiden. Ginge es nach den Eisbären, dann wird nach Ende der Hauptrunde nicht weiter gespielt. "Ich persönlich halte von der Runde nichts. Sie kostet nur Geld", meint Müller. Das Gros der Vereine, die ihre Chancen an der Play-off-Teilnahme verspielt haben, ist da wohl auf Seiten der Eisbären. In Spielerkreisen wird über das Thema Abstiegsrunde bereits offen diskutiert, denn Lust habe dazu kaum einer.

Schwer vorstellbar, dass man in einer anderen Sportart mitten in der Saison den Modus ändert. Das Lustprinzip außen vorgelassen, steht da nicht wieder einmal ein Stück Glaubwürdigkeit der DEL auf dem Spiel? Martin Müller sieht es nicht so. Schließlich sei vor allem der sportliche Wert der Abstiegsrunde von zweifelhafter Natur, meint der Generalbevollmächtigte der Eisbären: "Man muss überlegen, wo man mehr falsch macht. Verspielt man nicht mehr an Image, wenn man so eine Pampelmusen-Liga stattfinden lässt, als wenn man sie absagt?" Bei der DEL ist man da anderer Meinung. "Es gibt keinen Plan, die Abstiegsrunde nicht zu spielen", sagt Ligenleiter Gernot Tripcke. Bislang habe sich auch noch kein Klub diesbezüglich bei ihm gemeldet. "Die Abstiegsrunde ist von den Gesellschaftern vor der Saison beschlossen worden", sagt Tripcke, "also wird sie auch durchgeführt."

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