Sport : Betrug am Betrüger?

Wie Ex-Schiedsrichter Marks sich vor Gericht gibt

Sven Goldmann

Berlin - Manchmal trifft Robert Hoyzer auf den Fluren des Kriminalgerichts Moabit auf Dominik Marks. Der eine ehemalige Schiedsrichter blickt dann starr geradeaus, der andere widmet sich dem Muster des Linoleumbodens. Die beiden gehen sich aus dem Weg, was wohl ursächlich daran liegt, dass es ohne Hoyzers detailliertes Geständnis vielleicht gar keine Anklage gegen Marks im Prozess um manipulierte Fußballspiele gegeben hätte. Am achten Verhandlungstag nun sind die beiden auf einmal ganz für sich. Marks kommt gerade von der Mittagspause zurück. Das Drehkreuz am Eingang des Gerichtsgebäudes ist gesperrt, da betritt Hoyzer den kleinen Vorraum. Der Wachtmeister ist unerbittlich. Er lässt erst passieren, wenn sich die Sicherheitsschleuse am Eingang komplett geleert hat. Zwei quälend lange Minuten wartet Dominik Marks, den ehemaligen Kollegen im Rücken, dann darf er endlich eintreten. Marks schaut die Treppe hinauf, schüttelt den Kopf und sagt: „Die Wahrheit will hier doch ohnehin niemand hören.“

Die Wahrheit, wie sie sich für Dominik Marks darstellt, hat drei Stunden zuvor seine Rechtsanwältin Astrid Koch verlesen. 13 Minuten lang geht es um Marks’ Verwicklung in den Wettskandal. Hoyzer habe ihm im Sommer 2004 bei einem Lehrgang im Schwarzwald auf Manipulationen angesprochen. Später sei es auch zu einem Gespräch mit dem mutmaßlichen Wettmanipulator Ante S. gekommen. Ein Betrug aber sei für Marks nie in Frage gekommen. Da er aber nicht auf das von Ante S. angebotene Geld verzichten wollte, habe er sich gedacht, „dass ich das Geld mitnehme für Spiele, die wie gewünscht verlaufen“. Betrug am Betrüger? Das wäre ein strafrechtlich kaum zu ahndendes Vergehen.

Wie aber war das mit dem ersten zu manipulierenden Spiel, als Marks den Amateuren von Arminia Bielefeld ein reguläres Tor aberkannte und später einen fragwürdigen Elfmeter für die Amateure von Hertha BSC verhängte, so dass Hertha wie gewünscht 2:1 gewann? Marks spricht von Unstimmigkeiten mit seinen Assistenten. Ein paar Wochen später sei der 3:1-Sieg des MSV Duisburg in Karlsruhe ohne seine Hilfe wie von Ante S. gewünscht zustande gekommen. Ein Darlehen über 6000 Euro habe er nicht erbeten, es sei ihm von Ante S. über Hoyzer angeboten worden. Die 40 000 Euro, die Ante S. dem Schiedsrichter für juristischen Beistand gegeben haben will, hält Frau Koch für so nebensächlich, dass Sie nur fragt: „War das ein Darlehen oder Kredit?“ Eher ein Geschenk, antwortet Ante S.

Die Richterin hält den Vortrag der Verteidigung für schlüssig. Gerti Kramer spricht von einem Teilgeständnis und trennt das Verfahren gegen Marks trotz der Bedenken des Staatsanwalts nicht ab. So wird künftig nur gegen den ehemaligen Fußballspieler Steffen Karl gesondert verhandelt. In den Verfahren gegen Hoyzer, Marks und die Brüder Ante, Filip und Milan S. sollen schon am Dienstag die Plädoyers gehalten werden. Die Urteile werden für Donnerstag erwartet.

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