Betrug der Doping-Kontrolleure : Zwei weitere Fälle aufgetaucht

Wilhelm Schänzer kennt sich aus im Geschäft der Dopingbekämpfung, seit über 30 Jahren analysiert er im Auftrag der Sportverbände Urin- und Blutproben. An einen solchen Fall aber kann sich der Professor nicht erinnern.

Erik Eggers

Hamburg - „Das gab es so noch nicht“, sagt der Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln zu Berichten, wonach eine Dopingkontrolleurin Proben mit ihrem eigenen Urin befüllt hat.

Der Fall, der in die Dopinggeschichte eingehen wird, betrifft zwei Spiele im Frauenhandball. Demnach hat die Dopingkontrolleurin der Mannheimer Firma Serco Service- und Warencontrolgesellschaft International GmbH acht Proben manipuliert, die beim Pokalspiel FSV Mainz gegen DJK MJC Trier am 9. Januar 2010 und beim Zweitligaspiel TuS Metzingen gegen HSG Bad Wildungen am 12. Dezember 2009 genommen werden sollten. Ein Kontrolleur soll ihr geholfen haben.

Beide Kontrolleure haben ihrem Chef im Januar den Betrug gestanden. Das geht aus einem Bericht des Deutschen Handballbundes (DHB) hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Danach räumten sie ein, „die Dopingkontrollen nicht durchgeführt, die protokollierten Kontrollen fingiert, die Protokolle zu Hause erstellt und gefälscht zu haben und die an das Labor versandten, versiegelten Urinprobeflaschen mit dem Urin der Kontrolleurin gefüllt zu haben“. Zuvor war der DHB vom Kölner Labor informiert worden. „Das war kein Zufall, dass wir das entdeckt haben, aber ich kann nicht ausschließen, dass das schon mal vorgekommen ist“, sagt Schänzer. Der DHB hat Strafanzeige wegen Betrugs erstattet und den Vertrag mit Serco gekündigt.

DHB-Vizepräsident Heinz Winden berichtet von zwei weiteren Fällen. „Wir haben festgestellt, dass zwei weitere Rechnungen der Firma Serco gestellt wurden, obwohl ihnen keine Leistung zugrunde lag“, sagt Winden. Im Klartext: Der DHB sollte für nie entnommene Dopingproben bezahlen. Diese Fälle datieren aus den Jahren 2008 und 2009. Der Serco-Geschäftsführer habe diese Rechnungen als Irrtum entschuldigt. Gemeldet hatte der DHB laut Winden das nicht, auch ging der Verband wie die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) nicht an die Öffentlichkeit. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien noch nicht abgeschlossen, sagt Nada-Justiziarin Anja Berninger, „ob es sich um einen Einzelfall handelt oder um ein System, können wir deshalb noch nicht bewerten“. Erik Eggers

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