Sport : Beulen für den Boten

Oliver Bierhoffs Rolle im Streit um die Nike-Millionen

Michael Rosentritt

Berlin - Oliver Bierhoff hat sich schon zu Zeiten als aktiver Fußballer hübsche Nebentätigkeiten erschlossen. Etwa als Werbemodell für Joghurt oder Haarwaschmittel. Nebenher hat der Profifußballer ein Diplom als Betriebswirt (Thema: Platzierungspreisbindung bei Börsennotierungen) abgelegt. Neulich aber hat Bierhoff sich als Bote verdient gemacht – was nicht gut ankam. Immerhin ist Bierhoff Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft. Eine mächtige Position, aber auch eine sensible. Im November 2006 hat Bierhoff seinem Arbeitgeber, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), einen Brief überbracht, dessen Inhalt eine Grundsatzdebatte ausgelöst hat.

Es geht um ein Angebot des amerikanischen Sportartikelherstellers Nike. Wenn der DFB bei der Ausrüstung seiner Nationalmannschaft mit einer 50 Jahren alten Tradition bricht und die Partnerschaft mit Adidas nicht über das Jahr 2010 hinaus verlängert, würde Nike für die Jahre 2011 bis 2018 dem Verband eine halbe Milliarde Euro zahlen. Das ist das Sechsfache, was Nikes deutscher Konkurrent bisher jährlich zahlt.

Das Problem ist, dass niemand so genau weiß, ob der DFB überhaupt eine freie Wahl hat für den Zeitraum ab 2011, oder aber ob die Absichtserklärung aus dem Sommer 2006, den Vertrag mit Adidas bis 2014 zu verlängern, rechtsgültig ist. Auslöser war damals der so genannte Schuhkrieg der Nationalspieler. Spieler wie Klose, Lehmann und Metzelder hatten eine freie Schuhwahl gefordert. Für das Testspiel im August gegen Schweden drohte gar ein Spielerboykott. Adidas lenkte ein. Die Spieler durften in Schuhen ihrer Wahl (Nike) auflaufen, der DFB stellte Adidas im Gegenzug eine Vertragsverlängerung bis 2014 in Aussicht.

Mittlerweile hat der DFB ein unabhängiges Rechtsgutachten anfertigen lassen. Das widerspricht der Ansicht von Adidas, dass der Vertrag sich bis 2014 verlängere. Eine Aufstockung ihrer Gelder hat der Konzern aus Herzogenaurach bisher ausgeschlossen.

Bierhoff war schon damals der Einflussnahme bezichtigt worden. Der frühere Nationalmannschaftskapitän war acht Jahre lang Repräsentant von Nike. Vor allem Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern München, bei dem Adidas Anteile an der Profi-AG besitzt, übte Kritik am Verhalten Bierhoffs und drohte, Bayern-Spieler nicht für einen von Nike gesponsertes DFB-Team abzustellen. Die Anschuldigungen von Rummenigge, der den Nationalmannschaftsmanager als „Ich-AG am Starnberger See“ bezeichnet hatte, wies Bierhoff, der sich als Prügelknabe sieht, als „lächerlich“ zurück. Er sagte aber auch: „Wenn es so sein sollte, dass ich das Problem bin, dann habe ich damit auch kein Problem. Dann lasse ich den Job sein, dann gehe ich halt.“

Unterdessen hat sich Theo Zwanziger eingeschaltet. Der DFB-Präsident will mit Rummenigge reden. „Es ist dringend Zeit für ein Gespräch“, sagte er gestern. Kritik an Bierhoff wies Zwanziger zurück. „Ich denke überhaupt nicht daran, Oliver Bierhoffs Position zu überdenken.“ Bierhoff verfolge keine Interessen, meint Zwanziger. Dennoch werde dieser an Vertragsgesprächen nicht teilnehmen, da es bei Adidas einen „gewissen Unmut gegenüber seiner Person“ gibt.

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