Sport : Bevor die Milch sauer wird

Nach dem Ende des Molkereikonzerns Parmalat wird Italiens Erstligist FC Parma versteigert

Paul Kreiner[Rom]

Jetzt noch zugreifen, denn das ist ein ganz besonderes Angebot: Fußballklub abzugeben, günstig und auch noch schnell, wenn’s geht! Nein, nicht irgendein Verein wird hier angeboten, sondern ein italienischer Erstligist, ein großer Name, der FC Parma.

Drei Jahre nach dem Zusammenbruch des Milchkonzerns Parmalat wird der dazugehörige Erstligist FC Parma versteigert. Doch wie konnte es eigentlich so weit kommen? Es gab doch einmal ein goldenes Zeitalter für den Fußballklub. In jenen Jahren hatte ein gewisser Calisto Tanzi, Milchhändler aus Parma, sein Wirtschaftsimperium um den halben Globus gespannt. Und zu Hause scheute Tanzi keine Kosten, den Fußballklub der oberitalienischen Schinken- und Hartkäse-Metropole zu vergleichbarem Weltruhm zu führen.

Tanzi kaufte, was zu kaufen war, Millionen spielten keine Rolle. Der vordem zweit- und drittklassige AC Parma gewann, milch- und gehaltsbeflügelt, zwei Uefa-Cups, drei Italien-Pokale, errang im Wembley-Stadion den Pokal der Pokalsieger, zwang Juventus Turin und Inter Mailand nieder, wurde Zweiter in der italienischen Serie A. In Parma lernte, zehn Jahre lang, Gianluigi Buffon. Und Fabio Cannavaro holte sich hier das Zeug zum Weltfußballer.

Doch als sich zum Jahresende 2003 herausstellte, dass Tanzi sein Reich auf gefälschte Bilanzen gebaut hatte, und als sich unter ihm ein Schuldenloch von 14 Milliarden Euro auftat, da stand auch der AC Parma am Abgrund: zahlungsunfähig, zwangsverwaltet wie der Mutterkonzern – und auf der Suche nach einem zahlungskräftigen Retter.

Einige waren schon da und sind wieder gegangen. Sieben Millionen Euro etwa legte der frühere Präsident von Real Madrid, Lorenzo Sanz, auf den Tisch – was die ohnehin schon todtraurigen Fans in ihrem letzten Stolz kränkte. Von 27 Millionen Euro Kaufpreis war zuletzt die Rede, aber damit rechnet jetzt offenbar selbst die Geschäftsführung des Vereins nicht mehr.

Am Mittwoch ist die öffentliche Versteigerung angelaufen; in spätestens drei Wochen sollen die Angebote vorliegen. Der Käufer soll auf diese Weise, wenn er denn will, noch die Transferperiode für Spieler in diesem Winter nutzen können.

Der AC Parma, mittlerweile in Parma FC umbenannt, ist aus dem Fußballskandal des vergangenen Jahres unbeschadet hervorgegangen. An den systematischen Schiebereien von Juventus Turin und anderen Vereinen hat er aktiv nicht teilgenommen; Opfer war er gleichwohl: Das Unentschieden (3:3) gegen Lecce zu Ende der Saison 2004/05 hatten ihm die Vereinsgewaltigen der „Fiorentina“ (Florenz) aufgezwungen; der einschlägig belastete Schiedsrichter Massimo De Santis hatte gleich sechs „Gelbblaue“ aus Parma ermahnt oder vom Platz gestellt.

Wirtschaftlich hielt sich der Verein mit dem Verleihen gefragter und dem Ausleihen billigerer Spieler über Wasser, so dass die Bilanz für 2006 fast ausgeglichen sein wird. Roberto Cappelli vom Verwaltungsrat stellt sogar ein leichtes Plus in Aussicht. Aber dafür muss er erst einen Gerichtsentscheid abwarten: Ein früherer Verwaltungsdirektor des Vereins, Giambattista Pastorello, behauptet, er müsse „aufgrund einer privaten, handschriftlichen Vereinbarung“ noch Geld bekommen für den Verleih des Stürmers Alberto Gilardino an den AC Milan. Die Sache ist insofern pikant, als Pastorello auch als möglicher Käufer für den FC Parma gilt und mit seiner Gerichtsklage womöglich nur den Preis drücken will.

Spielerisch haben die „Gelbblauen“ zuletzt nur enttäuscht: Sie stehen nach der Hinrunde auf dem vorletzten Tabellenplatz; mit dem Abstieg in die Serie B droht der weitere Rückgang von Sponsoren- und Fernsehgeldern.

In ihrem Jahreshoroskop für den italienischen Spitzenfußball prognostiziert die „Gazzetta dello Sport“ als größte Fachzeitung des Landes dem FC Parma eine „astrale Erholung“. Dank Jupiter und Merkur – „und wahrscheinlich mit Glück“ – werde die Mannschaft „beweglicher und effizienter“. Die Fans müssten ihrem Verein nur endlich „mehr Liebe und Anteilnahme“ entgegenbringen.

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