Sport : Bewährung verspielt

Leverkusen verliert 1:2 gegen Rostock – und damit auch das Argument, Trainer Toppmöller zu halten

Erik Eggers

Leverkusen. In der Halbzeitpause war Reiner Calmund erst einmal sprachlos. Leverkusens Manager, der sonst nie um eine bildhafte Plauderei verlegen ist, blickte mit aufgerissenen Augen um sich. Jemand von der Presse hatte ihn gefragt, ob seine Mannschaft den 1:2-Rückstand gegen Hansa Rostock noch aufholen könne. Zehn Sekunden lang musste Calmund überlegen. Dann sagte er leise: „Im Fußball ist alles möglich.“ Überzeugend klang das nicht. Überzeugend war auch nicht, was die Spieler von Bayer Leverkusen zur Sicherung des Arbeitsplatzes ihres Trainers unternahmen. Nach schwacher Leistung unterlag Leverkusen vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften Bayarena den Gästen von der Ostsee mit 1:2 (1:2). Es war die fünfte Niederlage in Serie.

Schon nach der ersten Spielhälfte war die Bewährungszeit für Klaus Toppmöller, die man dem Trainer nach der 1:2-Niederlage gegen Bochum vor einer Woche eingeräumt hatte, quasi abgelaufen. Bachirou Salou hatte zwischen der 35. und 40. Minute jeweils noch schönem Pass von Marcus Lantz zwei Tore für die Rostocker geschossen. Dabei spielte Salou nur, weil Stürmer Rade Prica gesperrt war.

Beim ersten Gegentor sah Leverkusen Abwehrspieler Cris schlecht aus, beim zweiten Treffer ließ sich Kapitän Carsten Ramelow auf lässigste Art austanzen, was die eigenen Fans dazu veranlasste, den Abwehrchef auszupfeifen. Wohl um ihn zu schützen ließ Toppmöller den blonden Nationalspieler in der Kabine. Die erste Führung der Gäste durch Salous dritten Saison- und 50. Bundesligatreffer hatte Marko Babic noch ausgleichen können. Nutzen aber konnten seine Mitspieler diesen Umstand nicht. Drei Minuten später gerieten sie wieder in Rückstand. „Wir haben die Verunsicherung nicht aus den Köpfen bekommen“, sagte Bernd Schneider nach dem Spiel. „Das war heute viel zu wenig.“

Es sei kein Abstiegsendspiel, „aber das wichtigste Spiel seit ich in Leverkusen bin“, hatte Toppmöller vor dem Schicksalsduell mit Rostock gesagt. Alle wussten, worum es ging. Nur ein Sieg hätte Toppmöller vor dem bevorstehenden Rauswurf retten können. „Wenn wir am Sonntag und Montag keine Trainer-Diskussion haben, wäre ich froh. Dann hätten wir nämlich gewonnen“, hatte Calmund vorher gesagt. Nun haben sie sie, und zwar heftiger als vor einer Woche.

In der zweiten Halbzeit verlor Leverkusen endgültig den Faden. Placente, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit Gesichtsmaske spielte, konnte Wibran nicht halten. Dessen Schuss strich knapp vorbei. Zwei Minuten später ließ Rostocks Thomas Meggle eine Riesenchance aus. Das Fehlen des gesperrten Leverkusener Spielmachers Yildiray Bastürk konnte nicht kompensiert werden. Lediglich Sebastian Schoof, der seine Bundesligadebüt gab, kämpfte gegen die Niederlage an. Das sagte alles.

Für die zweite Halbzeit hatte sich Reiner Calmund eine schwarze Pudelmütze tief ins Gesicht gezogen. „Wenn ich dafür die Garantie bekäme, dass wir drin bleiben, würde ich als zweiter Zeugwart hier anfangen“, sagte Calmund und zog sich zu Beratungen zurück. Denn noch ist er als Manager gefragt.

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