Sport : Bewerbungsspiele

Mit jedem weiteren Sieg kann sich Herthas Trainer Heine für eine Weiterbeschäftigung empfehlen

Michael Rosentritt,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Zugegeben, die Vorstellung ist lustig. Karsten Heine sitzt mit einem Liegestuhl am Rande des Trainingsplatzes, seinen Fußballprofis ruft er hin und wieder etwas zu. Diese Szene hat Heine in dieser Woche beschrieben. Sein Traum? Im Gegenteil. Der Trainer von Hertha BSC erzählt es, um diesem Bild heftig zu widersprechen. „Ich will meine Arbeit gut machen“, sagt er. Die Betonung liegt auf Arbeit. Die Spieler loben Heine seit seinem Amtsantritt vor knapp vier Wochen in den höchsten Tönen. Bei so viel Zuneigung kommt leicht der Verdacht auf, dass ein Trainer seine Spieler nicht hart genug üben lässt. Im Fall von Heine verhält es sich anders. „Wir trainieren viel härter als früher. Aber trotzdem würde ich mich freuen, wenn er bleibt“, sagt Mittelfeldspieler Pal Dardai.

Die Profis von Hertha können selbst einiges dafür tun, dass das zum Saisonende auslaufende Engagement mit Heine verlängert wird. Die verbleibenden drei Bundesligaspiele sind so etwas wie die Bewerbungsunterlagen von Heine. Im ausverkauften Heimspiel heute gegen Werder Bremen beginnt die zweite Mission von Heine.

Den ersten Auftrag, den Klassenerhalt, hat Heine bereits erfüllt. Nach dem Sieg in Aachen vergangene Woche können die Berliner nicht mehr absteigen. „Jetzt haben wir eine andere Ausgangssituation, weil wir Planungssicherheit haben“, sagt Manager Dieter Hoeneß, der letztlich über den Verbleib von Heine entscheiden wird. Dieser sei laut Hoeneß „einer der wenigen ernsthaften Kandidaten, die für uns in Frage kommen“. Hoeneß will die Chancen des ehemaligen Trainers der zweiten Mannschaft nicht allein an Ergebnisse knüpfen. „Durch Erfolge werden die nicht weniger“, sagt Hoeneß.

Am liebsten wäre es den Verantwortlichen bei Hertha ohnehin, wenn Heine über die Saison hinaus Cheftrainer bliebe. Hertha ist mit etwa 46 Millionen Euro hoch verschuldet – und Heine wäre eine kostengünstige Lösung, bei Vertragsverhandlungen gilt er als sehr kooperativ. Ein neuer Trainer würde erst einmal Handgeld kassieren. Zudem ist der Trainermarkt in Deutschland derzeit begrenzt. Und: In den Berliner Medien ist Heine überraschend positiv aufgenommen worden.

Karsten Heine ist loyal. Auf Bahnfahrten mit der Regionalliga-Mannschaft haben zurückgestufte Spieler aus dem Profiteam häufig versucht, Heine einen abfälligen Satz über den ehemaligen Cheftrainer Falko Götz zu entlocken. Heine hörte sich alles an – und schwieg.

Zwei von drei Spielen hat Hertha unter Heine gewonnen. Sollte seine Mannschaft in den verbleibenden drei Begegnungen bestehen, dann dürfte er Trainer bleiben. Denn mit der Trennung von erfolgreichen Interimstrainern haben die Berliner schlechte Erfahrungen gemacht. Als Götz im Frühjahr 2002 den entlassenen Jürgen Röber interimshalber ersetzte, stand in Huub Stevens sein Nachfolger bereits fest. Unabhängig davon, dass Götz die Mannschaft in den vier Monaten seiner ersten Amtszeit noch in den Europapokal führte. Die Geschichte mit Stevens erwies sich für Hertha als Reinfall. Stevens wurde 2003 entlassen.

Allerdings entspricht auch Heine einem Modell, das gerade in der Person von Falko Götz bei Hertha gescheitert ist. Wie Götz ist auch Heine ein in der Bundesliga weitgehend unerfahrener Trainer aus der zweiten Reihe eines Vereins. Der Vorteil liegt darin, dass solche Kandidaten sich auskennen im Klub. Andererseits werden eingeschlagene Wege eher fortgeführt. Die Frage ist, inwiefern ein solcher Trainer eigene Gedanken einbringen und die vorherrschende Philosophie verändern kann. Bis auf Hans Meyer sah sich kein Hertha-Trainer der vergangenen zehn Jahre auf Augenhöhe mit dem Manager. Dieter Hoeneß fühlt sich im Verein für fast alles zuständig, also auch für Dinge, die ausschließlich ein Trainer zu verantworten haben sollte.

Für Karsten Heine spricht, dass er weitgehend unabhängig ist. Auf die Frage, ob er Herthas Cheftrainer bleiben wolle, antwortete der 52-Jährige zwar mit „ja“, sagte aber auch gleich, dass sein persönliches Wohl und Wehe nicht daran geknüpft sei. Er würde auch gern wieder in die zweite Reihe rücken und die U-23-Mannschaft betreuen. Denn das hat er bereits viele Jahre mit Genugtuung getan.

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