Sport : Beyer wieder Weltmeister im Boxen

Hartmut Scherzer

Erfurt - Plötzlich hat es Klick gemacht im Kopf von Markus Beyer. Die Blockade war weg, das Selbstvertrauen wieder da. Der sensible Sachse schlug eine Lehrbuchkombination: Die Rechte kurz angetäuscht, Links-rechts-Treffer an den Kopf, dann die finale harte Linke an den Kinnwinkel. Der Befreiungsschlag. Der Champion Cristian Sanavia lag flach auf dem Rücken, Markus Beyer war wieder Weltmeister im Supermittelgewicht (WBC) - zum dritten Mal nach den Punktsiegen über Richie Woodhall (1999) und Eric Lucas (2003).

Der Italiener hatte sich zwar bei „acht“ wieder aufgerappelt, torkelte aber derart, dass der englische Ringrichter Ian-John Lewis nach 54 Sekunden der sechsten Runde die Arme ausbreitete: K.o., Revanche gelungen. Kein Luftsprung, kein Jubelschrei. Dafür stürzte Manager Wilfried Sauerland Hals über Kopf in den Ring und umarmte sein Sorgenkind. Mit leichtem Lächeln sagte der 33-jährige Sieger: „Ich habe gezeigt, dass ich doch noch boxen kann.“

Daran hatten zuletzt viele gezweifelt. Beyer selbst verzweifelte, als er vor vier Monaten in Chemnitz gegen diesen doch eher durchschnittlichen Italiener Sanavia Kampf, Titel und Ansehen verlor. Ende der Karriere? Der Rechtsausleger aus dem Erzgebirge wurde die Sperre im Kopf einfach nicht los, die sich seit dem bitteren K.o. in der letzten Runde gegen den Engländer Glenn Catley am 6. Mai 2000 in Frankfurt/Main in seinem Kopf eingenistet hatte. Ein Fall für den Psychologen. Nach sieben Sitzungen bei Eckard Winderl, der letzten am Nachmittag vor dem Mitternachtskampf, fühlte sich Markus Beyer „fast wie ein anderer Mensch und viel wohler in meiner Haut“.

Vielleicht lag es aber auch am Aberglauben seiner Freundin, den schwarzen Mantel und die schwarze Hose des ersten WM-Kampfes in Telford gegen Woodhall aus dem Schrank zu holen. Ex-Weltmeister Henry Maske konnte da nur noch staunen. „Da sieht man, wie die Psychologie extrem verantwortlich ist für die Leistung.“

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