Sport : Beziehung auf getrennten Plätzen

Olympique Lyon schiebt den früheren Bayern-Stürmer Giovane Elber in die Amateurmannschaft ab

Christian Tretbar[Paris]

Eine richtige Liebesgeschichte wird es zwischen Olympique Lyon und Giovane Elber nicht mehr. 4,5 Millionen Euro hat der Französische Meister im August 2003 an den FC Bayern München überwiesen, um den Brasilianer an sich zu binden. Doch seither ist die Beziehung geprägt von Problemen, Missverständnissen und Anschuldigungen. Jetzt wurde der 32-Jährige sogar in die Amateurmannschaft verbannt. Dritte französische Liga statt Champions League gegen Werder Bremen also. Lyons Präsident Jean-Michel Aulas will von dem Stürmer nichts mehr wissen: „Elber wird nicht mehr bei den Profis spielen. Er macht ständig, was er will. Mit ihm gibt es nur Probleme.“

Das ist der Tiefpunkt einer leidvollen Geschichte, die am 22. August 2003 begann. Da knickte Elber im Spiel beim FC Metz um und brach sich den Knöchel. Die Anteilnahme der Fans war groß, Elber bekam mehr als 500 Mails. Doch so harmonisch sollte es nicht weitergehen. Bernard Moyen, der Vereinsarzt, operierte ihn und prophezeite ihm, er könne im Januar wieder spielen. Nach Komplikationen wurde Elber jedoch skeptisch, ob der Arzt bei der Operation auch alles richtig gemacht hatte und ging auf Nummer sicher.

Ohne mit den Verantwortlichen seines Vereins zu sprechen oder seinen Arzt Moyen zu informieren, ließ sich Elber in München ein zweites Mal operieren. „Es steht fest, dass bei der ersten OP etwas schief gegangen ist. Ich habe versucht, von Herrn Moyen eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen, aber da kam nichts“, sagt Elber. „In Deutschland haben sie mir dann geholfen. Dabei habe ich natürlich sehr egoistisch gehandelt und nicht meinem Verein Bescheid gegeben. Das wäre aber besser gewesen.“

Diese leise Entschuldigung reichte Olympique nicht. „Elber hat unsere medizinische Abteilung kritisiert und sich einfach, ohne sich mit uns in Verbindung zu setzen, ein zweites Mal operieren lassen“, sagt Klubchef Aulas. Moyen bezweifelt die Notwendigkeit des zweiten Eingriffs: „Das war unlogisch und nicht nötig, zumal die deutschen Ärzte von uns überhaupt keine Unterlagen über den Krankheitsverlauf angefordert haben.“

Zwischenzeitlich kamen immer wieder Gerüchte auf, Elber wolle wieder ganz nach Deutschland zurück. Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC waren im Gespräch. Elber bestätigte zunächst, dass er gerne wieder nach Deutschland wolle, um es dann kurze Zeit später wieder zu dementieren: „Ich will meinen Vertrag zu 100 Prozent erfüllen und gerne noch einmal mit Lyon Meister werden.“ Kurz vor Weihnachten reiste Elber nach Brasilien, um dort seine Verletzung auszukurieren. Am Montag kam er aus Brasilien zurück, und der Ärger ging weiter – sein Arbeitgeber hatte ihn bereits zum Trainingsauftakt am 29. Dezember in Lyon erwartet. „Er hätte uns eine schriftliche Erklärung für seine Abwesenheit schicken müssen“, sagt Aulas. Nun hat er genug. Weil jedes französische Profiteam nur vier Nicht- EU-Ausländer im Kader haben darf, hat Aulas Elber verbannt und dessen Landsmann Nilmar in den Profikader berufen.

Elbers Vertrag läuft bis zum 30. Juni. An eine Kündigung denkt Präsident Aulas nicht: „Es wäre falsch, von einer Scheidung zu sprechen, aber wir haben jetzt klar gestellt, dass Elber nicht mehr bei den Profis spielen wird.“ Nach einer gemeinsamen Zukunft klingt das nicht.

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