Sport : Beziehung zur Bundesliga soll neu geregelt werden

Grundlagenvertrag sieht unter anderem Erhöhung der Abstellungsgebühr für Nationalspieler-Einsätze vor

Die Beziehung zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Bundesliga bekommt ein neues Fundament. Kernpunkt der geplanten DFB-Strukturreform ist neben der Gründung des eigenständigen Liga-Verbandes der 36 deutschen Profi-Vereine ein Grundlagenvertrag zwischen DFB und dieser Liga-Organisation. "Wie der Vertrag letztlich aussehen wird, ist zur Zeit eine der spannendsten Fragen im deutschen Fußball", sagt DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach. Das Vertragswerk wird die wirtschaftlichen Verknüpfungen zwischen DFB und Bundesliga regeln. Die Forderung der Vereine, dass die derzeit gültige Abstellungsgebühr des DFB von 6000 Mark pro Nationalspieler-Einsatz erhöht werden muss, wird auf jeden Fall erfüllt.

Verhandlungsbasis zwischen DFB und Liga-Vereinen ist, dass die Klubs zukünftig 15 Prozent der Fernseheinnahmen aus jedem Länderspiel erhalten sollen. Momentan entrichtet der DFB bei einem Länderspiel, wenn 18 Spieler eingeladen werden, insgesamt nur 108 000 Mark an die abstellenden Vereine. Die TV-Einnahmen des DFB schwanken zwischen sechs und zehn Millionen pro Partie, so dass der noch zu gründende Bundesliga-Verband demnächst bei jedem Länderspiel zwischen 900 000 bis 1,5 Millionen Mark einnehmen kann. Karl-Heinz Rummenigge forderte als Vizepräsident des FC Bayern München bereits von den leitenden DFB-Funktionären, dass nur die abstellenden Vereine von den höheren Zuwendungen profitieren dürften.

Der DFB wird sich in weiteren Details des Grundlagenvertrags gegenüber den Klubs finanziell großzügiger zeigen. Der Fall des Ex-Dortmunders Steffen Freund, der nach seiner schweren Verletzung bei der EM 1996 in England fast zum Sportinvaliden geworden wäre, hat den Verband sensibilisiert. Zukünftig wird der DFB die Nationalspieler für den Schadensfall extrem hoch versichern. Jährlich muss der Verband vier Millionen Mark an Versicherungsprämien aufbringen, damit er im Verletzungsfall anstelle des betroffenen Vereins sechs Wochen lang die Gehaltszahlungen an den Spieler übernehmen kann. Danach wäre wie bisher die Berufsgenossenschaft zuständig.

Zunächst muss der Verband der Profi-Vereine aber noch ins Leben gerufen werden. Während in Italien, Spanien und England die Profi-Verbände teilweise einflussreicher als die nationalen Fußball-Verbände sind, wird die Bundesliga erst 37 Jahre nach ihrer Gründung volljährig. Dem Verbund der Profi-Klubs, die bisher nur über den rechtlich fast machtlosen Liga-Ausschuss ihre Belange mitgestalten konnten und dabei auf das Wohlwollen der von Amateuren beherrschten Gremien angewiesen waren, werden endlich umfassende Rechte und höhere Stimmen-Kontingente zugestanden. "Der Liga-Verband ist dann zu sehen als eine juristische Person wie der Süddeutsche oder Westdeutsche Fußball-Verband innerhalb des DFB", erläuterte Präsident Egidius Braun die Neuerung. Sie soll wie die gesamte Strukturreform am 29. April vom DFB-Beirat auf den Weg durch die Verbandsinstanzen gebracht werden.

Im Grundlagenvertrag werden weitere Dinge festgelegt, unter anderem auch die Zahlungen der Lizenzvereine an den DFB, der weiter die Verwaltung der Bundesliga übernimmt und die Räumlichkeiten stellen wird. "Es gibt einfach Dinge, wie die Verzahnung von Profi- und Amateur-Fußball, die sind unverzichtbar", sagt Braun. So wird schriftlich fixiert, dass der DFB-Pokal weiter mit Amateurmannschaften durchgeführt wird, und dass ein "Sonntagsschutz" der Amateurspiele vor zu vielen Profi-Begegnungen bestehen bleibt. Der DFB erwartet, dass die Liga im Grundlagenvertrag zusichert, dass TV-Übertragungen von der Bundesliga am Sonnabend möglichst zeitnah zu den Spielen gesendet werden müssen.

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