Sport : Bezwingbares Vorbild

Dortmund kommt beim 2:2 in Hoffenheim zurück, verliert aber den Anschluss zur Tabellenspitze.

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In der Schwebe. Das Publikum in Sinsheim sah ein rasantes Spiel mit vielen Möglichkeiten auf beiden Seiten, hier macht der ansonsten eher unsicher agierende Hoffenheimer Torwart Jens Grahl eine Chance der Dortmunder zunichte. Foto: AFP
In der Schwebe. Das Publikum in Sinsheim sah ein rasantes Spiel mit vielen Möglichkeiten auf beiden Seiten, hier macht der...Foto: AFP

Markus Gisdol fand ein paar wirklich nette Worte in Anbetracht des Spielverlaufs. Nach dem 2:2 (2:1) der TSG Hoffenheim gegen Borussia Dortmund vor 30 150 Zuschauern erhob der Hoffenheimer Trainer den Gegner zum „fußballerischen Vorbild“. Was wiederum seinem Kollegen Jürgen Klopp ein knappes Lächeln und einen sarkastischen Kommentar entlockte „So zu spielen wie Bayern München ist schwer, gegen sie zu gewinnen, daran denkt keiner“, sagte der Dortmunder Trainer, „uns finden die Gegner geil und glauben trotzdem, sie können uns schlagen – das ist ein unangenehmes Gefühl.“ Die Bayern hingegen seien weniger Vorbild – dafür aber Tabellenführer. „Das ist schon cool“, sagte der Dortmunder Trainer anerkennend.

Die Stimmungslage der Dortmunder, ist schwer zu ergründen. Zum großen Gegenspieler der Bayern im Kampf um die Meisterschaft jedenfalls taugt die Borussia in dieser Saison nicht mehr. Zwölf Punkte fehlen schon zum Tabellenführer. „Von uns ist keiner so blauäugig zu glauben, wir können uns mit den Bayern messen“, sagte Spielmacher Nuri Sahin. Sebastian Kehl analysierte: „Die sind enteilt, das ist nicht mehr unser Ziel. Wir haben mit Leverkusen und Gladbach zu tun.“

Nach den Toren von Sven Schipplock und Kevin Volland für Hoffenheim sowie von Pierre-Emerick Aubameyang und Lukasz Piszczek für Dortmund hat sich der Abstand nach oben weiter vergrößert. Es geht nur noch darum, an den Zweiten Leverkusen heranzukommen und den Vierten Mönchengladbach auf Distanz zu halten. „Wir haben zwei Punkte verloren“, klagte Sahin. „Das Gefühl heute ist nicht berauschend, wir müssen uns ankreiden, unsere Chancen nicht genutzt zu haben.“ Trainer Klopp machte den Druck des Gegners und die hohe Belastung seines Teams für das Remis verantwortlich.

Am Mittwoch waren die Borussen mit einem arg dezimierten Aufgebot durch ein 2:1 bei Olympique Marseille ins Achtelfinale der Champions League eingezogen. „Da mussten wir richtig hart arbeiten“, sagte Kehl. „Das war auch heute wieder der Fall“, ergänzte Klopp. Heute war Bundesliga. Und da hinkt der BVB eigenen Ansprüchen hinterher und erlebt von vielen Verletzungssorgen geplagt eine schwierige Saison. „Die Mannschaft wollte gewinnen“, sagte Klopp, „aber wir haben unsere Angriffe nicht abgesichert, das war bei Hoffenheims Umschaltqualität keine gute Idee.“

Klopp ließ Torwart Roman Weidenfeller, Henrich Mchitarjan und Kevin Großkreutz auf der Bank, sein Team kam aber trotzdem zu ersten Chancen. Marco Reus’ Tor nach zehn Minuten wurde wegen einer Abseits-Stellung nicht anerkannt. Bald aber verlor der BVB die Kontrolle und fand kein Mittel mehr gegen Hoffenheimer Konter. Schipplock lupfte den Ball zum 1:0 ins Netz, Volland schoss wenig später flach ins lange Eck zum 2:0. Dass die Westfalen in einer intensiven Partie schnell zurückkamen, lag an TSG Torwart Jens Grahl, der den Ball nach einer Ecke fallen ließ, Aubameyang schob ihn zum Anschlusstreffer ins Tor.

„Ich dachte die werden nach 60, 70 Minuten müde“, sagte TSG-Coach Gisdol angesichts der Belastung des Konkurrenten. „Aber das war nicht so.“ Stattdessen traf der lange verletzte Piszczek zum 2:2. „Wir haben dann so unglaublich viele Chancen vergeben“, klagte Klopp. Und Gisdol sagte: „Wir wären kein unverdienter Sieger gewesen, wir hätten das Spiel aber auch verlieren können. Das sagt alles.“

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