Sport : BFC Dynamo: Die letzte Runde

Andre Görke

Spät am Samstagabend drehte der Mannschaftsbus auf dem Parkplatz des Sportforums Hohenschönhausen seine letzte Runde. Stunden zuvor hatte der BFC Dynamo 2:5 beim 1. FC Magdeburg verloren und damit den Aufstieg in die Regionalliga verpasst. Im Hinspiel hatte es ein 0:0 gegeben. Als die Spieler nun aus dem Bus stiegen, warteten einige Dynamo-Fans schon in der Stadionkneipe. Man war schließlich Meister geworden in dieser Saison, wenn auch nur in der Oberliga Nord. "Warum sollen wir nicht auch feiern?", sagt Torwart Nico Thomaschewski.

Nach ein paar Bieren ging es gemeinsam in die Disco. Nur Stürmer Danut Oprea kam nicht mit. Der Rumäne wollte am nächsten Morgen mit seiner Frau nach Paris fahren. Ins Disneyland. "Kann ich nach Hause gehen?" fragte er seinen Trainer. Jürgen Bogs nickte. "Wir sehen uns im Juli wieder", sagte Danut Oprea.

Es soll also weitergehen beim BFC Dynamo. Nur muss der DDR-Rekordmeister ein weiteres Jahr viertklassig kicken. "Es wird ein paar Tage dauern, bis ich die Niederlage begriffen habe", sagt Bogs, der den Verein schon zu seinen großen Zeiten betreut hat - in der DDR-Oberliga und im Europapokal. Jetzt muss der Trainer bescheiden festhalten: "Wir haben unsere Zielsetzung nicht erreicht." Der 54-Jährige bleibt trotz des verpassten Aufstiegs beim BFC Dynamo. Sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2002.

Dynamo wird in der Oberliga weiterhin im Sportforum Hohenschönhausen spielen. Für die Regionalliga war der Umzug in den Jahnsportpark vorgesehen. Der Etat sinkt um eine halbe Million auf 2,3 Millionen Mark. Zumindest fällt ein Problem weg, dass es durch einen Aufstieg wegen der klammen Kassen bei Dynamo gegeben hätte. Der Fußballverband hatte durchblicken lassen, dass der BFC keine Regionalliga-Lizenz bekäme. "In der Oberliga braucht man keine Lizenz", sagt BFC-Manager Hans Reker.

Die beiden Rumänen Florin Batrinu und Dorel Zegrean werden den Verein verlassen, Torjäger Denis Koslow liegt ein Angebot aus der Regionalliga vor. Silvian Cristescu wurde in Magdeburg von einem Schweizer Erstligisten beobachtet. Auch Torhüter Nico Thomaschewski könnte es wegziehen. Er hatte ein paar Stunden vor dem Spiel einen Anruf von einem Spielervermittler erhalten. Thomaschweski solle ordentlich spielen, sagte der Mann am Telefon. Ein Zweitligist hätte Interesse bekundet. "Wenn ein besseres Angebot kommt, dann gehe ich", sagt der 30-Jährige. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus. Mit einer Verlängerung hält er sich zurück. "Es muss eine Basis da sein", sagt er. Die fehlt. Seit fünf Monaten hat er kein Gehalt bekommen. Und da sein Zeitschriftenladen noch nicht so läuft, "mussten mich zwei Freunde finanziell unterstützen", sagt Thomaschewski.

Die ausstehenden Gehälter, die sich mittlerweile auf eine Summe von einer halben Million Mark angehäuft haben, will Reker "in den nächsten Monaten" zahlen. Hinzu kommt eine weitere halbe Million Mark an Altschulden. Für einen viertklassigen Verein ist das eine enorme Belastung. In letzter Zeit hat Reker 35 neue Sponsoren hinzugewinnen können. In dieser Saison war Dynamo finanziell abhängig von der Lipro AG, einem Unternehmen aus der Softwarebrache. Als Lipro wie so viele Unternehmen der New Economy in die Krise geriet, bekam Dynamo nicht die versprochenen Gelder.

Manager Hans Reker will nicht mehr nur von einem Hauptsponsor abhängig sein. Vor allem Firmen aus dem Nordosten Berlins sollen angesprochen werden. Nach dem geplanten Umzug der Eishockey-Eisbären aus dem Sportforum wäre der BFC Dynamo in Hohenschönhausen der einzige Sportverein, der höherklassig spielt. Sogar der Umbau des schmuddeligen Sportforums steht langfristig zur Debatte. Und selbst das Fernziel wird nicht verändert: 2005 will der Klub in die Zweite Liga aufsteigen.

Der Zeitplan für dieses Ziel sieht vor, dass der BFC Dynamo 2002 drittklassig wird. Jürgen Bogs wird sich an dieser Zielsetzung messen müssen. Die Tranfers für die kommende Saison sind getätigt. "Die Vermittler bieten uns Spieler an wie heiße Würstchen", sagt Bogs. Achtmal hat der BFC Dynamo zugegriffen.

Unter den Neuen beim BFC befindet sich ein gewisser Friedrich Breitenfelder, von dem sich Jürgen Bogs einiges erhofft. "Er ist eins der größten österreichische Talente", sagt er. Der 20-jährige Mittelfeldspieler kommt ablösefrei vom früheren englischen Erstligisten Luton Town - einem mittlerweile vierklassigen Klub.

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