Sport : BFC Dynamo: Gesunder Stress

Andre Görke

Jürgen Bogs ist verärgert. Der Trainer trifft heute mit dem BFC Dynamo um 14 Uhr im Sportforum Hohenschönhausen auf den 1. FC Magdeburg. Beide Klubs sind in ihren Fußball-Oberligen Staffel-Meister geworden. Dynamo im Norden, Magdeburg im Süden. Nun ermitteln sie in zwei Qualifikationsspielen den Aufsteiger in die Regionalliga Nord. Da sich aber im Süden die alten DDR-Traditionsvereine wie Dynamo Dresden oder VfB Leipzig tummeln, gilt Magdeburgs Staffel als die stärkere. Und genau das kann Bogs nicht mehr hören.

"Sicher ist Magdeburg eine starke Mannschaft", sagt der Berliner Trainer. "Sie hat aber auch Schwächen." So kassierte Magdeburg in dieser Saison 30 Tore, Dynamo nur 17. "Wir müssen ihre Abwehr beschäftigen", sagt Bogs. Magdeburgs 33-jähriger Libero Bodo Schmidt, der vor ein paar Jahren noch mit Borussia Dortmund im Europapokal kickte, ist nicht gerade wendig und schnell. Das gilt auch für Verteidiger Andreas Golombek. Die beiden könnten mit Dynamos Stürmer Danut Oprea Probleme bekommen. Aber die Magdeburger spielen ordentlichen Offensiv-Fußball. 120 Tore haben sie in 34 Spielen geschossen, der BFC Dynamo dagegen 92.

Viel zu sagen hat das nicht. Gegeneinander gespielt haben die beiden noch nicht. "Die Nervosität kommt erst am Spieltag", sagt Bogs. "Obwohl ich mich neulich ertappt habe, dass ich an die Spiele denke. Ob die Spieler die Taktik umsetzen, die ich vorgegeben habe? Und was wäre, wenn wir es nicht schaffen?" Zwei Spiele entscheiden eine ganze Saison. Millionen Markbeträge haben die Klubs in viertklassige Teams gesteckt, beide reden von der Zweiten Bundesliga. Für einen aber wird es egal sein, dass er nach 34 Spieltagen Meister war. "Das erste Spiel ist wegweisend", sagt Bogs. "Es ist aber nicht entscheidend. Wichtig ist, dass wir das Spiel nicht vergeigen."

Dynamos Manager Hans Reker spricht von "gesundem Stress." Schließlich "haben wir endlich die Zielgerade im Blickpunkt". Seit Wochen schon war klar, dass die beiden Klubs Meister werden würden. Jetzt endlich spielen sie gegeneinander. Das Zuschauerinteresse ist enorm. Verlieren sich sonst lediglich ein paar hundert Zuschauer im Sportforum, sind nun bereits über 7000 Karten im Vorverkauf weggegangen. 11 000 werden wohl kommen, damit wäre das Sportforum ausverkauft. "Ich habe keine Angst vor Magdeburg, eher Respekt", sagt Reker. "Ich bin mir aber sicher, dass wir nicht verlieren werden."

Am nächsten Sonnabend geht es zum Rückspiel nach Magdeburg. Anpfiff ist um 15.30 Uhr, der MDR überträgt das Spiel live. Was wäre, wenn Dynamo nicht aufsteigt? Der Etat würde auf zwei Millionen Mark sinken. Immer noch genug für die Oberliga. "Wir würden wieder angreifen", sagt Reker. Nur wäre dann beispielsweise Danut Oprea nicht mehr dabei. Ihm liegt ein Angebot aus der Bundesliga vor.

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