Sport : BFC Dynamo: Lieber Leipzig als Eberswalde

Andre Görke

Das ist schon eher das Ambiente für einen Rekordmeister: Nachdem der BFC Dynamo ein Jahr lang bei viertklassigen Klubs wie Motor Eberswalde antreten musste, erwarten ihn heute 20 000 Zuschauer im Stadion und noch viel mehr an den Bildschirmen. Der zehnmalige DDR-Meister tritt im Aufstiegsspiel zur Regionalliga beim einstigen Europacupsieger 1. FC Magdeburg an. Der MDR überträgt das Spiel um 15.30 Uhr live. Die Bedingungen stimmen, ansonsten sieht es für die Berliner nicht gut aus. Nach dem 0:0 im Hinspiel müssen sie gewinnen oder ein 1:1 oder ein höheres Unentschieden schaffen. Sonst steigt Magdeburg auf. Nur ein 0:0 bringt eine Verlängerung.

Dynamos Manager Hans Reker ist auf alles vorbereitet. "Wir haben zweigleisig geplant. Auch für die Oberliga." Gegen Eberswalde will Reker auf keinen Fall mehr kicken. Bislang trat der BFC in der Nordstaffel der Oberliga an. Nun haben die Berliner vor zwei Wochen einen Antrag beim Nordostdeutschen Fußballverband gestellt, in der kommenden Saison im Süden mitspielen zu dürfen. Dort kicken die Traditionsklubs des Ostens: Dynamo Dresden, Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig. "Da nimmt man an einem Spiel so viel ein, wie in der ganzen Saison im Norden", sagt Reker. Bei Dynamo Dresden gegen Magdeburg waren fast 13 000 Zuschauer im Stadion. Das Spitzenspiel der Nordstaffel zwischen dem BFC Dynamo und Herthas Amateure wollten nicht einmal 2000 sehen. Kommen lediglich ein paar hundert Zuschauer ins Sportforum Hohenschönhausen, "bleiben 2000 Mark hängen", sagt Reker. Davon kann man höchstens den Mannschaftbus bezahlen. Der BFC Dynamo verdient in der Oberliga nichts. Die Fernsehgelder betragen gerade einmal 12 500 Mark. Die Spieler aber sind Vollprofis.

Dynamo ist abhängig von seinem Sponsor, der Lipro AG. Das Software-Unternehmen steckt aber wie so viele Firmen aus der New Economy in der Krise. Die Spieler haben seit einem Vierteljahr kein Gehalt bekommen. Manager Reker spielt das Desaster herunter. "Missverständnis", sagte er zu Wochenbeginn. Als Dynamos Spieler die von Reker ausgegeben Schecks bei der Bank einlösen wollten, um an einen Teil der ausstehenden Gelder heranzukommen, waren die Konten leer. Am Mittwoch sollte das Geld da sein. Doch die Lage ist schlimmer. Lipro kommt nicht aus der Krise, ein anderer Geldgeber ist nicht in Sicht. Die Spieler drohten mit Streik. "Es steigen alle in den Bus nach Magdeburg", sagt Reker. Er behauptete noch am Donnerstagabend, dass "ein Teil der ausstehenden Gehälter getilgt wurden". Fakt ist, dass kein Spieler Geld bekommen hat. Gestern hat man ein Abkommen getroffen: Die Spieler werden in Magdeburg antreten.

Und der Druck wird noch größer. Nur in der Regionalliga kann der BFC überleben. Dort gibt es jährlich allein 750 000 Mark an Fernsehgeldern. Der Verbleib in der Oberliga aber wäre langfristig nicht zu verkraften. Und das erschwert die Entscheidung zwischen Nord und Süd. "Die Chance, im Norden Meister zu werden, ist größer", sagt Reker. Im Süden lockt etwas Geld. Deshalb ist man sich nicht einig. Präsidentin Karin Seidel-Kalmutzki plädiert weiterhin für den Norden.

Erlaubt ist beides. Ralf Rose vom Nordostdeutschen Fußballverband hat auch einen Antrag von Herthas Amateuren vorliegen. "Im Prinzip dürften beide in den Süden. Die Staffeln sind willkürlich geteilt." Es gibt keine geographische Grenze. Hauptsache, Eberswalde zieht es nicht auch noch in den Süden.

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