Sport : Biathlet Sven Fischer hört auf

Helen Ruwald

Berlin - Sven Fischer philosophierte über das Karriereende im Allgemeinen, aber er wurde nicht konkret. Vielleicht konnte er noch nicht mehr sagen, wahrscheinlich aber wollte er es nicht. Als Ricco Groß beim Biathlon-Weltcup in Oberhof im Januar zum x-ten Mal über seinen Abschied aus dem Spitzensport Auskunft geben musste, hielt sich Fischer zurück. „Nach der Saison warte ich mit der Familie auf den Osterhasen, dann sehen wir weiter“, kündigte er an. Die Gesundheit müsse man als älterer Sportler ebenso im Blick haben wie berufliche Perspektiven. „Wir sind uns bewusst, dass wir viel erreicht haben und dass uns Türen offen stehen. Aber die Türen gehen auch wieder zu“, sagte er. Es klang nach Abschied.

Seit gestern ist es offiziell. Da erklärte der 36-jährige Oberhofer, dass ein Sven Fischer mit Ski, Gewehr, aber ohne Handschuhe der Vergangenheit angehört. „Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Aber Körper und Geist sollten eine Einheit sein. In den letzten Jahren war ich mit Verletzungen gebeutelt“, sagte er. Für den Fernsehsender wird er künftig als Experte arbeiten. Fischer gewann 20 WM- Medaillen, darunter sieben goldene, und acht Olympia-Medaillen. 2006 in Turin triumphierte er in einem olympischen Einzelrennen, 2007 bei der WM in Antholz blieb ihm eine Einzelmedaille verwehrt, mit der Staffel holte er Bronze. 33 Weltcupsiege hat Fischer errungen.

Nach Ricco Groß und dem Franzosen Raphael Poiree hat nun der nächste Vertreter einer großen Biathlon-Generation Abschied genommen. „Ihn nicht mehr zu haben, ist ein herber Verlust für uns, vor allem für die jungen Burschen, die eine Leitfigur verlieren“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Eine bescheidene Leitfigur, die auch im biathlonverrückten Norwegen viel Wertschätzung genoss. Er spricht Norwegisch und war nach seinen Siegen in Oslo regelmäßig Gast in der Königsloge bei Harald V. Da wäre er gerne nach dem Massenstartrennen im März gewesen, doch Ole Einar Björndalen drängte ihn aus der Spur. Selten sah man ihn danach so aufgebracht. Er wusste, dass es sein letzter Auftritt am Holmenkollen war. (mit dpa)

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