Sport : Biathlet Wolf schießt knapp am Ziel vorbei

Hartmut Moheit

Oberhof - Dieser verflixte letzte Schuss. In Gedanken war Alexander Wolf „bereits wieder auf der Strecke“, als er das Geschoss losschickte. Mit 300 Metern pro Sekunde schlugen Teile davon in 50 Metern Entfernung im Ziel ein, aber eben nicht mindestens zwei Drittel davon. Die Scheibe klappte nicht um. Damit war klar, dass es für den Führenden der Weltcupwertung im Biathlon sehr schwer werden würde, das Sprintrennen über zehn Kilometer gestern Morgen in Oberhof zu gewinnen. Hoffen konnte der 27-Jährige zwar noch, weil seine Laufleistung extrem gut war. Aber die eine Strafrunde über 150 Meter für den Fehlschuss im Stehendanschlag hatte ihn etwa 22 Sekunden gekostet. Das war zu viel.

Tatsächlich schafften es sechs Biathleten im Nebel von Oberhof, ohne Fehlschuss über die Runden zu kommen. Wegen des Wetters war das Rennen von Freitag auf den Samstag verschoben worden. Und einer von ihnen lief zudem besonders schnell, Vincent Defrasne aus Frankreich. In 27:03,7 Minuten ließ er Alexander Wolf um 14,7 Sekunden hinter sich. Den Kampf um den dritten Podestplatz entschied der Russe Maxim Tschoudow (22,5 Sekunden hinter Defrasne) mit einem Plus von genau fünf Sekunden gegenüber Michael Greis (Ruhpolding) für sich. „Die sehr gute Leistung des Teams“, wie sie Bundestrainer Frank Ullrich bewertete, vervollständigten Michael Rösch (Altenberg/6.) und Sven Fischer (Oberhof/10.). Die Masse der mehr als 20 000 Biathlon-Fans war schließlich auch wieder an den Rennsteig in den Thüringer Wald gekommen, um die Deutschen zu feiern.

„Ich dachte, mir würde das alles nichts ausmachen“, sagte Alexander Wolf zur Situation vor seinem ersten Start im Gelben Trikot des Weltcupersten. „Als ich dann aber am Start stand, war ich auf einmal so nervös, dass ich sogar Gänsehaut bekam.“ Für ihn war damit ein Kindheitstraum wahr geworden. Im Sprint hatte Wolf 2003 in Lahti und 2005 in Osrblie die bisher einzigen Weltcuprennen seiner schon etwas länger währenden Laufbahn gewonnen. Wolf, der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, führt seinen langen Anlauf in die Weltspitze auf fehlende Erfahrungen zurück. „Du musst erst einmal testen, was du in bestimmten Rennsituationen für Entscheidungen zu treffen hast“, sagte der Groß-Cousin des elfmaligen Weltmeisters Frank Luck (beide haben dieselbe Urgroßmutter), der diesmal nur noch als Fan an der Strecke war.

Mit seiner Stabilität ist Alexander Wolf auch ein Medaillenkandidat für Olympia in Turin. Er hofft im kommenden Monat auf „mehrere Stars für Deutschland“. Vor vier Jahren in Salt Lake City durfte der Bundespolizeimeister einmal laufen, und da wurde er 34. „Nach Turin möchte ich auf keinen Fall als Tourist fahren.“ Natürlich reizt ihn die Staffel besonders. In diesem Team wollen alle deutschen Biathleten in Olympiakleidung liebend gern laufen. Der gemeinsame Jubel ist eine besondere Motivation. Die Chancen für Wolf stehen bestens: Läuferisch kann ihm ohnehin keiner der Deutschen etwas vormachen, und das Schießen bewältigt er immer besser. Den verflixten letzten Schuss in Oberhof hatte er schon zur Siegerehrung längst vergessen. Heute gibt es eine weitere Chance im Massenstartrennen.

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