Biathleten holen nur zwei WM-Medaillen : Scheibenkleister

Die deutschen Biathleten zeigen beim Schießen Schwächen und bleiben am letzten WM-Tag ohne Medaille. Neben Platz drei der Männerstaffel gab es damit nur noch die WM-Silber von Andrea Henkel im Einzel.

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Schneller Waldspaziergang. Erik Lesser kam im Massenstart als Fünfter ins Ziel und war damit der Beste der deutschen Biathlon-Mannschaft. Foto: dpa
Schneller Waldspaziergang. Erik Lesser kam im Massenstart als Fünfter ins Ziel und war damit der Beste der deutschen...Foto: dpa

Wie aufgescheucht hetzten Andrea Henkel und Miriam Gössner am Sonntag um kurz vor halb vier durch den Wald oberhalb der Biathlonarena von Nove Mesto. Gerade noch neben der Strecke postiert, wollten die beiden deutschen Biathletinnen beste Sicht auf den Schießstand haben, wo zwei Sportler des Deutschen Ski-Verbands (DSV) im Massenstart ein letztes Mal bei dieser Weltmeisterschaft um eine Medaille kämpften. Andreas Birnbacher und Erik Lesser hatten sich bis zur entscheidenden Übung in einem Pulk aus sieben Mann behauptet – doch als die absolviert war, blieb als Anwärter aufs Podium nur noch Lesser übrig.

Der 24-jährige Thüringer traf alle fünf Scheiben, Birnbacher musste einmal in die Strafrunde. Am Ende wurde Lesser beim Sieg des Norwegers Tarjei Boe Fünfter und war – bei einem zarten Rückstand von knapp 13 Sekunden im wichtigsten Rennen seiner Zunft – überwältigt von sich selbst. „Ich bin überglücklich, dass ich mit den Typen da vorne mitlaufen konnte. Ein saugeiles Rennen“, erklärte der Mann mit dem roten Bart und gestand: „Dabei wollte ich heute morgen nicht mal joggen gehen und, übertrieben gesagt, gar nicht antreten.“

Das Rennen vom Vortag, als er als Schlussläufer der deutschen Staffel beim letzten Schießen das sicher geglaubte Silber vergab, seiner Mannschaft mit einer großen Energieleistung am Ende aber immerhin einen Satz Bronzemedaillen sicherte, hing Lesser noch in den Knochen. Das kleine Trauma vom Samstag konnte er 23 Stunden später aber erfolgreich abschütteln – die Verarbeitung der schwächsten WM einer deutschen Biathlon-Mannschaft seit 1985 wird dagegen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Im März stehen noch drei Weltcups an, danach geht es wie üblich in die Tiefenanalyse der Arbeit, die beim Saisonhöhepunkt abgeworfen hat. Aus den von Thomas Pfüller geforderten fünf bis sechs WM-Medaillen waren zwei geworden, entsprechend bedient sagte der Sportdirektor des DSV: „Sicherlich ist das enttäuschend, da muss man nach Ursachen suchen.“ Unabhängig davon ist sich Pfüller für den kommenden Olympia-Winter erstaunlicherweise aber jetzt schon sicher: „Da werden wir bestimmt wieder eine bessere Bilanz präsentieren.“

So viel Zuversicht ist Gerald Hönig fremd. Drei Stunden vor den Männern kam Miriam Gössner beim Massenstart als beste DSV-Starterin als Sechste ins Ziel, Henkel wurde 13., Franziska Hildebrand 22. Die unbeschwerte 19 Jahre alte Laura Dahlmeier, die in der Staffel voll überzeugte, nimmt Hönig immerhin als Hoffnungsschimmer mit in die Zukunft. Ansonsten ist der Frauen-Trainer Kummer gewöhnt, entsprechend hielt sich seine Enttäuschung in Grenzen. „Schon als wir hierher gefahren sind, wussten wir, dass wir nicht an die Erfolge der Jahre vorher anknüpfen können“, sagte er und haderte nach einer „schwierigen WM“ vor allem mit den zähen Zweikämpfen seiner Athletinnen mit den fünf schwarzen Scheiben. „Beim Schießen hat uns immer irgendwas gefehlt“, erklärte Hönig und fand dabei drei Ausdrücke für ein und dasselbe Problem: „Kaltschnäuzigkeit, Abgezocktheit, Frechheit.“

Als anschauliches Modell stellte sich zum Abschluss ungewollt nochmals die 22-jährige Gössner zur Verfügung: Vor der finalen Übung im Stand lag sie auf Tuchfühlung zu Darja Domratschewa. Doch während die Weißrussin ihren Frust über eine komplizierte Saison kurz darauf mit ihrem Sieg im Massenstart linderte, bekam Gössner beim Zielschießen einmal mehr die große Flatter.

Sie setzte drei Patronen daneben und musste zur Strafe drei Extrarunden drehen – ein bekanntes Bild. „Bei letzten Schießen hab ich’s leider ein bisschen vergeigt“, erkannte Gössner, die ihre Stimmung nach einer kurzen Verschnaufpause in der oberbayerischen Heimat nun im Kreise ihrer früheren Langlaufkolleginnen aufhellen will. Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Val di Fiemme wird sie am 26. Februar im Einzel über zehn Kilometer in der freien Technik starten, möglicherweise auch in der Staffel zwei Tage später. Und am 1. März geht es für Miriam Gössner dann wieder als Biathletin weiter, beim Weltcup in Oslo.

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