Biathlon : Alles neu in der Spur

Bei den deutschen Biathleten hat sich viel verändert, heute starten sie in Östersund in die neue Saison.

von und Klaus-Eckhard Jost
Angriff mit Verspätung. Magdalena Neuner fehlt zum Weltcup-Auftakt. Foto: ddp
Angriff mit Verspätung. Magdalena Neuner fehlt zum Weltcup-Auftakt. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Magdalena Neuner hat es kommen sehen. „Es scheint mittlerweile traurige Tradition zu sein, dass ich pünktlich zum Weltcup-Start krank werde“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin. In den vergangenen Jahren war es so – und in diesem Jahr ist es wieder so. Ein bronchialer Infekt zwingt die 23 Jahre alte Biathletin zur Absage. Während ihre Konkurrentinnen heute mit dem Einzel in Östersund in die neue Saison starten (16.20 Uhr, live in der ARD), bereitet sich Neuner zu Hause in Wallgau auf ihre Einsätze bei der nächsten Station in Hochfilzen vor.

Neuners Ausfall ist aber nicht der Grund, warum Uwe Müssiggang vor allzu großen Erwartungen für diese nacholympischen Saison warnt. „Jeder muss sich darauf einstellen, dass es nicht so erfolgreich weitergehen wird“, sagt der Mann, der die deutschen Biathletinnen von Erfolg zu Erfolg geführt hat und jetzt als Chef-Bundestrainer auch über die Männer wacht. Zu groß ist der personelle Einschnitt bei den Frauen. Mit Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Martina Beck sind gleich drei Athletinnen zurückgetreten, die in den zurückliegenden Jahren um die Siege mitliefen. Von der Staffel, die in Vancouver Bronze ergatterte, ist nur noch Andrea Henkel übrig; in Abwesenheit der alles überragenden Neuner fokussiert sich das Interesse auf sie. Trotzdem ist Henkel „genauso gespannt wie alle anderen, was der Winter bringt“.

Ein kleines Rätsel ist er in der Tat, der Biathlon-Winter aus deutscher Sicht. Zwar haben auch die anderen Weltcup- Starterinnen Kathrin Hitzer, Juliane Döll, Tina Bachmann und die nach ihrem Ausflug zu den Langläuferinnen zurückgekehrte Miriam Gössner schon ihr Talent bewiesen, dennoch kann man von ihnen noch keine konstanten Leistungen auf hohem Niveau erwarten. Selbst der Bundestrainer will zunächst abwarten, „wie sich die Mannschaft in der neuen Situation darstellen wird“.

Die Mannschaft: Damit sind auch und vor allem die zuletzt im Schatten der Frauen zurückgebliebenen Männer gemeint. Große personelle Einschnitte blieben hier nach den Olympischen Spielen aus, Michael Greis sucht als dreifacher Goldmedaillengewinner von Turin 2006 aber immer noch den Anschluss. „Ein guter Start wäre schön, aber die Saison ist lang“, sagt der 34-Jährige. Zumal er mit den Übungsbedingungen im Sommer unzufrieden war. Wegen des Umbaus der Chiemgau-Arena in Ruhpolding fiel das Schießtraining spärlich aus. Darüber hinaus mussten die Biathleten beim Vorbereitungslehrgang in Muonio ihr Training wegen fieser Kälte reduzieren – teilweise zeigte das Thermometer Temperaturen von weniger als minus 20 Grad an.

Wichtiger als die einzelnen Übungsmaßnahmen war in der Vorbereitung aber etwas anderes: das Wir-Gefühl im Team. Dass sich das gestärkt hat, zeigt sich „sowohl in der Zusammenarbeit der Trainer und Betreuer als auch im Miteinander in der Mannschaft“, sagt Müssiggang. Unbedeutend ist dies nicht, nachdem die Trainerteams komplett neu zusammengestellt worden sind: Gerald Hönig und Ricco Groß betreuen jetzt die Frauen, Mark Kirchner und Fritz Fischer die Männer. Weitere Neuerungen sind neben einem Trainerrat, in dem mannschaftsübergreifend alle Betreuer ihre Erfahrung einbringen können, auch vermehrt gemeinsame Trainingslager, womit auch der Kampf der Stützpunkte ein Ende hat. In den vergangenen Jahren war immer argwöhnisch beäugt worden, wie viele Athleten der Stützpunkte Oberhof und Ruhpolding nominiert wurden.

„Alle Entscheidungen müssen neutral getroffen werden“, fordert Müssiggang jetzt. Sonst hält sich der Bundestrainer mit allzu forschen Aussagen zurück. Man dürfe das Wochenende in Östersund „nicht überbewerten“, sagt Uwe Müssiggang. „Es ist der erste Weltcup von vielen in diesem Jahr.“ Und einer ohne Magdalena Neuner.

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