Biathlon : Deutsche Frauen in der Staffel Dritte

UPDATE Auch ohne Magdalena Neuner gewinnen die deutschen Biathletinnen über 4 x 6 Kilometer eine Medaille. Hinter Russland und Frankreich läuft das Quartett Wilhelm, Hauswald, Beck und Henkel zu Bronze.

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Glücklich über Bronze. Die deutsche Staffel: Kati Wilhelm, Simone Hauswald, Martina Beck und Andrea Henkel (v.l.). -Foto: dpa

Ersatzläuferin Magdalena Neuner ließ sich am Dienstagmorgen nicht in der Öffentlichkeit blicken. Sie stand während der 4 x 6 Kilometer-Biathlonstaffel irgendwo im Whistler Olympic Park, fieberte mit ihren vier Teamkolleginnen und war am Ende erleichtert, dass sich ihr viel diskutierter Startverzicht am Ende für die Kolleginnen ausgezahlt hat. „Ich bin froh, dass ich die Entscheidung getroffen habe“, sagte die Doppelolympiasiegerin Magdalena Neuner, „jetzt haben alle eine Medaille und wir können zusammen feiern.“

Die deutsche Frauenstaffel hat zum Abschluss der Biathlonwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Vancouver die Bronzemedaille hinter den Staffeln von Russland und Frankreich gewonnen. „Ich bin zufrieden, dass wir Bronze geholt haben“, meinte Uwe Müssiggang, „es kann auch anders ausgehen.“ Tatsächlich hatte das deutsche Team läuferisch Probleme auf der Strecke, keine Athletin konnte Zeit gut machen. „Wir konnten heute läuferisch nicht gegenhalten“, analysierte der Frauen-Bundestrainer, „deshalb war es gut, dass wir auf dem Schießstand phantastisch gearbeitet haben, ein Nachlader mehr, und dann wackelt die Bronzemedaille.“  

Insgesamt fünfmal musste das deutsche Team nachladen. Die Franzosen auf Platz zwei hatten zehn Fehlschüsse und mussten sogar zweimal in die Strafrunde. Trotzdem konnte Sandrine Bailly nach dem letzten Schießen auch aufgrund ihrer gut präparierten Skier an Andrea Henkel vorbei gehen. Die Schlussläuferin Andrea Henkel. war auf Rang zwei in die letzte Runde gegangen und hatte sich zwei Fehlschüsse im Stehendschießen geleistet. Allerdings lag auf ihr wir auf dem Rest der Staffel nach Neuners Entscheidung besonderer Druck. „Ich war schon nervös“, sagte Startläuferin Kathi Wilhelm, „ich wollte heute nicht unbedingt am Schluss laufen.“  

Wilhelm und Hauswald beginnen stark

Als Startläuferin hatte sie nach einem Fehler im Liegendschießen kurzzeitig den Anschluss an die Spitze etwas verloren. Im Stehendschießen aber machte sie durch einen fehlerfreien Auftritt Boden gut und wechselte auf Platz zwei liegend mit zwölf Sekunden Rückstand auf Simone Hauswald. Die Bronzemedaillengewinnerin im Massenstartrennen bot ein beeindruckendes Rennen. Sie blieb beim Schießen fehlerlos und wechselte auf Rang drei liegend zu Martina Beck.  

Diese soll geweint haben, als sie von der Magdalena Neuners Rückzugentscheidung erfahren hat. Sie gilt als sozialste Läuferin im Team und war in der Vergangenheit öfters in Teamstaffeln nicht berücksichtigt worden. In Whistler hatte sie nur im Einzelrennen über 15 Kilometer starten dürfen und hatte als 29. enttäuscht. Nun bescherte der 30 Jahre alten Biathletin der Verzicht der Doppelolympiasiegerin ihren wohl letzten olympischen Einsatz in einer Staffel. „Es war heute keine einfaches Rennen für mich“, sagte Martina Beck, „ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat.“ Nach zwei Fehlschüssen im Liegend- als auch im Stehendschießen wechselte sie als Zweite auf Andrea Henkel.

Über der Staffel schwebt die Frage, ob die Medaille eine andere Farbe hätte, wenn Magdalena Neuner angetreten wäre. „Die Staffel hat ein gutes Rennen gemacht“, sagte der Bundestrainer Uwe Müssiggang, „hätte, wenn und aber kann man nicht sagen.“ Es hatte auch Kritik gegeben, denn es kommt nicht oft vor, dass ein Verband nicht die bestmögliche Staffel aufbietet. Inzwischen verkauft er die Entscheidung so, dass es nur ein Nebenaspekt sei, dass die anderen Läuferinnen auch eine Medaille gewinnen können. „Wir haben uns unterhalten und ich habe ihr gesagt, dass man in der Staffel auch etwas verlieren kann“, sagte der Bundestrainer, „Magdalena hat ihre Ziele erreicht, wir wollten sie schützen, dass der positive Eindruck nicht einen kleinen Dämpfer bekommt.“ Magdalena Neuner habe seiner Idee zugestimmt. Eines zumindest war aber nach dem Rennen auch klar. In dieser Besetzung wird die deutsche Biathlon-Staffel nie wieder antreten. Der Bundestrainer verspricht: „Magdalena Neuner wird eine feste Staffelgröße.“

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