Biathlon-Gold : Wilhelm, die Zweite

"Wenn's läuft, dann läuft's": Kati Wilhelm holt bei der Biathlon-WM erneut die Goldmedaille – auch, weil sie ihr Training umgestellt hat.

Andreas Morbach[Pyeongchang]
258890_0_c908327f.jpg
Dem Ziel entgegen. Kati Wilhelm auf dem Weg zum zweiten WM-Titel in Pyeongchang. Foto: dpa

Zwei schwarz-rot-goldene Fahnen hingen auf der Zuschauertribüne lasch über dem Geländer, die Mitglieder des „1. Magdalena-Neuner-Fanclubs Wallgau“ gossen sich ein Weizenbier nach dem anderen in die mitgebrachten Gläser – und dazu ließen die Organisatoren der Biathlon-Weltmeisterschaft in Pyeongchang für die deutschen Wintersportfreunde „Keine Panik auf der Titanic“ oder „Ein Bett im Kornfeld“ aus den Lautsprechern dudeln. Zwei Stunden später ertönte in Südkoreas einsamer Hügellandschaft wieder deutsche Musik, diesmal in feierlicher Form. Die Nationalhymne erklang – und wieder, wie schon am Samstag nach dem Sprint, zu Ehren von Kati Wilhelm. Die 32-Jährige, die im Einzelrennen über 15 Kilometer ihre dritte Medaille bei dieser WM gewann und dabei die Slowenin Teja Gregorin und Tora Berger aus Norwegen auf die Plätze zwei und drei verwies, durfte stolz vermelden: „Wenn’s läuft, dann läuft’s.“

Kati Wilhelm hat im vorigen Jahr mit ihrer Rundumüberarbeitung als Sportlerin begonnen. Weil da ein Gefühl war, als laufe sie mit Kieselsteinen in den Schuhen durch die Gegend – und nach jedem Schritt kamen wieder ein paar Steinchen dazu. „Ich spürte da immer so eine kleine, unterschwellige Unzufriedenheit, und die äußerte sich schon einmal in schlechter Laune“, erzählt Kati Wilhelm. Die ist neuerdings jedoch wie weggeblasen, stattdessen musste die Managementstudentin in Pyeongchang auf dem Siegertreppchen diesmal ein paar Tränen unterdrücken.

Auch das ist ihr nach dem gestrigen Erfolg im Einzelrennen, ihrer ersten Medaille in dieser Disziplin überhaupt, gelungen. „Ich hatte ein bisschen Wasser in den Augen, aber es ist nicht geflossen“, berichtete Wilhelm wahrheitsgemäß. Und egal war ihr da auch, dass die Mehrzahl der wenigen Augenzeugen aus der Heimat eingefleischte Fans ihrer ärgsten teaminternen Widersacherin waren. Dabei war Magdalena Neuner gar nicht am Start. Die zehn Jahre jüngere Neuner war in den letzten beiden Wintern meist ein bisschen stärker. „Ich sah sie und ihre Siege und dachte mir: Vielleicht kann ich ja so gut sein wie sie“, rekapitulierte Kati Wilhelm, die dreifache Olympiasiegerin, mit der inneren Genugtuung, es ihrem zweifelnden Umfeld gezeigt zu haben. „Es ist noch einmal etwas Besonderes für mich, ein Einzelrennen gewonnen zu haben. Das hat mir keiner zugetraut.“

Alle Ungläubigen sind jetzt bekehrt. „Ich bin schon eine, die solche Leistungen wie die von Magdalena Neuner noch einmal anspornen. Schließlich macht man Leistungssport, um gut zu sein“, sagt Wilhelm – und verbessert sich sogleich: „Um die Beste zu sein.“ Das ist sie nach dreijähriger Durststrecke nun wieder. Sie ist sogar dank eines neuen Lauf- und neuen Techniktrainers, die sie beide aus eigener Tasche bezahlt, ihrer Zeit voraus. „Mein Techniktrainer hat nicht geglaubt, dass ich das alles so schnell umsetzen würde“, sagt die Grande Dame unter Deutschlands Skijägerinnen stolz. Doch mit den Titelkämpfen in Pyeongchang hat sie noch längst nicht abgeschlossen. Beim Gedanken an die Staffel und den Massenstart am Wochenende sagt Kati Wilhelm: „Jetzt will ich alles mitnehmen, was möglich ist.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben