Sport : Biathlon: Kein Schuss im Nebel

Hartmut Moheit

Oberhof - Wer in der Oberhofer Rennsteigarena das Wort „Nebel“ ausspricht, bekommt Ärger mit Gerhard Köhler. Der Wettkampfleiter des Biathlon-Weltcups fordert dann sofort „zehn Euro für die Kasse des Organisationskomitees“. Mit verschmitztem Lächeln weist er darauf hin, dass es sich doch lediglich „um tief hängende Wolken“ handeln würde. Ob nun Nebel oder Wolken: Den 110 Biathleten, die gestern das Sprintrennen über zehn Kilometer bestreiten wollten, war es egal. Ihr Wettkampf musste auf heute (Start 10.30 Uhr) verlegt werden. Anschließend soll, wie geplant, der Sprint-Weltcup der Frauen über 7,5 Kilometer folgen.

„Die Nebelschwaden hätten für einen irregulären Wettkampf gesorgt, deshalb ist diese Entscheidung absolut richtig“, sagte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich. Seine Aktiven um den Weltcupspitzenreiter Alexander Wolf aus Oberhof waren besonders motiviert in die Wettkampfvorbereitung gegangen, nachdem sie beim Weltcup im slowakischen Osrblie im Sprint die vier ersten Plätze belegt hatten. Auch nach einer halbstündigen Verlegung des Starts hatte es keine Wetterbesserung gegeben, und zu einem noch späteren Zeitpunkt wären die letzten Läufer bereits in die Dunkelheit gekommen. Die Scheinwerfer von den Staffel-Nachtrennen am Mittwoch und am Donnerstag waren größtenteils bereits abmontiert.

Dass nicht einmal mehr die Videowand von den 15 000 Zuschauern zu sehen war, hätten die Organisatoren noch in Kauf genommen. Entscheidend für die Verlegung war allein die Situation am Schießstand. „Die Konturen der Scheiben waren auf die Entfernung von 50 Metern nicht mehr scharf auszumachen“, erklärte Weltcup-Gesamtleiter Wolfgang Filbrich. Er erwartet nun für die heutige Doppelveranstaltung 25 000 Zuschauer.

Wenigstens blieb den Biathlon-Fans ein Drama erspart, wie es sich bei der WM 2000 in Oslo abgespielt hatte: Da führte die deutsche Männerstaffel mit Riesenvorsprung und hatte die Goldmedaille bereits vor Augen, als das Rennen mittendrin abgebrochen wurde.

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