Biathlon : Michael Rösch feiert ersten Weltcup-Sieg

Der 22 Jahre alte Michael Rösch hat in Ruhpolding den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere errungen. Im Schlusssprint rang der Sachse seinen französischen Widersacher Raphael Poiree um eine Zehntelsekunde nieder.

Ruhpolding - Bei den Millimeterentscheidungen in Ruhpolding hat Youngster Michael Rösch am Sonntag sein Meisterstück gemacht und nach einem wahren Biathlon-Krimi den ersten Weltcupsieg seiner Laufbahn gefeiert. Der 22 Jahre alte Sachse aus Altenberg rang einen Tag nach seinem zweiten Platz im Sprint in einem begeisternden Finish vor 19 000 Zuschauern den fast während der gesamten 12,5 Kilometer führenden neun Jahre älteren siebenmaligen französischen Weltmeister Raphael Poiree um die Winzigkeit von einer Zehntelsekunde nieder. Platz drei ging an den Russen Sergej Tschepikow.

«Die letzten Meter waren der blanke Wille. Ich wollte unbedingt gewinnen, habe mich breit gemacht und alles mobilisiert, was ich habe», jubelte Rösch. Bundestrainer Frank Ullrich griff zu Superlativen: «Das war einfach fantastisch. Wir hatten uns viel vorgenommen, aber dass der Micha das Ding heute so nach Hause fährt, hätte ich mir nicht träumen lassen.»

Zwei Stunden zuvor war Weltcup-Spitzenreiterin Kati Wilhelm aus Zella-Mehlis nach dem 10 Kilometer langen Verfolgungsrennen um ebenfalls nur eine Zehntelsekunde am Sieg hinter Liv Grete Poiree (Norwegen) vorbei gesprintet. Hinter Wilhelm belegte die Russin Albina Achatowa den dritten Platz. Im Gesamtweltcup führen Wilhelm mit 58 Punkten vor der Schwedin Anne Carin Olofsson sowie Raphael Poiree vor Sven Fischer (Oberhof) und Rösch. Der leicht erkältete Alexander Wolf (Oberhof), der als Weltcup-Führender angereist war, büßte mit dem 27. Platz im Sprint am Samstag das «Gelbe» ein und verzichtete auf das Verfolgungsrennen.

Vor insgesamt 76.000 Zuschauern an den fünf Renntagen setzten die deutschen Skijäger ihre vorolympische Erfolgsstory mit den Siegen durch Rösch und die Männer-Staffel sowie vier zweiten Plätzen und einem dritten Rang fort. «Ich bin glücklich, froh und stolz auf die Mannschaft, auch wenn uns jetzt alle in die Favoritenrolle für Turin drängen», bilanzierte Ullrich.

Kati Wilhelm, der bereits beim Sprint am Freitag nur 1,4 Sekunden am dritten Saisonsieg gefehlt hatten, war nach dem knappsten im Biathlon gemessenen Zeitrückstand nicht traurig. «Das waren die engsten, spannendsten, aber auch schönsten Rennen», sagte das «Rotkäppchen». «Die Form stimmt. Ich freue mich auf Turin», ergänzte die in Ruhpolding trainierende Thüringerin.

Am Samstag hatte noch «ein kleiner Purzler beim Weglaufen vom Schießstand», wie Rösch seinen Stolperer über die eigenen Skistöcke bezeichnete, dem Sachsen den Sieg gekostet. Im Ziel hatte der fehlerfreie Schnellschütze 3,8 Sekunden Rückstand auf den Norweger Frode Andresen. «Dass es nicht langte, war eigene Dummheit. Aus dem Sturz im Übereifer kann ich nur lernen», bemerkte der «trotzdem hoch zufriedene» Rösch und kündigte Revanche für den Sonntag an: «In Osrblie fehlten mit fünf Sekunden zum ersten Sieg, heute nur noch 3,8. Ich komme immer näher ran. Da muss es irgendwann klappen.»

Der große Pechvogel des Wochenendes war Lokalmatador Ricco Groß, der seine fünften Olympischen Spiele im Visier hat. Wie schon vor Wochenfrist in Oberhof traf ihn auf der Schlussrunde des Sprints erneut ein Hexenschuss. Am Sonntag sagte er seinen Start kurzfristig ab und muss nun um seine olympischen Einsätze im Sprint und in der Verfolgung bangen. «Ich bin bitter enttäuscht, kann mich kaum auf dem linken Bein halten. Ich muss nun schnell schmerzfrei werden», meinte Groß und wischte alle Spekulationen vom Tisch. (tso/dpa)

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