Biathlon : Neuner gewinnt Gold in der Verfolgung

Magdalena Neuner hat sich drei Tage nach ihrer Silbermedaille im Sprint den Olympiasieg in der 10-Kilometer-Verfolgung gesichert. Im Männerrennen triumphierte der Schwede Björn Ferry, Michael Greis stürmte noch von Rang 21 bis auf Platz fünf vor.

Gregor Derichs[Whistler]

Es war der letzte von vier Nervenkämpfen am Schießstand. Magdalena Neuner wusste, dass sie auf Goldkurs lag, doch plötzlich durchfuhr sie ein leiser Zweifel. Beim allerletzten Schuss, bei der 20. Kugel, war sie ablenkt. 'Dieser Schuss ist der Olympiasieg. Er muss sitzen', dachte sie. Doch der Gedanke war störend, er kam zu früh, die Hand zitterte ganz leicht, die Kugel verfehlte ihr Ziel. Die Aufgabe, an nichts zu denken, in sich ruhend, ganz kühl wie eine Maschine zu funktionieren, sie hatte diesen Job nicht so erfüllt, wie sie es sich wünschte. „Das kann besser werden. Das ist unglaublich, wie viel man in kürzester Zeit denken kann. Ich war plötzlich beim letzten Schuss nervös“, sagte die fünffache Weltmeisterin eine Stunde später, als sie ihren größten sportlichen Triumph schilderte. Die Konkurrentin Anastasiya Kuzmina war stark. Magdalena Neuner stand beim Schießfinale neben der Slowakin, von der sie zum Olympia-Auftakt geschlagen worden war. Kuzmina ließ nicht locker. Die aus Russland in die Slowakei übergesiedelte Mutter eines Sohnes, beförderte alle fünf Schüsse der letzten Stehend-Serie ins Schwarze.

Doch sechs Minuten später fuhr Neuner über die Ziellinie und holte bei winterlichen Bedingungen ihre erste Goldmedaille. Im Olympic Park in Whistler gelang der 23-Jährigen mit einer fantastischen Laufleistung der Triumph. „Ich hatte einen großen Traum. Jetzt ist er Realität“, jubelte sie. Nach Silber im Sprint kürte sie sich in der Verfolgung über 10 Kilometer zur Nachfolgerin von Kati Wilhelm. „Ich bin gerannt, gerannt, gerannt. Ich habe unheimlich gekämpft“, sagte die Wallgauerin. Siegesgewiss ging sie in den Wettbewerb. Bei zwei Schießfehlern gewann sie in 30:16,0 Minuten vor Kuzmina, die ebenfalls zwei Scheiben stehen ließt und am Ende nur den Rücken von Neuner sah. „Nach dem letzten Schießen wusste ich, dass es entschieden ist. Ich hatte schwere Beine. Magdalena war unschlagbar“, sagte die 30-Jährige. Bronze holte die Französin Marie Laure Brunet mit knapp einer halben Minute Rückstand. Magdalena Neuners Teamkameradinnen Andrea Henkel, Kati Wilhelm und Simone Hauswald belegten die Ränge 10, 12 und 16.

Spannendes Duell mit Anastasiya Kuzmina

Bis die Entscheidung gefallen war, lieferte die Slowakin der neuen Olympiasiegerin Neuner ein spannendes Duell. Den kleinen Abstand von 1,5 Sekunden aus dem Sprintrennen, rund 10 Meter, gegenüber der Konkurrentin hatte Neuner blitzschnell wettgemacht. Sie wollte ihrer Gegnerin von Beginn an zeigen, dass sie an diesem Tag nicht zu bezwingen war. Kuzmina hielt dagegen, die beiden liefen dicht hintereinander, meist Neuner vorneweg. Beide schossen im gleichen Rhythmus, Kuzmina machte im zweiten Schießen, in der Liegend-Position, den ersten Fehler und musste in eine Strafrunde. Im dritten Schießen patzten beide einmal, von der Konkurrenz kam nur die Französin Brunet ohne jeden Schießfehler in 20 Versuchen etwas näher heran. Durch den letzten Fehler von Neuner schmolz ihr Vorsprung auf 6,4 Sekunden.

„Es ist ein Supergefühl. Es wird sicher etwas dauern, bis ich ganz realisieren kann, dass ich es wirklich geschafft habe“, freute sich die Olympiasiegerin. Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), war einer der ersten Gratulanten nach dem zweiten Gold für das deutsche Team. „Das sind die großen Siege, wenn jemand mit Entschlossenheit rangeht und dann noch mal Lockerheit bewahrt“, sagte der frühere Fecht-Olympiasieger.

Ferry holt Gold bei den Männern - Greis stark

Durch den Triumph sind die Deutschen jetzt erfolgreichste Nation bei Winterspielen: Neuner eroberte die 120. olympische Goldmedaille seit 1924 - von der 121. waren Michael Greis und Co. zweieinhalb Stunden später weit entfernt. Der dreimalige Turin-Olympiasieger legte als bester Skijäger aus dem deutschen Quartett allerdings eine furiose Aufholjagd hin landete noch auf dem fünften Rang. Gold holte sich mit nur einem Fehler am Schießstand der Schwede Björn Ferry; Silber gewann der Österreicher Christoph Sumann vor Sprint-Sieger Vincent Jay (Frankreich). Andreas Birnbacher belegte Platz 13, Christoph Stephan wurde 30. und Arnd Peiffer kam auf dem 37. Rang ins Ziel. (mit dpa)

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