Biathlon : Silber für Magdalena Neuner

Biathletin Magdalena Neuner hat in Vancouver die erste Medaille für das deutsche Team erkämpft. Im Sprint-Rennen über 7,5 Kilometer sicherte sich die sechsfache Weltmeisterin am Samstag in Whistler Silber. Olympiasiegerin wurde überraschend die Slowakin Anastasia Kuzmina; auf Platz drei landete die Französin Marie Dorin.

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XXI. Olympische Winterspiele
Silber zum Auftakt. Magdalena Neuner hat im Biathlon die erste Medaille für Deutschland gewonnen. -Foto: ddp

Magdalena Neuner war bereits zwei Minuten auf der Strecke und Kati Wilhelm machte sich gerade auf der Startlinie bereit, als Jacques Rogge im olympischen Schießstand auftauchte. Der IOC-Chef wirkte etwas mitgenommen, ließ sich aber lächelnd von der Fotografin des Biathlon-Weltverbandes ablichten – und lobte die junge Dame dann: „Good shooting.“ Ein gutes, wenn auch nicht perfektes Schießen lieferte bei der ersten Entscheidung bei den Skijägern auch Olympia-Debütantin Neuner ab. Die sechsmalige Weltmeisterin kam bei den beiden Schießen mit einer Strafrunde davon, musste beim Kampf um die ersehnte Goldmedaille aber überraschend der Slowakin Anastasia Kuzmina den Vortritt lassen.

Am Ende durfte sich Neuner, die mit 1,5 Sekunden Rückstand auf Kuzmina ins Ziel kam, nach ihrem allerersten Rennen gleich über Silber vor die Französin Marie Dorin freuen. Wirkliche Begeisterung kam bei Uwe Müssiggang angesichts des ausbaufähigen Gesamtergebnisses seines Quartetts nach dem Sprintrennen aber nicht auf. „Ich bin froh, dass eine durchgekommen ist. Aber wenn Lena auf der Schlussrunde so viel Zeit verliert, hat das etwa zu bedeuten“, gab der Frauen-Bundestrainer zu bedenken, ohne dabei ins Detail zu gehen: „Das müssen wir erst einmal analysieren.“

Teil der Untersuchung wird dann auch die Leistung der Sensationssiegerin Kuzmina sein. Die 25-jährige Slowakin russischer Herkunft, geboren im westsibirischen Tjumen, hatte niemand auf der Rechnung. Positiv zu Buche stand bei ihr bislang nur eine silberne WM-Medaille beim Massenstart 2009 in Pyeongchang. Eher hinfällig war so auch die Prognose von Wolfgang Pichler, dem deutschen Coach der schwedischen Skijäger, der vor dem Sprintrennen prophezeit hatte: „Die Deutschen werden hier das Olympia-Podium beherrschen.“

Von beherrschen konnte nach dem ersten Biathlon-Tag bei den Frauen jedoch keine Rede sein. Speziell für Magdalena Neuner sollte die erste Entscheidung im Whistler Olympic Park das nächste Glied in einer hübschen Perlenkette werden, die sie sich in den letzten drei Jahren geknüpft hat. Im Sprint-Wettbewerb gewann die blonde Oberbayerin schließlich im Januar 2007 in Oberhof ihren allerersten Weltcup, einen Monat später im italienischen Antholz auch gleich ihr Premieren-Gold bei Weltmeisterschaften – und nun wurde sie immerhin mit Silber dekoriert.

Zumindest im Vorfeld machte sich bei Neuner das Mentaltraining, das sie in dieser Saison zur Bekämpfung ihrer Schießschwäche in ihr Trainingsprogramm aufgenommen hat, positiv bemerkbar. „Ich habe keinen richtigen Grund, um aufgeregt zu sein. Das sind meine ersten Olympischen Spiele, und das will ich natürlich genießen“, hämmerte sich die Wallgauerin ein. Bereits am 1. Februar war die sechsmalige Weltmeisterin mit Deutschlands Biathleten nach Kanada aufgebrochen, mit Abschluss des Trainingslagers auf Vancouver Island feierte sie am Dienstag ihren 23. Geburtstag – und bekam unter anderem ein gutes Gefühl für die olympische Loipe geschenkt.

 „Wenn ich am Schießstand so sauber arbeite wie im Training, dann weiß ich, dass der Sieg definitiv drin ist“, warnte die mit Abstand schnellste Läuferin in der Skijäger-Elite ihre Konkurrentinnen vor. Neuners verbales Halali galt nicht zuletzt den drei Teamkolleginnen, die gestern mit ihr am Start waren: Kati Wilhelm, Simone Hauswald und Andrea Henkel. Doch keine der Damen war nach dem Sprint auch nur annähernd so zufrieden wie Magdalena Neuner.

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