Biathlon : Simon Schempp: Neue Liebe, neue Waffe

Simon Schempp setzt alles daran, in dieser Biathlon-Saison erstmals den Gesamtweltcup zu gewinnen.

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Kampf gegen sich selbst. In der vergangenen Saison warfen Schempp immer wieder Verletzungen und Krankheiten zurück.
Kampf gegen sich selbst. In der vergangenen Saison warfen Schempp immer wieder Verletzungen und Krankheiten zurück.Foto: dpa

Lange gemeinsame Winterabende sind offenbar nicht zu unterschätzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass es zwischen Biathletinnen und Biathleten so viele Liebespärchen gibt. Darja Domratschewa und Ole Einar Björndalen sind verheiratet und haben eine Tochter, auch Andrea Henkel hat sich einen Sportskameraden geangelt, den US-Amerikaner Tim Burke, und die ehemaligen Stars Raphael Poirée aus Frankreich und Liv Grete Skjelbred aus Norwegen sind ebenfalls liiert und haben drei Kinder. Nun hat auch die deutsche Mannschaft sogar ein teaminternes Liebespaar.

"Ich kann nicht abschätzen, wie meine Form ist"

Franziska Preuß und Simon Schempp rückten kurz vor Saisonbeginn damit heraus, dass sie schon seit einem Jahr zusammen sind. Und der eher zurückhaltende Schempp, der bis 2011 bereits mit der Teamkollegin Miriam Gössner zusammen war, verriet sogar brandheiße Beziehungsinterna. „Es passt sehr gut, wir sind einfach happy und wir ergänzen uns auch gut“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Zwischenmenschlich könnte es für den 28-Jährigen also nicht besser laufen. Sportlich allerdings ist noch nicht alles so, wie es sich der beste deutsche Biathlet erträumt, wenn an diesem Donnerstag für die Männer im schwedischen Östersund der erste Einzelwettkampf der Saison ansteht, das 20-Kilometer-Rennen (18 Uhr/ARD und Eurosport). In der letzten Phase der Vorbereitung haben ihn drei Infekte und eine schwere Rippenprellung immer wieder zurückgeworfen. Dadurch verlor er stets fünf bis sieben Trainingstage. „Von daher kann ich noch nicht richtig abschätzen, wie meine derzeitige Form ist“, sagt Schempp. „Grundsätzlich fühle ich mich ganz ordentlich, aber wo ich stehe, werde ich erst nach den ersten Rennen sehen.“

Schempp will Martin Fourcade herausfordern

Dabei hatte er sich eigentlich Großes vorgenommen für diesen Winter. Schempp gab sich noch im Oktober offensiv und verkündete: „Ich will Martin im Kampf um den Gesamtweltcup herausfordern.“ Martin Fourcade dominierte in den vergangenen Jahren die Biathlonszene. Fünfmal nacheinander triumphierte der Franzose zuletzt im Gesamtweltcup. Schempp konnte stets für eine gewisse Zeit mithalten, doch Verletzungen oder Krankheiten bremsten ihn immer wieder aus. In der Vorsaison etwa verpasste er sechs Rennen, gewann aber fünf – und wurde so noch Gesamtvierter.

Aufgrund der Probleme in der Vorbereitung dürfte es umso schwieriger werden, Fourcade nun dauerhaft Paroli zu bieten. Zumal der 28-Jährige sich schon wieder in bester Verfassung präsentiert, am vergangenen Sonntag siegte er gleich in der Single-Mixed-Staffel mit Marie Dorin-Habert. Bundestrainer Mark Kirchner will den Auftakt nicht zu hoch bewerten und stärkt stattdessen seinen Athleten. „Simon zähle ich zu den zwei Besten der Welt. Wenn er in der letzten Saison nicht so viele Rennen hätte auslassen müssen, wäre er der Einzige gewesen, der Martin richtig auf die Füße gestiegen wäre“, betont Kirchner. „Simon hat zuletzt zwar weniger trainiert. Aber konditionell ist er der Stärkste. Er ist im absoluten Topbereich."

Es geht um "die letzten 0,1 bis 0,2 Prozent"

Um noch dichter an Fourcade heranzurücken, hat Schempp vor der Saison in vielen Bereichen angesetzt. Der Schwabe arbeitet nun mit einem Mentaltrainer zusammen und er erhöhte sein Trainingspensum. „Jetzt geht es darum, die letzten 0,1 bis 0,2 Prozent rauszukitzeln. Wenn man höchstprofessionell sein will, muss man auch auf der mentalen Schiene topfit sein“, sagt er. Auch an seinem Gewehrschaft tüftelte Schempp. Er ließ sich im Sommer eine neue Waffe anfertigen und veränderte seine Schusstechnik. Im Liegendschießen visiert er nun nicht mehr die Mitte zuerst an, sondern schießt von links nach rechts. „Das bringt mir einen Zeitgewinn von zwei bis vier Sekunden. Da ging es einen erheblichen Schritt nach vorne“, betont Schempp.

Die große Frage ist nun, wie ihn all die Änderungen im Wettkampf voranbringen. Schempp ist da mit seiner Prognose mittlerweile nicht mehr so forsch. „Ich hoffe, dass ich komplett gesund durch den Winter komme“, sagt er nun. Denn wichtigstes Ziel ist in dieser Saison die Weltmeisterschaft im Februar in Hochfilzen. Schempp will endlich seine erste WM-Einzelmedaille gewinnen. Die Chancen dafür stehen deutlich besser als ein Sieg im Gesamtweltcup – und eine glückliche Biathlon-Beziehung ist ja auch sehr viel wert.

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