Biathlon : Staffel-Gold krönt WM-Bilanz

Mit einem überlegenen Staffelsieg haben die Skijägerinnen um das "bayerische Laufwunder" Magdalena Neuner für einen goldenen Abschluss der Biathlon-WM gesorgt. Deutschland ist damit die erfolgreichste Nation des Wettbewerbs.

Uwe Jentzsch,Volker G,rum[dpa]

Östersund Selbst die in den vergangenen Tagen erhobenen anonymen Doping-Vorwürfe konnten bei der souveränen Titelverteidigung am Sonntag das Damen-Quartett nicht bremsen. In der Aufstellung Martina Glagow, Andrea Henkel, Magdalena Neuner, die eine Strafrunde drehen musste, und der mit der deutschen Fahne über den Zielstrich laufenden Kati Wilhelm waren nicht zu stoppen . Im Ziel hatten die deutschen Damen Freudentränen in den Augen und 30,9 Sekunden Vorsprung vor der Ukraine sowie 1:35,7 Minuten vor Frankreich.

Als dreimalige Weltmeisterinnen waren die Großbreitenbacherin Henkel und das "bayerische Laufwunder" Neuner erfolgreichste Starter der Titelkämpfe, die mehr als 120.000 Zuschauer anlockten. Das Duo schob sich mit nun jeweils sechs Titeln in der Hit-Liste der WM-Stars unter die Top Ten. Der Thüringer "Dauerbrennerin" Henkel gelang das bei ihrer zehnten WM-Teilnahme. Shooting-Star Neuner schaffte es bereits bei den zweiten Welttitelkämpfen ihrer Karriere.

Das "bayerische Laufwunder"

"Ich habe hier tausendmal mehr erreicht, als ich mir vorgenommen hatte, auch wenn ich beim Staffelrennen arg neben mir gestanden bin, unkonzentriert beim Schießen war", kommentierte die 21 Jahre alte Wallgauerin. Für Henkel war der Staffelsieg "ein toller Abschluss der Super-WM". Für die seit über einem Jahr in Staffelrennen ungeschlagenen Damen von Bundestrainer Uwe Müssiggang wechselte Glagow zeitgleich mit Italien. Henkel gab Neuner 52,3 Sekunden Vorsprung mit auf den Weg, den Neuner trotz der Strafrunde auf 1:04 Minuten ausbaute. Schlussläuferin Wilhelm musste viermal nachladen.

"Das war ein gutes, aber kein perfektes Rennen. Mit der WM bin ich mehr als zufrieden. Nur einen der sechs möglichen Titel haben wir nicht gewonnen und standen nach allen Rennen auf dem Podest", lobte Müssiggang seine Skijägerinnen. Ähnlich zufrieden war auch DSV-Präsident Alfons Hörmann. "Das Ergebnis von Östersund ist eine schöne Fortsetzung der Erfolgsstory der vergangenen Jahre und zeigt, dass so ein extrem hohes Niveau dank systematischer Arbeit auch über mehrere Jahre zu halten ist", sprach er seiner WM-Expedition nach Mittelschweden ein dickes Kompliment aus. Nach seiner Meinung wäre sogar noch die eine oder andere Medaille mehr drin gewesen, "wenn es nicht die widrigen psychologischen Rahmenbedingungen mit den idiotischen Vorwürfen gegeben hätte."

 "Gold-Lena"  im Freudentaumel

Sehr nervenstark hatte sich bereits am Samstag Magdalena Neuner bei ihrem ersten WM-Erfolg im Massenstart gezeigt. Mit fehlerfreiem Liegendschießen deklassierte sie bis zur Halbzeit des 12,5 Kilometer langen Rennens die gesamte Weltelite. Erst mit jeweils zwei "Fahrkarten" beim Stehendschießen kam sie auf der Schlussrunde wieder unter Druck. "Doch da erwachte wieder mein Kampfgeist und ich konnte über meine Grenzen gehen. Dass ich es kann, ist ein bisserl mein Erfolgsgeheimnis", schätzte "Gold-Lena" ein. Der Sieg sei ihr bisher "größter" gewesen. "Alle haben gesagt, dass es in Östersund die schwierigste Weltmeisterschaft in meinem Leben werden würde", erinnerte die 21 Jahre alte Zöllnerin an die Ausgangsposition und stellte fest: "Jetzt habe ich erneut dreimal Gold und bin einfach nur glücklich."

Staffelbronze steuerten am Schlusswochenende die Männer über 4 x 7,5 Kilometer bei. Beim abschließenden Massenstart verfehlte der Norweger Ole Einar Björndalen - als Zweiter wie im Einzelrennen knapp geschlagen von seinem Landsmann Emil Hegle Svendsen - den Sprung an die Spitze der Rangliste der erfolgreichsten WM-Starter.

Doping-Gerüchte belasten die Mannschaft

Die fünf deutschen Männer enttäuschten in dem Rennen am Schießstand. Vorjahres-Weltmeister Michael Greis (Nesselwang) war als 13. unmittelbar vor dem Oberhofer Alexander Wolf ihr Bester. "Trotzdem sind wir im Soll, auch wenn in Einzelrennen und Massenstart mehr drin gewesen wäre. Doch das ganze Schlamassel mit den Doping-Gerüchten hat die Mannschaft stark belastet", schätzte Bundestrainer Frank Ullrich ein. (dm/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar