Biathlon : Warten auf ersten Staffelsieg

Die deutschen Biathletinnen haben seit dem 6. Januar 2005 keinen Staffelsieg errungen. Ohne Andrea Henkel und Martina Glagow mussten sie in Ruhpolding zum zweiten Mal in diesem Winter dem russischen Quartett den Vortritt lassen.

Ruhpolding - Kathrin Hitzer, Magdalena Neuner, Simone Denkinger und Kati Wilhelm liefen nach 4 x 6 Kilometern mit 7,9 Sekunden Rückstand auf Russland, aber 2:06,5 Minuten vor Frankreich ins Ziel.

Während die fast perfekt schießenden Russinnen nur eine Reservepatrone benötigten, mussten die deutschen Damen neun Mal nachladen und büßten dadurch 1:20 Minuten ein, so dass auch die schnellste Laufzeit des Tages nicht den erhofften Erfolg vor 16.000 Zuschauern bei der WM-Generalprobe brachte. "Ganz klar, heute hat erneut das Schießen entschieden", bilanzierte Bundestrainer Uwe Müssiggang - und stellte nach dem letzten Staffelrennen vor der WM zufrieden fest: "Wir haben jetzt mindestens sechs, die wir in Antholz einsetzen können. Das ist angenehmer, als wenn wir Mädchen suchen müssten."

Sturz von Hitzer

Shooting-Star Magdalena Neuner möchte trotzdem nicht mit dem Bundestrainer tauschen. "In seiner Haut möchte ich nicht stecken. Die Nominierung wird nicht leicht. Gratulation, die Russinnen waren die klar Besseren. Sie sind derzeit überragend", gab der neue Liebling der deutschen Fans zu.

Kathrin Hitzer war kurz nach dem Start gestürzt, als sie ihre Ski mit der ukrainischen Startläuferin verhakte. "Ich bin brutal auf den Magen gefallen. Die Luft war weg, alle Muskeln verkrampften", beschrieb die erstmals als Startläuferin eingesetzte Skijägerin von der Schwäbischen Alb die Situation. Sofort hatte sie zehn Plätze eingebüßt. "Da man auf der Strecke kaum überholen kann, habe ich es mit schnellem Schießen versucht. Liegend ging's mit dem einen Nachlader gut, Stehend war es mit den zwei Zusatzpatronen eher hopp als top", sagte sie, nachdem sie sich auf der Schlussrunde total verausgabt und im Ziel übergeben hatte.

Neuners Höhenflug geht weiter

Magdalena Neuner machte mit einem Sturmlauf und der schnellsten Einzelzeit des Tages gegen die Russin Olga Anisimowa mehr als nur die 18 Sekunden Rückstand wett, wechselte als Erste. "So richtig stürmen kann man aber bei der tiefen Loipe nicht. Man braucht unheimlich viel Kraft", erzählte sie. Die Euphorie, die sich seit dem Sprintsieg in Oberhof um sie entwickelt hat, steckt Neuner erstaunlich gelassen weg. "Ich fühle mich gut, bin locker drauf", nannte sie als Grund für ihre Höhenflüge. "Ärgerlich waren die zwei Stehendfehler. Das war noch nicht so, wie ich es mir vorstelle."

Simone Denkinger - nach einer Achillessehnenverletzung und Ellenbogenreizung noch nicht in Laufbestform - büßte mit drei Nachladern die Führung wieder ein. "Das war nicht das, was ich drauf habe", meinte sie, nachdem sie Kati Wilhelm mit 35 Sekunden Rückstand in die Spur geschickt hatte. Wilhelm kam immer erst zum Schießstand, als die russische Schlussläuferin Natalja Gusewa mit fast traumwandlerischer Sicherheit bereits alle Scheiben getroffen hatte. "Deshalb konnte ich sie nie unter Druck setzen", stellte Wilhelm fest, die mit der zweitschnellsten Einzelzeit des Tages hinter Neuner glänzte. (tso/dpa)

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