Biathlon-Weltcup in Oberhof : Darja Domratschewa: In der Mutterrolle

Darja Domratschewa kehrt nach fast zweijähriger Krankheits- und Babypause in den Biathlon-Weltcup zurück – in der Zwischenzeit hat sich viel verändert.

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Alles auf Anfang. Darja Domratschewa dominierte die Konkurrenz bis 2015. Dann erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber und musste die komplette vergangene Saison aussetzen. Nach der Geburt ihrer Tochter läuft sie nun wieder in Oberhof im Weltcup.
Alles auf Anfang. Darja Domratschewa dominierte die Konkurrenz bis 2015. Dann erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber und...Foto: dpa/Schutt

So nah dran an den Wettkämpfen im Biathlon-Weltcup wie jetzt war Darja Domratschewa schon lange nicht mehr. Am Donnerstag konnte sie die neue Nähe in Oberhof aber nicht so sehr genießen. Sie musste ihren Ehemann trösten. Ole Einar Björndalen, mit dem die Weißrussin seit Juli verheiratet ist, landete im Sprint mit drei Schießfehlern lediglich auf Rang 32. Domratschewa kümmerte sich also zunächst einmal darum, den norwegischen Rekord-Weltmeister aufzumuntern. Allerdings musste sie sich auch mit ihrer eigenen Vorbereitung befassen.

Denn an diesem Freitag, beim Sprint der Frauen (14.15 Uhr/ZDF und Eurosport), tritt die dreimalige Olympiasiegerin auch wieder im Weltcup an. Nach einer Pause von fast zwei Jahren. Ihre Rückkehr ist allerdings umso bemerkenswerter, weil die 30-Jährige erst vor drei Monaten ihre Tochter Xenia geboren hat. Domratschewas Drang, sich endlich wieder mit den anderen Biathletinnen zu messen, muss also immens sein. Umso größer ist ihre Vorfreude. „Es ist ein gutes Gefühl, wieder im Geschäft zu sein und all die Gesichter der Athleten wiederzusehen, sagte sie am Grenzadler. „Für mich geht es aber erst einmal vor allem darum, wieder in den Wettkampfmodus zu kommen.“ Auch ihr Trainer Fjodor Swoboda betonte: „Sie fühlt sich gut. Aber wir erwarten hier keine Wunderdinge, es geht Schritt für Schritt.“

Domratschewa dominierte die Konkurrenz bis 2015. Dann erkrankte sie am Pfeifferschen Drüsenfieber und musste die komplette vergangene Saison aussetzen. Durch die Geburt ihrer Tochter verlängerte sich die Pause dann noch um weitere Monate. In dieser Zeit hat sich die Rangordnung im internationalen Biathlon bei den Frauen stark verändert. Athletinnen wie Laura Dahlmeier oder die Tschechin Gabriela Koukalova galten als aufstrebende Hoffnungsträgerinnen, als Domratschewa ausstieg. Nun sind Dahlmeier und Koukalova zu den bestimmenden Biathletinnen aufgestiegen. Koukalova gewann im Vorjahr den Gesamtweltcup, und in diesem Winter trägt Dahlmeier, die die ersten Wettkämpfe in Oberhof auslässt, um sich zu schonen, und erst am Sonntag im Massenstart antritt, das Gelbe Trikot der Gesamtführenden.

Domratschewa muss sich erst wieder in der neuen Hierarchie einordnen. Dennoch wird sie wohl noch stärker in den Fokus der Medien rücken. Ihre Beziehung zu Björndalen hatte sie nämlich lange geheim gehalten. Unter den Biathleten war dies zwar kein Geheimnis mehr, doch öffentlich machten beide Stars ihre Beziehung erst, als die Heirat anstand und Domratschewa schwanger war. Während der Weltcups wird das Biathlon-Traumpaar nun noch mehr Interesse auf sich ziehen. So ist eine der großen Fragen, wie die etwas zurückhaltende Domratschewa mit dieser Glamour-Rolle zurechtkommt.

Die Frage, wer die Kinderbetreuung übernimmt, hat sie dagegen schon geklärt. In Oberhof passen Domratschewas mitgereiste Eltern auf ihr Enkelkind auf. Und ihr Ehemann ist sowieso überzeugt, dass Domratschewa alles gut meistern wird. „Darja ist wunderbar. Sie ist als Mutter genauso toll wie als Biathletin“, sagte der 42-Jährige. „Ihr Leben hat sich zuletzt sehr verändert. Aber sie geht fabelhaft damit um.” Deshalb wehrt er sich dagegen, ihre Rückkehr und die anstehende gemeinsame Zeit im Weltcup als Experiment zu bezeichnen: „Das ist Leben. Als Familie experimentiert man nicht.“

Dass Domratschewa auch wieder zu alter Leistungsstärke finden kann, schätzt Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig als durchaus möglich ein. Schon in der Saisonvorbereitung der Deutschen in Norwegen hatte er Domratschewa beim Training zugesehen. „Das war beeindruckend“, sagt der 58-Jährige. „Da hat sie sich bewegt und geschossen, als ob sie nie weg gewesen wäre.“ In Oberhof rechnet Hönig aber noch nicht mit Topplatzierungen von Domratschewa. „Sie wird noch nicht bei 100 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit sein“, sagt er, dafür sei der Zeitraum von der Geburt der Tochter am 1. Oktober bis jetzt einfach zu kurz.

Als großes Ziel hat sich Domratschewa aber auch nicht Erfolge in dieser Saison gesetzt, sondern erst im nächsten Jahr bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Danach will auch Björndalen mit dann 44 Jahren seine Karriere beenden – und könnte die Hauptrolle bei der Kinderbetreuung übernehmen.

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