Biathlon : Weltcup in Oberhof wegweisend für die WM

Ein sattes Braun ist die beherrschende Farbe rund um die Arena. Doch 100 000 Zuschauer werden an der Strecke stehen, auf der dank Reserven auch Schnee liegen wird.

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Volle Kraft nach vorne. Andreas Birnbacher ist bisher bester Deutscher. Foto: Reuters
Volle Kraft nach vorne. Andreas Birnbacher ist bisher bester Deutscher. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - In Oberhof haben sie sich ein Stück weit unabhängig gemacht vom Wetter. Bei jeder Witterung sind die Loipen der örtlichen Skihalle ordnungsgemäß gespurt, außerdem lagern hier kiloweise Schneereserven und etwa 20 Lkw-Ladungen zerstoßenes Eis. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie diese in den kommenden Tagen aufbrauchen werden, wenn der Biathlon-Weltcup Station macht im Thüringer Wald. Wussten die Organisatoren im vergangenen Jahr kaum, wohin mit all den Schneemassen, so liegt außerhalb der Skihalle momentan nur wenig Schnee. Ein sattes Braun ist die beherrschende Farbe rund um die Arena am Grenzadler. Das wird sich dank der Vorräte in der benachbarten Halle nun ändern.

Wäre ja auch zu schade, wenn man das Großereignis in dem winzigen Ort – gerade mal 1600 Menschen leben hier – hätte absagen müssen. Immerhin sollen auch dieses Jahr wieder mehr als 100 000 Zuschauer an die Strecke kommen. Schon deshalb ist Oberhof „immer eines der ganz großen Highlights im Winter“, wie Bundestrainer Uwe Müßiggang sagt. Darüber hinaus, und das ist für seine Athleten wohl entscheidend, dient der Weltcup als Hauptvorbereitung auf Ruhpolding. Dort rennen und schießen die Biathleten im März bei ähnlicher Atmosphäre um Weltmeisterschaftsmedaillen.

Zwei Monate vorher geht es darum, an den letzten Feinheiten beim Schießen zu arbeiten und endgültig die passende Laufform zu finden. Bisher wurden drei Weltcups absolviert, und der Bundestrainer hat festgestellt, „dass es nicht einfach sein wird, auf das Siegerpodest zu laufen. Die Konkurrenz ist einfach unglaublich groß geworden. Die Leistungsdichte ist so hoch wie wohl noch nie zuvor.“ Tatsächlich geht es im Gesamtweltcup eng zu. Zwar führt Favoritin Magdalena Neuner, doch die Weißrussin Darja Domrachewa, Kaisa Mäkäräinen aus Finnland und die Russin Olga Saizewa liegen nur knapp dahinter und haben zuletzt gezeigt, dass Neuner durchaus schlagbar ist. „Speziell mit der Staffel haben wir ja noch etwas gut zu machen“, sagt Neuner. „Ich hoffe schon, dass wir diesmal wieder Richtung Podest marschieren werden.“

Nur Sechster wurden die deutschen Frauen vor einem Jahr in Oberhof, genau wie in der ersten Staffel dieser Saison. Als voraussichtliche WM-Kandidatinnen dürfen sich am Mittwoch beim ersten Rennen in Oberhof (18.15 Uhr, live in der ARD und Eurosport) Andrea Henkel, Tina Bachmann, Sabrina Buchholz und Magdalena Neuner versuchen. Einen Tag später ist dann das Quartett der Männer dran. Ohnehin seit Jahren im Schatten der weiblichen Kollegen, haben es die deutschen Biathleten auch in dieser Saison angesichts der starken Konkurrenz aus Norwegen, Frankreich, Russland und Schweden schwer.

Der derzeit bestplatzierte deutsche Mann heißt Andreas Birnbacher und rangiert im Gesamtweltcup auf Rang sechs, Simon Schempp ist Zehnter. Dass die deutschen Biathleten konstant ganz vorne mitlaufen oder zu den Favoriten bei der WM zählen, kann man eher nicht behaupten, überraschen können sie in einem Rennen allerdings sicher. So wie im Vorjahr in Oberhof, als sie mit der Staffel bei widrigsten Bedingungen bis an die Spitze liefen.

Die widrigen Bedingungen wird es auch im Winter des Jahres 2012 wieder geben. Wegen des Schneeproblems wurden die Trainingseinheiten am Dienstag schon in die Halle verlegt, dazu stürmt es im Moment gewaltig am Rennsteig. Und gegen Wind ist den Oberhofern bisher kein wirksames Mittel eingefallen.

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