Biathlon-Weltcup in Ruhpolding : Die deutschen Biathleten suchen Nachrücker

Die deutschen Biathleten überzeugen mit ihren besten vier Männern – auch in der Staffel wurden sie starker Dritter. Doch dahinter klafft eine Lücke.

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Simon Schempp (links) und Arnd Peiffer sind in dieser Saison bisher oft vorne dabei.
Simon Schempp (links) und Arnd Peiffer sind in dieser Saison bisher oft vorne dabei.Foto: dpa

Seine Teamkollegen empfingen Simon Schempp sofort im Ziel. Fast schon routiniert klatschten sie sich ab, nachdem die Staffel der deutschen Biathleten am Mittwoch in Ruhpolding Dritter geworden war, hinter den siegreichen Norwegern und Russland. Denn an vordere Plätze und Erfolge haben sich Schempp, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Benedikt Doll in dieser Saison ja wirklich schon gewöhnt.

Die vier deutschen Biathleten zeigen sich in diesem Winter in starker Form und sind auf die Weltmeisterschaft in einem Monat im österreichischen Hochfilzen schon bestens vorbereitet. Schempp ist Dritter im Gesamtweltcup und bewies am vergangenen Sonntag beim mitreißenden Massenstart-Rennen in Oberhof, dass er auch den sonst so dominierenden Martin Fourcade bezwingen kann. Im Zielsprint setzte sich da auch Lesser gegen den Franzosen durch und wurde Zweiter. Im Gesamtweltcup liegt der Thüringer auf Platz vier und auch Peiffer ist dort als Sechster vorne dabei. Drei Deutsche unter den besten sechs, dazu Doll, der am Mittwoch eine überzeugende Staffelleistung zeigte, auf Rang 17. „Mannschaftlich sind wir sehr stark im Moment“, sagt Schempp.

Bundestrainer Mark Kirchner kann mit seinen etablierten Athleten also sehr zufrieden sein. „Alle treiben sich gegenseitig an. Wir haben ein richtig hohes Trainingsniveau“, sagt der 46-Jährige. Die gemeinsame Vorbereitung sieht auch Peiffer als großen Vorteil. „Wir schaukeln uns gegenseitig hoch“, sagt er. „Wenn eben jemand dabei ist wie Simon, der immer hart am Gas ist und nie locker lässt – und man dann auch mal mit ihm mithalten kann, hat man eine gute Referenz. Denn dann weiß man, dass man in der internationalen Spitze ist.“

Kirchner fehlt bei den Talenten die Qualität

Überhaupt hat Peiffer derzeit den Eindruck: die Struktur und die Automatismen im Männerteam funktionieren tadellos. „Bei uns kann man wirklich in Ruhe arbeiten“, sagt der 29-Jährige. „Es ist sehr angenehm, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man schon länger kennt, die einen ähnlichen Anspruch haben und ähnlich ticken.“ Für Peiffer ist besonders die interne Konkurrenz der größte Ansporn: „Es ist ja nicht so, dass wir den Job auf Lebenszeit haben und uns zurücklehnen. Da ist kein Schlendrian eingezogen.“

Doch so gut es bei den besten vier deutschen Biathleten läuft, Bundestrainer Kirchner vermisst den Druck von unten, von Nachwuchsathleten, die den Arrivierten die Plätze streitig machen wollen. „Bei den Talenten fehlt noch etwas Qualität“, sagt er. „Wir brauchen ja auch Jüngere, die nachrücken und die wir nahtlos nachschieben können.“

Bisher konnte sich noch kein Nachrücker aufdrängen

Bisher gab Kirchner im Weltcup zusätzlich zu seinen vier Topathleten auch bereits Matthias Bischl (28), Roman Rees (23), Matthias Dorfer (23) sowie Florian Graf (28) die Chance, sich zu zeigen und setzte sie abwechselnd ein. In Ruhpolding wird nun Michael Willeitner (26) dabei sein. Und vor allem von Dorfer versprach sich Kirchner viel. „Ihm traue ich einige Überraschungen zu“, hatte er vor Saisonbeginn gesagt. Doch Dorfers beste Platzierung ist bisher ein 36. Rang bei der Verfolgung in Pokljuka. Und den fest eingeplanten Start bei den Einzelrennen in Ruhpolding verpasst Dorfer nun wegen einer Erkrankung. Für ihn tritt Bischl in der Chiemgau-Arena an.

All die Rochaden auf dem fünften und sechsten Weltcup-Startplatz der Deutschen zeigen: Richtig konnte sich bei Kirchner noch keiner aufdrängen. Und zu den wirklich jungen Talenten zählen alle fünf Kandidaten auch nicht mehr. „In vier bis sechs Jahren werden wir auch auf jüngere Athleten bauen müssen, die jetzt eigentlich schon auf sich aufmerksam machen sollten“, betont Kirchner. Viel länger werden die besten vier allein das deutsche Männerteam nicht tragen können.

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