Biathlon-WM : Der Mief fährt mit

Kati Wilhelm wird bei der WM in Südkorea in der Verfolgung Zweite, fürchtet aber um das Image des Biathlons. Nachdem drei Russen des Dopings überführt wurden, hat Wilhelm Angst, dass der Sportart die Zuschauer weglaufen.

Andreas Morbach[Pyeongchang]
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Die Konkurrenz im Visier. Kati Wilhelm kritisiert das russische Team. Foto: dpa

Den kritischsten Moment hatte Kati Wilhelm gestern zur Abwechslung schon vor dem Start überstanden. Zwei Stunden vor dem weltmeisterlichen Verfolgungsrennen ging in dem Gebäude am Biathlon-Stadion von Pyeongchang ein Schuss los, der nicht vorgesehen war. Abgefeuert hatte ihn Wilhelms Teamkollegin Andrea Henkel – weil sie beim Trockenschießen aus Versehen zu einem Magazin gegriffen hatte, das nur vermeintlich leer war. „Ich war mit im Raum, und es war lauter als sonst“, sagte Wilhelm, die den Schaden sofort inspiziert hatte: „Ein glatter Durchschuss – und hinter der Wand ist ein Gang. So etwas kann richtig böse ausgehen.“

Henkel wurde für das Rennen gesperrt

Verletzte gab es nicht, gesperrt wurde die nachlässige Titelverteidigerin Henkel, tags zuvor im Sprint Sechste, vom Weltverband (IBU) für die Verfolgung trotzdem. Die aufregende Episode kurz vor dem Start passte zum allgemeinen WM-Chaos aus Wetterkapriolen, überforderten Gastgebern, peinlich leeren Zuschauerrängen und nächtens flüchtenden Dopingsündern. Kati Wilhelm dagegen kündigte nach ihrem Sieg im Sprint und dem zweiten Platz in der Verfolgung hinter der Schwedin Helena Jonsson erfreulichere Pläne für den Sonntagabend an. „Ein Gläschen Wein muss jetzt schon sein“. Der Erfolg am Samstag war Wilhelms erster Einzeltitel bei einer WM seit 2001.

Am Samstag stand neben Wilhelm nicht nur Silbermedaillengewinnerin Simone Hauswald auf dem Treppchen, sondern auch die Drittplatzierte Olga Saitsewa, die in der Verfolgung gestern erneut Bronze holte. Aus unerfindlichen Gründen lachte die Russin bei der Frage nach ihren gedopten Team-Kollegen Jekaterina Jurjewa, Albina Achatowa und Dmitri Jaroschenko unentwegt, ehe sie sich zu einem dürren Statement („Ich bin davon betroffen, aber ich kann sie nicht verurteilen“) aufraffte.

Die Russen schieben die Schuld auf die Ärzte

Weltmeisterin Wilhelm war bei so viel demonstrativer Ignoranz schon froh, „dass sie es nicht gemacht hat wie die Russinnen in Turin.“ Widmete das russische Quartett den Staffelsieg bei Olympia 2006 doch der frisch des Dopings überführten Olga Pylewa, die nach zweijähriger Sperre nun als verheiratete Frau Medwedzewa bei der WM startet. Die Wortführerin damals bei der skandalösen Widmung war Albina Achatowa, die gerade des Dopings überführt wurde, trotzdem aber im russischen Fernsehen mitteilte: „Ich habe ein reines Gewissen. Und nicht nur ich, sondern die anderen auch.“ Die Schuld bekommen stattdessen die Team-Ärzte zugeschoben. Achatowas Teamkollege Maxim Tschudow ging sogar noch weiter: In seinem Internet-Blog schrieb er, dass auch Biathleten anderer Nationen, darunter die Deutschen, sich „nicht nur mit Würstchen stärken“ würden.

„Wir können nur sagen: Wir sind negativ getestet“, sagt Kati Wilhelm, der der Mief des Betrugs in ihrem Sport zunehmend zu schaffen macht. „Man weiß nicht, ob in Russland alle so arbeiten wie die drei überführten Biathleten. Aber da ist sicher ein fader Beigeschmack dabei“. Und: „Ich habe Angst davor, dass sich die Leute von uns abwenden – von den Radfahrern sind sie schließlich schon verarscht worden.“

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