Biathlon-WM : Hype und Hypothek

Die Aufmerksamkeit für die Biathlon-WM in Ruhpolding ist riesig. Das liegt vor allem an einer Person: Magdalena Neuner. Doch die Überform der Deutschen hat nicht nur Positives.

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Der deutsche Star und das WM-Maskottchen.
Der deutsche Star und das WM-Maskottchen.Foto: AFP

Viel mehr Aufmerksamkeit geht kaum für eine Sportart abseits des Fußballs. Millionen Menschen werden in den kommenden Tagen vor den Bildschirmen dieses Landes sitzen, um Sportlern beim Langlaufen und Schießen zuzuschauen, Zigtausende werden live an der Strecke johlen. Es ist Biathlon-WM. Dass sich die Deutschen dafür interessieren, ist das eine. Dass der Hype aber diesmal noch eine Steigerung erfährt, liegt allein an einer Person, der die Aufregung um ihr Dasein bis heute fremd geblieben ist. Magdalena Neuner wird ihre Karriere im Alter von 25 vor allem deshalb beenden, weil ihr die Last und die Hatz, die ihre fast zu schöne Laufbahn mit sich gebracht hat, zu viel sind.

Dabei läuft sie im Moment als Einzige zuverlässig deutsche Erfolge ein. Und davon lebt der Sport. In Sachen Titeln, Sponsoren und eben Aufmerksamkeit sind nur wenige andere Sportarten so deutsch wie Biathlon. Um die Jahrtausendwende hat der Biathlon-Boom richtig eingesetzt, parallel mit der rasanten Karriere von Kati Wilhelm, die dem Sport mit ihren pumucklroten Haaren und ihren kecken Auftritten ein Gesicht gab. Neuner übertrifft das alles nun noch einmal, weil sie nicht nur hübsch, frech und gleichzeitig bodenständig ist, sondern so erfolgreich wie keine andere Athletin vor ihr.

Doch mit dem Übertalent einhergegangen ist auch eine Bürde. Denn in ihrem großen Schatten hat sich bisher so recht keine Frau aussichtsreich um die Position als nächster Biathlon-Superstar beworben. Der Sport und die Titelkämpfe in der Heimat sind so ein Stück weit abhängig geworden von Neuner. Aber nur wenn sich die WM nicht als Einfraushow inszeniert, wenn sie die Faszination und Spannung neben den Athleten herausstellt, besteht die Chance, dass die Aufmerksamkeit dafür auch in Zukunft so riesig sein wird wie in den kommenden Tagen.

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