Biathlon-WM in Nove Mesto : Das kleine deutsche Team hat große Pläne

Trotz der Rücktritte einiger Leistungsträger bleiben die Ziele der deutschen Mannschaft bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im tschechischen Nove Mesto ehrgeizig.

Andreas Morbach
Die Hoffnung läuft mit. Bei den Männern hat Andreas Birnbacher die besten Aussichten auf eine Medaille in den Einzelrennen.
Die Hoffnung läuft mit. Bei den Männern hat Andreas Birnbacher die besten Aussichten auf eine Medaille in den Einzelrennen.Foto: dpa

Andrea Henkel hat im Lauf ihrer Biathlon-Karriere schon viele Kolleginnen kommen und gehen sehen, doch der übersichtliche Kader des deutschen Frauen-Teams ist selbst für die 35-Jährige ungewohnt. Aber nicht unangenehm, im Gegenteil. „Ich erlebe es zum ersten Mal, dass unsere Kernmannschaft nur aus vier Läuferinnen besteht und die WM-Startplätze nicht hart umkämpft sind“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin von 2002, „die Stimmung ist dadurch etwas entspannter.“

Die Ziele des Deutschen Skiverbandes (DSV) sind dennoch nicht weniger ehrgeizig. „Wir bleiben dabei: Fünf bis sechs Medaillen sind bei dieser WM ein realistisches Ziel“, sagt DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller, „auch wenn wir uns natürlich bewusst sind, dass das nicht einfach wird.“ Cheftrainer Uwe Müssiggang baut ebenfalls auf das gewachsene Selbstverständnis seiner deutscher Biathleten.

„Unsere Zielstellungen können so hoch sein wie früher“, sagt Müssiggang, „warum sollte man sie herunterschrauben, nur weil Magdalena Neuner nicht mehr dabei ist? Schließlich haben bei den Frauen Miriam Gössner und Henkel ihre Medaillenambitionen in diesem Winter bereits mehrfach unterstrichen. Zudem machte zuletzt auch Nadine Horchler, die 26-jährige Aufsteigerin des Winters, unerwartet auf sich aufmerksam. Und bei den Männern gilt es, das in stolzer Breite vorhandene Potenzial, das vor allem im Januar verschüttet ging, zum Saisonhighlight wieder freizulegen.

Die besten Aussichten auf eine Medaille in einem Einzelrennen hat dabei Andreas Birnbacher, doch auch seine vier Mitstreiter Erik Lesser, Simon Schempp, Florian Graf und Arnd Peiffer sind im Optimalfall zum Sprung aufs Podium befähigt. „Alle unsere Athleten gehen selbst mit hohen Erwartungen in jedes Rennen – da liegt es uns fern zu sagen: „Wenn du unter die besten 20 läufst, ist es auch okay“, sagt Müssiggang.

Das unter den Athleten zunehmend beliebte gemischte Doppel bietet zum WM-Auftakt am Donnerstag (17.30 Uhr, live in der ARD) gleich die Möglichkeit, für eine positive Grundstimmung zu sorgen. „Die Mixed-Staffel ist allein deshalb wichtig, weil es der erste Wettkampf ist, wenn da ein gutes Ergebnis herausspringt, nimmt das natürlich ein bisschen den Druck von der Mannschaft“, sagt Andreas Birnbacher, der bei der letzten WM in Ruhpolding in der Teamstaffel zu Bronze lief. „Wir sollten schon versuchen, vorne mitzulaufen. Das Potenzial dazu haben wir definitiv“, sagt Birnbacher. Am Donnerstag wird er mit Simon Schempp, Andrea Henkel und Miriam Gössner starten.

Doch es wird nicht einfach mit einer Medaille. „Im Gegensatz zur normalen Staffel, wo bei vielen Nationen ein dritter oder vierter guter Starter fehlt, haben in der Mixed-Staffel eigentlich alle zwei Top-Läuferinnen und zwei Top-Läufer am Start“, sagt Miriam Gössner, „dadurch wird das Ganze immer schwieriger.“ Inzwischen sei es für das deutsche Team sogar der schwierigste Wettkampf.

Aber auch reizvoll wegen des sportlichen Miteinanders der Geschlechter. „Es ist einfach total lustig, diesen Wettkampf mit dem anderen Geschlecht laufen zu dürfen“, sagt Gössner, „ich glaube, das schweißt die Teams noch mehr zusammen.“ Vor allem, wenn sie am Ende des Rennens alle zusammen die gewünschte Medaille um den Hals gehängt bekommen.

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