Biathlon-WM : Mit Eierlikör zum WM-Titel

Trotz einer Strafrunde von Magdalena Neuner läuft die deutsche Frauen-Staffel zu Gold bei der Biathlon-WM in Ruhpolding.

Die Party steigt zu Hause. Andrea Henkel führt die deutsche Frauen-Staffel vor eigenem Publikum in Ruhpolding zum Sieg. Foto: dpa
Die Party steigt zu Hause. Andrea Henkel führt die deutsche Frauen-Staffel vor eigenem Publikum in Ruhpolding zum Sieg.Foto: dpa

Ruhpolding - Andrea Henkel hatte sogar noch Zeit, sich die deutsche Fahne aus dem Publikum zu schnappen. Mit einem dicken Strahlen im Gesicht und der Flagge in der Hand lief sie unter dem Jubel ihrer Kolleginnen und der 30 000 Zuschauer bei der Biathlon-WM in Ruhpolding ins Ziel. Die Schlussläuferin der deutschen Staffel hatte knapp 30 Sekunden Vorsprung auf die Französinnen. Dritter wurde nach den 4x6 Kilometern Norwegen. „Es war unglaublich, vor dieser Kulisse zu laufen“, sagte Henkel. „Das haben wir richtig ausgekostet.“

Dabei war der Erfolg keineswegs selbstverständlich. Weil die Frauen bei den zuvor ausgetragenen Weltcuprennen dieser Saison im Staffel-Wettkampf nicht einmal auf einem vorderen Platz gelandet waren, griffen sie vor dem WM-Rennen zu besonderen Maßnahmen. „Wir haben mit den Mädels zusammen auf dem Zimmer gesessen. Da hat man schon die Nervosität gemerkt vor der Staffel“, erzählte Magdalena Neuner. „Deshalb haben wir einen kleinen Eierlikör zusammen getrunken.“ Außerdem liefen die Deutschen in einer anderen Reihenfolge als üblich. Aus taktischen Gründen hatten die Trainer in der Aufstellung überraschend die unsichere Schützin Neuner an Position zwei gesetzt und an ihrer Stelle Andrea Henkel als Schlussläuferin positioniert.

Vor einem Jahr in Chanty-Mansijsk hatte Neuner dank einer phänomenalen Schlussrunde das WM-Gold fast im Alleingang perfekt gemacht. Diesmal war ausgerechnet sie es, die Probleme bekam. Weil die Rekord-Weltmeisterin mit wackligen Beinen an den Schießstand kam und ein ums andere Mal daneben schoss, schien es nichts zu werden mit dem nächsten Titel. Schon im liegenden Anschlag schrammte die 25-Jährige mit drei Nachladern nur knapp an der Strafrunde vorbei. Als sie dann nach dem Stehendschießen 150 Extra-Meter absolvieren musste, stöhnte das ganze Stadion auf. „Ich hatte schon nach dem ersten Schießen eine Nähmaschine, weil ich mit einem zu niedrigen Puls an den Schießstand gefahren bin“, sagte Neuner. „Aber die Mädels haben das super gemacht, wir haben gemeinsam Gold gewonnen.“

Dabei hatte die erstmals als Startläuferin eingesetzte Tina Bachmann, in den Tagen von Ruhpolding bisher weit hinter ihren Erwartungen und Hoffnungen, stark losgelegt. Mit nur einem Nachlader bei zehn Schuss kam sie durch und schickte Neuner als Führende ins Rennen. Nach Neuners Fauxpas musste dann die eigentliche Wackelkandidatin Miriam Gössner statt wie erhofft vorneweg hinterher laufen. Doch die 21-Jährige zeigte ihre stärkste Saisonleistung. Mit nur drei Nachladern übergab sie als Führende an Henkel. „Als ich ins Rennen gegangen bin, war die Nervosität weg. Ich denke, ich habe einen ganz guten Job gemacht“, sagte sie. Und Andrea Henkel behielt die Nerven. Ruhig zog sie ihre erste Serie am Schießstand durch. Als sie dann auch den letzten ihrer zehn Schuss ins Schwarze gesetzt hatte, wurde es richtig laut in Ruhpolding.

Die WM endet am Sonntag mit den Massenstart-Wettkämpfen der Männer und Frauen. Magdalena Neuner bestreitet dann ihr letztes WM-Rennen, ehe sie nach dem Weltcup-Finale ihre Sportkarriere beenden wird. Tsp/dpa

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