Biathlon-WM : Ricco Groß' Abschied mit Bronze

Schon lange stand fest, dass der deutsche Biathlet Ricco Groß nach dieser Saison seine Karriere beenden will. Von der Wintersport-Bühne verabschiedet er sich mit seiner 20. WM-Medaille - und ein bisschen Wehmut.

Antholz - "Meine Gedanken kann ich noch nicht richtig ordnen", sagte Groß nach dem dritten Platz im Antholzer Staffelrennen. Und eine richtige Fete verbot sich am Samstag ebenfalls. "Ich musste mich ja 'stand by' für den Massenstart am Sonntag halten, falls jemand ausfällt", sagte Groß nach nach dem letzten WM-Start seiner Laufbahn im Mannschaftshotel Seehaus. Mit 28 Medaillen bei Olympischen Winterspielen und Weltmeisterschaften - darunter vier Mal Olympia-Gold und neun WM-Titel - hat sich der 36 Jahre alte Bundeswehr-Sportsoldat eine rekordverdächtige Sammlung erarbeitet. "Die letzte von Antholz wird mir sehr lange im Gedächtnis bleiben."

Seine ganze Saisonplanung war auf dieses Ziel ausgerichtet. Schon im September hatte Groß den Winter zu seinem letzten als Leistungssportler erklärt. Auf den WM-Zug war er aber nur als nominelle Nummer sechs im Team aufgesprungen. Vor allem die Laufform stimmte lange nicht.

In Antholz erkämpfte sich der als sicherer Schütze geltende geborene Sachse mit dem neunten Platz über 20 Kilometer den Staffelstart. Umso mehr grämte er sich über seine Strafrunde, denn läuferisch lieferte Groß das beste Saisonrennen ab. Seit 17 Jahren ist er im Weltcup unterwegs. So richtig schlechte Jahre hatte er dabei nicht, auch wenn es nicht immer optimal lief. "Motivationsprobleme hatte ich nie - zumal mich meine Frau Katrin immer unterstützte, auch wenn sie mich lieber zu Hause gehabt hätte", sagte Groß. So nennt der Familienmensch auch nicht einen seiner Erfolge, sondern die Geburt seiner drei Jungen Marco (11 Jahre), Simon (8) und Gabriel (3) die schönsten Momente in der Zeit im Leistungssport.

Berufliche Zukunft offen

Auch wenn Ricco Groß die Fragen nach der Gestaltung seines Abschieds nerven - unter Zugzwang lässt er sich nicht bringen. "Bis zum Weltcupfinale bin ich Sportler. Fest steht, dass ich im April ein dreijähriges Trainer-Studium an der Kölner Sporthochschule beginne - und ordentlich abtrainieren werde." Ob und wo die große Abschiedsfete steigt, ist völlig offen. Antholz, Oberhof, Ruhpolding und Schalke haben sich angeboten. "Darüber entscheide ich aber erst nach dem 18. März. Bis dahin will ich den Kopf für Biathlon frei haben."

Auch beruflich hat Ricco Groß viele Möglichkeiten. Der ausgebildete Kampfrichter könnte beim Deutschen Skiverband als Trainer arbeiten, dort eventuell sogar das einstige Aktiven-Traumduo mit Mark Kirchner fortsetzen. "Ich habe meine Vorstellung, der Verband seine Ideen. Da müssen wir uns zusammensetzen und einen Mittelweg finden." Vier seiner Sponsoren und Ausrüster haben eine Zusammenarbeit auch nach der aktiven Zeit angeboten. Der Hersteller eines Energy-Drinks möchte sich über Groß sogar langfristig im Biathlon etablieren. Zudem gibt es Interesse von Fernsehanstalten, die einen neuen Experten suchen. (Von Uwe Jentzsch, dpa)

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