Biedermanns Weltrekord : Der Schwimmer antwortet

Reaktion auf Kritiker und Zweifler: Nach seinem überraschenden Weltrekord bei der Schwimm-WM betont Paul Biedermann die Zahl seiner Dopingtests.

Andreas Morbach[Rom]

Einen Tag nach seinem Weltrekord über 400 Meter Freistil sprang Paul Biedermann im Foro Italico wieder ins Becken. Zum Halbfinale in seiner Paradedisziplin, den 200 Metern Freistil. Als er wieder herausstieg, hatte er sich nicht nur für das Finale am Dienstag qualifiziert. Er war mit 1:43,65 Minuten auch neuen Europarekord geschwommen und war 1,68 Sekunden schneller als Michael Phelps. Der achtfache Goldmedaillengewinner von Peking wunderte sich über den Deutschen. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass der 400-Meter-Rekord ausgelöscht ist“, sagte Michael Phelps, „das war der beste Weltrekord von allen. Normalerweise sieht man im nacholympischen Jahr nicht diese Leistungen, aber irgendwie kommen sie zustande.“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Ich weiß nicht, wie sie das machen.“

Nicht mit Doping, das betonte Biedermann ausdrücklich. „Ich bin absolut sauber, allein in diesem Jahr hatte ich schon um die 20 Dopingkontrollen.“ Er fand einen anderen Grund. „Der neue Anzug hat bestimmt zwei Sekunden geholfen“, sagte Biedermann. Er hasst eigentlich die technische Aufrüstung im Wasser. Deshalb ist er bis vor vier Wochen in einem fast schon antiquierten Vorjahresmodell geschwommen und hat sich erst kurz vor der WM für den X-Glide seines Ausrüsters Arena entschieden. Zu seinem Weltrekordrennen sagte er: „Eigentlich wollte ich schneller angehen, aber ich bin ein Typ, der sich festbeißen kann. Die letzten 50 Meter waren meine.“

Nicht nur Biedermann brilliert neuerdings mit fast unglaublichen Zeiten. Auch Teamkollegin Britta Steffen schwimmt seit der WM-Qualifikation in Berlin in ihrem neuen Anzug von Weltrekord zu Weltrekord. Die Bestmarke über 100 Meter Freistil hat die Doppel-Olympiasiegerin, die gegenüber dem Tagesspiegel Dopingpraktiken kürzlich als unvereinbar mit ihren Grundsätzen und ihrer Moral bezeichnet hatte, als Startschwimmerin der deutschen Staffel am Sonntag zum dritten Mal binnen eines Monats verbessert. Es war einer von elf Weltrekorden, die allein an den ersten zwei Tagen im Becken aufgestellt wurden.

Dass Biedermann gestern wieder so stark schwimmen konnte, dürfte ihn fast ein wenig überrascht haben. Denn die ganze Zeit waren am Sonntag Gratulanten gekommen. Am Montagmorgen teilte der neue Weltrekordler dann lächelnd mit: „Ich wusste nicht, dass Gewinnen so stressig sein kann.“

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