Bielefeld : Das Jahrhundert ist zu Ende

Bielefeld feuert Middendorp - der Trainer muss bereits zum dritten Mal die Ostwestfalen verlassen.

Middendorp
Die Fakten lügen nicht: Ernst Middendorp muss Bielefeld verlassen. -Foto: dpa

Bielefeld - Immerhin wusste Ernst Middendorp, was ihn erwartet. Zum bereits dritten Mal nach 1990 und 1998 muss der Trainer Arminia Bielefeld verlassen - diesmal wohl zum letzten Mal. Wie erwartet stimmte der Aufsichtsrat des Bundesligisten am Montag einstimmig für eine Trennung. „Die Fakten lügen nicht. Ich mag die Tore, die wir gekriegt haben, schon gar nicht mehr zählen“, sagte Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig in Anspielung auf die zurückliegenden hohen Auswärtsniederlagen in Bremen (1:8) und Dortmund (1:6). Middendorp ist nach Petrik Sander (Energie Cottbus), der zweite Trainer, der in der laufenden Bundesliga-Saison entlassen wurde. Anders als noch am Sonntag hielt sich der 49-Jährige jedoch mit Kritik an der Vereinsführung zurück: „Es sind sehr viele Emotionen dabei, aber der Verein besteht nicht nur aus Ernst Middendorp.“

Bei allen Verdiensten, die sich der zum Bielefelder „Jahrhundert-Trainer“ gewählte und in der Vorsaison als Retter gefeierte Middendorp für den Verein erworben hat, erschien die Trennung unvermeidlich. Vom Konzeptfußball und der Geschlossenheit vergangener Tage war das Team zuletzt Lichtjahre entfernt. Ständige Wechselmanöver des Trainers und dessen Missachtung gewachsener hierarchischer Strukturen beschleunigten den Niedergang. Die zuletzt offenkundigen Spannungen zwischen Trainer und Klubspitze spielten nach Aussage von Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch bei der Trennung keine Rolle: „Es war eine rein sportliche Entscheidung.“

Die Trennung von Middendorp nach nur 271 Tagen wird für den Klub zu einer kostspieligen Angelegenheit. Schließlich sieht der Vertrag eine Laufzeit bis 2009, bei Klassenverbleib gar bis 2010 vor – der Coach dürfte eine Abfindung in siebenstelliger Höhe kassieren. Die hohe Abfindung für den alten Trainer erschwert die Suche nach einem neuen. Im letzten Hinrundenspiel gegen den VfB Stuttgart sitzt der derzeitige Trainer der Amateure, Detlev Dammeier, als Interimslösung auf der Bank – der Nachfolger soll nach Angaben von Saftig „spätestens zum Rückrundenauftakt am 4. Januar“ präsentiert werden. Doch finanzielle Mittel, um mögliche Wunschkandidaten aus laufenden Verträgen zu kaufen, sind kaum vorhanden. Nicht zuletzt deshalb werden die vertragslosen Petrik Sander, Jürgen Röber, Jürgen Kohler und Michael Frontzeck als Favoriten gehandelt.

Auf einen sicheren Arbeitsplatz kann Middendorps Nachfolger jedoch nicht hoffen: Er wäre nach Uwe Rapolder, Thomas von Hessen, Frank Geideck und Middendorp der bereits fünfte Trainer der Arminia innerhalb von 30 Monaten. dpa

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