Bielefeld - Hertha BSC : Druckvoll verloren

Im Auswärtsspiel gegen Arminia Bielefeld ist Hertha BSC die bessere Mannschaft, unterliegt aber mit 0:2.

Claus Vetter[Bielefeld]
Hertha Foto: dpa
Die Berliner Malik Fathi (l.) und Tobias Grahn (m.), in den roten Trikots, versuchen Christian Eigler zu stoppen. -Foto: dpa

So eine Baustelle kann auch schon mal ihre optischen Vorzüge haben. So bot sich den Anhängern von Arminia Bielefeld gestern Nachmittag beim Blick über die halbfertig gestellte Osttribüne ein herrlicher Blick auf ihre schöne Stadt. Was sich auf dem Rasen abspielte, war allerdings 51 Spielminuten lang weniger sehenswert aus Bielefelder Sicht. Denn dort führte Hertha BSC in einem ordentlichen Fußballspiel bis zu diesem Zeitpunkt die Regie. Dann allerdings hatten ein Fehler von Herthas Josip Simunic und der folgende Freistoß das glückliche Führungstor der Bielefelder zur Folge, und von nun an wurden die 20 300 Zuschauer im Stadion interessierter am Spielgeschehen und lauter: Schließlich sollten die Westfalen recht glücklich zu ihrem zweiten Saisonsieg kommen, während Hertha beim gestrigen 0:2 (0:0) bereits die zweite Niederlage im dritten Bundesligaspiel hinnehmen musste.

Es war eine unverdiente Niederlage für die Berliner, bei denen gestern gleich zwei Debütanten auflaufen durften: Der Schweizer Nationalspieler Steve von Bergen und der Schwede Thomas Grahn. Von Bergen löste seine Aufgabe in der Innenverteidigung – Andreas Schmidt spielte im Mittelfeld – neben Josip Simunic überzeugend. Der Schweizer war ein guter Ersatz für den verletzten Mannschaftskapitän Arne Friedrich. Grahn hingegen belebte 45 Minuten lang das Berliner Offensivspiel, bevor dann der Brasilianer Gilberto für ihn von Trainer Lucien Favre eingewechselt wurde. Der Schwede hatte bei seinem Einsatz in der ersten Halbzeit sehr motiviert gewirkt. So motiviert sogar, dass er nach einer offensichtlichen Schwalbe im Bielefelder Strafraum schon in der ersten Halbzeit eine Gelbe Karte von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) gezeigt bekam.

Im und um den Bielefelder Strafraum herum hielten sich Hertha gestern erstaunlich oft auf. Allein der agile Patrick Ebert verzeichnete in den ersten 20 Spielminuten drei Schüsse aufs Bielefelder Tor. Der gefährlichste davon war ein aus 25 Metern geschossener Freistoß, der nur knapp über das linke Toreck hinübersauste. Allerdings war ansonsten das Problem im Spiel der Berliner, dass ihre Angriffsbemühungen zu selten mit einem Torschuss abgeschlossen wurden.

Von einem Schuss auf das Tor von Jaroslav Drobny waren die Bielefelder dagegen lange Zeit weit entfernt. Allein Christian Eigler kam im ersten Durchgang einmal im Berliner Strafraum in viel versprechender Position an den Ball, den Eigler dann aber weit links am Tor vorbeischluderte.

Ein Tor hätten die Berliner zu diesem Zeitpunkt verdient gehabt, mit Beginn der zweiten Halbzeit drängten sie weiter auf ein Erfolgserlebnis. Lucio traf sogar mit einem Distanzschuss die Latte des Bielefelder Tores. Ein Lapsus der Berliner brachte das Spiel dann durcheinander. Im Liegen wollte Josip Simunic im Berliner Strafraum klären, spielte aber Torwart Drobny den Ball in die Arme. Schiedsrichter Stark entschied auf indirekten Freistoß wegen absichtlichen Rückpasses. Von der Linie des Fünf-Meter-Raumes hatten die Bielefelder bei ihrer ersten guten Chance dann leichtes Spiel, Ioannis Masmanidis traf zum 1:0. Unglücklicher hätte das Saisondebüt des zuvor gesperrten Simunic in der Bundesliga wohl kaum verlaufen können. Bis zum Tor der Bielefelder hatte der Kroate tadellos und vor allem fair agiert.

Hertha reagierte wütend auf den unverhofften Rückstand. Solomon Okoronkwo versuchte es mit einem mächtigen Distanzschuss, den Bielefelds Torwart Mathias Hain nur mit Mühe zur Ecke klären konnte. Favre verstärkte die Offensive, brachte Stürmer Lukasz Piszczek für Mittelfeldspieler Schmidt. Der Pole brachte allerdings keine Impulse. Ebert traf noch die Latte des Bielefelder Tores, doch das war es dann. Mit einem Fehler leitete Malik Fathi sogar in der Schlussminute noch das Bielefelder 2:0 durch den ehemaligen Herthaner Artur Wichniarek ein.

Am Ende des Spiels wurde also eine bittere Berliner Niederlage an der kleinen Anzeigetafel auf der halbfertigen Osttribüne angezeigt. Aber ohne Tore lässt es sich eben schlecht gewinnen, auch auf der Baustelle von Bielefeld.

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