Sport : Bielefeld sucht die SchneekanoneWie Favorit Leverkusen überraschend scheiterte

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Nutzloser Kick. Leverkusens Dum tritt nach seiner Roten Karte einen Pylon um. Foto: dpa

Bielefeld - Bruno Labbadia machte gute Miene zum schlechten Spiel. Weder der Verlust der Tabellenführung noch der erneute Patzer von Nationaltorhüter René Adler verleitete den Trainer von Bayer Leverkusen nach der enttäuschenden Leistung beim 1:2 (0:0) gegen Arminia Bielefeld zu einer kritischen Abrechnung mit seinen Profis. Scheinbar ohne Groll suchte er nach Erklärungen für die erste Niederlage seiner Mannschaft seit dem 7. Spieltag. Den Auftritt seiner technisch beschlagenen, aber in kämpferischer Hinsicht unterlegenen Schönspieler umschrieb der Trainer mit moderaten Worten: „Wir haben heute die Handbremse zu spät gelöst und zu wenig Entschlossenheit gezeigt.“ Dabei hätte Labbadia allen Grund gehabt, sich mächtig zu ärgern.

Eine Woche vor dem Spitzenduell mit dem punktgleichen FC Bayern zeigte seine zuletzt hochgelobte Elf ihr zweites, weniger schönes Gesicht. Auf dem vom Schnee geräumten Rasen kam das beste Auswärtsteam der Liga ins Rutschen. Die Witterungsbedingungen und die erbitterte Gegenwehr des Gegners offenbarten, was Bayer zu einem echten Spitzenteam noch fehlt. Bleibende Schäden befürchtet Patrick Helmes jedoch nicht: „Wir haben die Chance verpasst, drei Punkte zu holen. Dann müssen wir sie halt nächste Woche holen“, sagte der Leverkusener Nationalstürmer.

Tore von Artur Wichniarek und Daniel Halfar in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit besiegelten den Erfolg der Bielefelder. Erst in der durch den Anschlusstreffer von Helmes ausgelösten Schlussoffensive riefen die Gäste ihr wahres Potenzial ab. Doch Bielefeld bleibt ein verwunschener Ort: In diesem Jahrtausend gelang den Leverkusener bei den Ostwestfalen noch kein Sieg.

Wie schon im Spiel der DFB-Elf am Mittwoch gegen England machte Torhüter Adler auch im Leverkusener Trikot keine gute Figur. Seine missratene Faustabwehr nutzte Halfar zum vorentscheidenden zweiten Treffer. Ähnlich wie Labbadia hielten sich die Mitspieler mit Kritik zurück. Stattdessen äußerte Torschütze Helmes Mitgefühl: „Er hat in dieser Woche ein bisschen Pech gehabt. Aber jeder macht mal Fehler. Dafür sind wir ein Team.“ Allerdings war der Teamgeist beim Gegner diesmal ausgeprägter.

Nach den enttäuschenden Heimspielen gegen Karlsruhe (1:2), Cottbus (1:1) und Mönchengladbach (0:2) schöpfte die Arminia gegen den bisherigen Tabellenführer neue Hoffnung im Abstiegskampf. Zum Matchwinner avancierte der nach der Pause eingewechselte Halfar mit einem Assist und seinem ersten Bundesligator für Bielefeld. Zur Freude von Trainer Michael Frontzeck: „Ich hoffe, dass sich bei Daniel nun eine Blockade löst.“ Der Sprung aus der Abstiegszone ersparte dem Bielefelder Coach weitere „Frontzeck-Raus“-Rufe der Fans, die noch im vorigen Heimspiel gegen Mönchengladbach laut geworden waren. Nach zuletzt acht sieglosen Spielen gab es endlich wieder einmal Grund zum Feiern.

Selbst Präsident Hans-Hermann Schwick war nach dem Spiel zum Scherzen aufgelegt. Schmunzelnd erinnerte er an das 3:1 über den FC Bayern im Februar 2005, als die Arminia den Rekordmeister auf weißem Winter-Untergrund demütigte. „Immer wenn Schnee fällt, muss ein Favorit dran glauben“, sagte Schwick. „Ich habe mir nun überlegt, vor dem nächsten Heimspiel Schneekanonen aus dem Sauerland aufzustellen.“ dpa

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