Sport : Bierofka zerstört das Weihnachtsfest 1860 München – Leverkusen 0:3

Daniel Pontzen

München. Zuletzt diente der frühere Münchner Daniel Bierofka den Sechzigern als warnendes Beispiel. Als die Münchner Vereinsoberen ihrem neuen Sturmjuwel Benjamin Lauth dieser Tage eine vorzeitige Vertragsverlängerung empfohlen, da nannten sie mahnend den Namen des jungen Linksaußen, der vor dieser Saison als Nationalspieler zu Bayer Leverkusen gewechselt war und dort zunächst auf der Bank zu versauern drohte.

Spätestens nach dem gestrigen 3:0-Sieg der Leverkusener im Olympiastadion werden Wildmoser & Co. ihre Überredungsstrategie überdenken müssen. Mit seinem Tor zum 1:0 leitete Bierofka den ersten Leverkusener Bundesliga-Sieg seit einem Monat ein, der Manager Reiner Calmund große Erleichterung verschaffte. „Vielleicht halten mich jetzt einige für bekloppt, aber ich bin wahnsinnig froh, dass wir jetzt Gewissheit haben, nicht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern. Psychologisch wäre das ein sehr großer Nachteil.“ Dennoch gebe es „keinen Grund, an die Decke zu springen. Wir hatten heute auch großes Glück.“

Vor allem in diesem letzten Satz ruhte eine große Wahrheit. Allein vor dem 1:0 Bierofkas aus kurzer Distanz nach passgenauem Neuville-Zuspiel hatte 1860 bereits dreimal die Chance, selbst in Führung zu gehen. Die größte Gelegenheit bot sich Kapitän Marco Kurz, der aus fünf Metern nur die Latte traf, und damit ebenso scheiterte wie seine Kollegen Weißenberger, Lauth, Ehlers und Schroth in ähnlich aussichtsreichen Positionen. „Wir haben allein in der ersten Halbzeit acht Chancen vergeben, Leverkusen hat heute von seinen vier Möglichkeiten drei genutzt“, sagte Münchens Trainer Peter Pacult schlicht wie treffend.

Selbst nach dem 0:2 durch Berbatow – eine Blaupause des Führungstores – hatte seine Elf noch die Möglichkeit, das Geschehene geradezubiegen. Doch sowohl Borimirow als auch Schroth knüpften bei ihren Chancen an die Nachlässigkeit der ersten Hälfte an. Leverkusen indes hatte Gefallen gefunden an der Variante Flanke-von-rechts- Schuss-Tor. Beim dritten Mal legte Berbatow auf, Neuville vollendete. Nur ein Freistoß an die Latte von Bernd Schneider verhinderte eine hundertprozentige Chancenauswertung.

„Ich hoffe, dass das der Umschwung zu einer Serie war“, sagte Bierofka. Für seine ehemaligen Kollegen hatte er nicht allzu viel Mitleid übrig. „Ich freue mich für die Jungs, dass sie so weit oben stehen - aber heute gab’s für sie natürlich nichts zu holen.“ Vermutlich ahnte Bierofka nicht, wie sehr er den Sechzigern den Tag kaputtgemacht hatte. Am Abend war Weihnachtsfeier. Es dürfte kein allzu freudvolles Fest gewesen sein.

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