Sport : Biete Brasilianer, suche Brasilianer

Michael Rosentritt

Berlin. Das Beste am Brasilianer Alex Alves ist, dass er nicht wetterfühlig ist. Das kann man Herthas teuerstem Spielereinkauf der Geschichte nun wirklich nicht nachsagen. Noch jede Jahreszeit in Berlin erwies sich für ihn als ungemütlich. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - das macht für Alves seit zwei Jahren keinen Unterschied. Nur einmal zeigte er Regung. Es war der letzte Septembertag des Jahres 2000. Da schoss Alex Alves im Olympiastadion ein Tor aus 52 Meter Entfernung. Glücklich geworden ist er bis heute nicht. Hertha mit ihm auch nicht. Nicht auszudenken, Alves hätte stattdessen 52 Tore aus - sagen wir - einem Meter Entfernung geschossen. So aber bleibt es für Alves ungemütlich.

Vor einigen Tagen hat sich Herthas Manager Dieter Hoeneß den 15-Millionen-Mann zur Brust genommen. Irgendwann sei es an der Zeit, dass etwas passieren muss, hat Hoeneß den Stürmer, der in der laufenden Ligasaison noch nicht traf, wissen lassen. Nach dem Spiel gegen Westerlo sah Hoeneß die Zeit für gekommen. "Ich habe ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass der Verein nicht mehr länger zuschauen kann." Ob Alves den Ernst der Lage vollständig begriffen hat, mag Hoeneß nicht abschätzen. "Ich behalte ihn ständig im Auge." Andernfalls "müssen wir Veränderungen vernehmen".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Gestern berichtete die "Bild"-Zeitung über ein mögliches Tauschgeschäft. Demnach habe Hertha Interesse am brasilianischen Stürmer Luiz Carlos Goulart, kurz "Luizao" genannt. Da dieser aber doppelt so teuer sein soll wie Alves, könnte es maximal zu einem Verrechnungsdeal kommen. Geld hätte Hertha, vorausgesetzt, Sebastian Deisler unterschreibt Anfang Januar tatsächlich bei den Bayern, wovon derzeit auszugehen ist. Hoeneß verneint derartige Überlegungen nicht, hält im konkreten Fall den Namen des Neuen aber für "austauschbar". Richtig sei, das "unser Spielerbeobachter Rudi Wojtowicz drüben ist, bald zurückkehrt und wichtige Details mitbringt", sagt Hoeneß. Der frühere Fußballprofi, der seit Jahren für Hertha BSC tätig ist, habe den südamerikanischen Markt sondiert. Dieser Markt ist nach wie vor interessant für Hertha: Er hält Spieler von "außergewöhnlich guter Qualität" bereit. Transfers südamerikanischer Spieler sind immer mit einem Risiko verbunden, aber hier zu Lande sei es um ein Vielfaches schwerer, Spieler dieser Qualität zu finden.

Wojtowicz knüpft Verbindungen, unterbreitet Vorschläge. Den Rest macht Hoeneß, der sich nur dann auf und über den Atlantik macht, "wenn zwei, drei Spieler zur Auswahl stehen, die für uns in Frage kommen." Das sind immer mal wieder andere. Anfang des Jahres geisterte der Name Cesar Aparecido Rodriguez von Associacao Desportiva Sao Caetano durch die Medien. Der kam ebenso wenig, wie Leonardo "Leo" Lourenco. Auch diesen Abwehrspieler des FC Santos hatte Wojtowicz generell für tauglich befunden.

Tatsächlich kam im Sommer ein offensiver Brasilianer - Marcelinho. Der schlug sofort ein bei Hertha. Und die Hoffnung keimte, dieser könne Alves vielleicht positiv beeinflussen, womöglich sogar mitreißen. Mittlerweile rechnen sie bei Hertha diesbezüglich mit dem Schlimmsten.

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