Big Four - Die US-Sport-Kolumne : Alles auf Null: Die Play-offs in der NHL

Endlich Play-off-Zeit in der NHL! Favoriten auf den Titel in der besten Eishockey-Liga der Welt gibt es einige. Fakt ist aber auch: Wirklich chancenlos ist keines der verbliebenen 16 Teams.

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Können die Detroit Red Wings den Boston Bruins in der ersten Play-off-Runde ein Bein stellen?
Können die Detroit Red Wings den Boston Bruins in der ersten Play-off-Runde ein Bein stellen?Foto: AFP

Nach sieben Monaten Hauptrunde mit 82 Spielen für jedes der 30 NHL-Teams geht es nun endlich ans Eingemachte. Dabei sind die Vorrundenleistungen in dieser Saison noch weniger wert als in der Vergangenheit, gibt es doch einen neuen Modus in den Play-offs. Die Sieger der vier Divisionen bekommen es mit den vier so genannten Wild-Card-Teams zu tun. Mannschaften, die es in ihrer Division nicht unter die ersten Drei geschafft haben, aber noch genügend Punkte sammeln konnten, um zumindest Platz sieben und acht in der jeweiligen Conference zu erreichen. So weit, so fair. Ab der zweiten Runde allerdings gibt es kein Re-Seeding mehr, das bedeutet, dass beispielsweise ein Achtplatzierter es nicht automatisch mit dem nächstbesten Team der Conference zu tun bekommt, sondern auf den Sieger aus dem anderen Duell in der jeweiligen Division trifft. Man kennt das von den Brackets der March Madness oder auch von Tennisturnieren. Wem das zu kompliziert ist, der darf sich damit trösten, dass das für die erste Runde eh keine Rolle spielt. Hier gilt nach wie vor: Es braucht vier Siege aus maximal sieben Spielen zum Weiterkommen. Und damit sind wir dann auch schon mittendrin in unserer Vorschau auf die einzelnen Serien. Wie immer wagen wir auch einen Tipp, über den über unsere leicht zu bedienende Kommentarfunktion am Ende der Seite gern leidenschaftlich diskutiert werden kann.

EASTERN CONFERENCE

Boston Bruins vs. Detroit Red Wings
Wenn das beste Team der Hauptrunde der NHL auf den Gesamtfünfzehnten in der Liga-Tabelle trifft, sollte das normalerweise eine klare Sache sein. Aber während die Bruins seit Wochen nur noch darum spielen, möglichst im Rhythmus zu bleiben und sich nicht zu verletzen, haben die Play-offs für die Red Wings schon vor einigen Wochen begonnen. Lange Zeit war unsicher, ob sich Detroit zum 23. Mal in Folge würde für die Postseason qualifizieren können. Zahlreiche Verletzungen erschwerten Kanadas olympischem Goldtrainer Mike Babcock die Arbeit in seinem Klub praktisch die gesamte Saison über. Und auch jetzt tritt sein Team beileibe nicht in Bestbesetzung an. Dennoch ist die Grundstimmung bei den Red Wings durchaus positiv. Junge Spieler wie Gustav Nyquist oder Tomas Tatar haben sich in den Fokus gespielt und verleihen dem Spiel der Wings eine neue Komponente: Schnelligkeit. Das zeigte sich schon in den vier Hauptrundenduellen, von denen Detroit drei gewinnen konnte. Boston hält mit einem erfahrenen Team dagegen, das dem Gegner nicht nur wegen des Verteidigerhünen Zdeno Chara körperlich deutlich überlegen sein sollte. Es gibt praktisch keine Schwäche im Team. Und dennoch sind die Bruins gewarnt, in der Vorsaison wären sie als Favorit fast in der ersten Runde an Toronto gescheitert. Und eng könnte es auch diesmal werden. Sollte Detroit eines der beiden ersten Auswärtsspiele gewinnen können, ist für die Red Wings alles drin. Tagesspiegel-Tipp: Boston - Detroit 3:4.

Pittsburgh Penguins vs. Columbus Blue Jackets
Die Ausgangsposition in dieser Serie ist ähnlich zu bewerten wie die in der zwischen Boston und Detroit. Hier der klare Favorit, für den nur der Stanley-Cup-Triumph zählt, dort der Außenseiter, der schon froh ist, die Play-offs überhaupt erreicht zu haben. Pittsburgh hält alle Trümpfe in der Hand, hat mit Sidney Crosby und (dem zuletzt leicht angeschlagenen) Jewgeni Malkin absolute Superstars in den Reihen, die ein Spiel allein entscheiden können. Mit Marcel Goc steht auch der einzig verbliebene NHL-Profi im Team der Pens, er fällt allerdings zum Auftakt mit einer Verletzung aus. Columbus steht erst zum zweiten Mal überhaupt in der Klubgeschichte in den Play-offs und braucht Heldentaten vor allem von Torwart Sergej Bobrowski. Der Russe ist im vergangenen Jahr zum besten Goalie der Liga gewählt worden und muss gegen die Offensivkraft des Gegners über sich hinauswachsen. Das allerdings dürfte vielleicht doch etwas zu viel verlangt sein. Tagesspiegel-Tipp: Pittsburgh - Columbus 4:1.

Tampa Bay Lightning vs. Montreal Canadiens
Montreal ist das einzig verbliebene Team aus Kanada in den Play-offs. 1973 war die Bilanz der kanadischen Mannschaften in der NHL letztmals ähnlich verheerend. Ein wirklicher Titelkandidat sind die "Habs" zwar nicht unbedingt, gegen Tampa Bay besteht aber durchaus die Chance aufs Weiterkommen. Die Hoffnung gründet sich auf Kanadas Gold-Torwart Carey Price, der Spiele auch schon mal allein entscheiden kann. Dazu ist die erste Reihe mit Max Pacioretty, Thomas Vanek und David Desharnais durchaus vorzeigbar und dahinter bringen Ex-Eisbär Daniel Briere und Tomas Plekanec reichlich Erfahrung mit. Tampa hält mit Steven Stamkos dagegen, der nach seinem Schienbeinbruch zuletzt wieder richtig gut in Form gekommen ist und für Tore am Fließband gut ist. Ob ein Stamkos in Topform allerdings gegen Montreal ausreicht? Tagesspiegel-Tipp: Tampa Bay - Montreal 2:4.

New York Rangers vs Philadelphia Flyers
Noch eine Serie, die vom Torwart entschieden werden könnte. Die Frage, die sich die Flyers stellen müssen, lautet: Gibt es einen Weg vorbei an Rangers-Goalie Henrik Lundqvist? Der Schwede ist die Lebensversicherung für New York, denn offensiv sind die Rangers das schwächste Play-off-Team im Osten. Philadelphia wiederum hat defensiv so einige Schwächen. Keine der 16 Mannschaften, die noch dabei sind, hat in der Hauptrunde mehr Gegentore kassiert. Normalerweise spricht das alles für eine enge Serie, in der man am Ende auch eine Münze werfen könnte. Tagesspiegel-Tipp: New York Rangers - Philadelphia 4:3.

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