Big Four - Die US-Sport-Kolumne : Comeback der Superstars

Sie waren die besten Eishockeyspieler in der besten Liga der Welt. Doch dann erlebten Sidney Crosby und Alexander Owetschkin Rückschläge - nun haben beide wieder zu alter Stärke zurückgefunden.

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Ovi vs Sid - das immer noch größte Spieler-Duell in der National Hockey League.
Ovi vs Sid - das immer noch größte Spieler-Duell in der National Hockey League.Foto: Imago

So ein Tor gelingt selbst Sidney Crosby nicht alle Tage. Nach einer grandiosen Direktpassfolge schoss der Kapitän der Pittsburgh Penguins den Puck mit dem linken Bein auf dem Eis kniend unter die Latte des gegnerischen Tores. Es war das 3:0 seiner Mannschaft im Topspiel bei den Washington Capitals, am Ende siegte Pittsburgh sogar 4:0.

Sidney Crosby gegen Alexander Owetschkin - das war für einige Jahre das Beste, das es in der National Hockey League (NHL) zu sehen gab. Sid, the Kid vs. Alex, The Great. Als die beiden Starstürmer ihre Karrieren in der besten Eishockey-Liga der Welt begannen, lag die NHL praktisch am Boden. Die Saison 2004/2005 war nach einem der ständig wiederkehrenden Arbeitskämpfe komplett ausgefallen, die NHL musste sich praktisch neu erfinden - und brauchte Helden.

Tatsächlich erfüllten der Kanadier Crosby und der Russe Owetschkin die in sie gesetzten Hoffnungen. Der eine glänzte als Spielmacher, der andere als Torjäger. Schnell entwickelte sich eine von der NHL höchst willkommene Rivalität zwischen den Penguins und Capitals, die medial entsprechend ausgeschlachtet wurde. Mit TV-Werbespots, in denen aus dem Mannschaftssport Eishockey zuweilen schlicht eine Zwei-Mann-Show gemacht wurde. Sportlich hatte meist Pittsburgh das bessere Ende für sich. 2009 gewannen die Penguins den Stanley Cup - unter anderem nach einem Sieg in der zweiten Play-off-Runde gegen Washington. Auch bei Olympia hatte Crosby 2010 in Vancouver die Nase vorn. Im Viertelfinale entzauberten die Kanadier Russland beim 7:3 nach allen Regeln der Kunst. Im Turnierfinale traf Crosby in der Verlängerung zum Olympiasieg für seine Nation. Mit gerade einmal 22 Jahren war er auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft angekommen.

Beim NHL Winter Classic am 1. Januar 2011 war der Lauf von Sidney Crosby dann jedoch mit einem Schlag vorbei. Im Spiel - natürlich gegen Washington - wurde Crosby in die Bande gecheckt, es begann die große Leidenszeit des Superstars. Aufgrund von Gehirnerschütterungen verpasste der Centerspieler große Teile der Saisons 2010/11 und 2011/12. Und in der aufgrund des Lockouts verkürzten Spielzeit 2012/13 musste er wegen eines Kieferbruchs pausieren. Erst in der laufenden Saison ist Crosby wieder verletzungsfrei auf dem Eis unterwegs.

Alexander Owetschkin hat sich in der Zwischenzeit allerdings nicht zum alleinigen Superstar in der NHL aufschwingen können. Der Russe blieb zwar von Verletzungen weitestgehend verschont, rutschte aber in eine sportliche Krise. Fast sah es so, als wäre Owetschkins Spielweise entschlüsselt. Sein typischer Zug zum Tor von links zur Mitte war auf einmal leicht zu verteidigen - so jedenfalls hatte es den Anschein. Dazu schien dem Russen die Motivation ein wenig verloren gegangen zu sein. Erst als ihn der aktuelle Capitals-Trainer Adam Oates auf den rechten Flügel stellte, fand Owetschkin zurück zu seiner Form.

Und so begegnen sich die beiden Superstars derzeit wieder auf einem ähnlich hohen Niveau in der Liga. Crosby führt Stand heute die Scorerliste an, mehr Tore als Owetschkin hat in der aktuellen Spielzeit kein anderer NHL-Profi erzielt. Zum Höhepunkt der Saison soll aber das olympische Turnier werden. Für Owetschkin zählt in Sotschi nur die Goldmedaille mit Russland - so wie es bei Crosby zuletzt in der Vancouver auf kanadischer Seite der Fall war.

Und auch wenn die NHL offiziell Olympia eher als störend empfindet, so kann die Liga davon durchaus profitieren. Dann nämlich wenn Crosby und Owetschkin ihre Rivalität bei den Spielen endgültig wieder beleben - am besten im olympischen Finale zwischen Kanada und Russland. Aus dem Hype um die beiden Superstars könnte sich danach wieder wunderbar Kapital schlagen lassen - und ein neuer Arbeitskampf in der NHL ist derzeit nicht in Sicht.

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