Big Four – die US-Sport-Kolumne : Die Indiana Pacers zerlegen sich

Pikant, peinlich, Pacers: Die Indiana Pacers galten als Meisterschaftskandidat in der NBA. Doch die Basketballer drohen sich in den Play-offs zu blamieren; das Team ist zerstritten - auch wegen der peinlichen Eskapaden seines Stars Paul George.

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Schwertkämpfer: Roy Hibbert (links) und Paul George haben sich nicht viel zu sagen.
Schwertkämpfer: Roy Hibbert (links) und Paul George haben sich nicht viel zu sagen.Foto: Imago

Was ein Sportler in seiner Freizeit mit seiner Rute anstellt, sollte eigentlich seine Privatsache sein. Paul George ist da eine Ausnahme. Der Star der Indiana Pacers stellte zuletzt Fotos von sich ins Internet, wie er mit Profiangler Jacob Wheeler stolz den gemachten Fang vorzeigt.

Eigentlich ein harmlos-sorgloser Ausflug, wenn George und seinem Team nicht gerade drohen würde, einen der größten Zusammenbrüche in der Geschichte der NBA hinzulegen. Der Meisterschaftsmitfavorit könnte schon in der ersten Runde der Play-offs ausscheiden. Dass ein Team an den Egos seiner Athleten zerbrechen kann, ist nicht neu im US-Sport mit seinem Personenkult. Aber bei den Pacers gehören zu den Ursachen für das zerstrittene Team einige pikant-peinliche Details aus dem Privatleben, bei denen Paul George, Fischen und Fotos eine Hauptrolle spielen.

Aber der Reihe nach: Zu Saisonbeginn galten die Pacers noch als heißer Kandidat auf den Titel. Die frühere Spielerlegende Larry Bird hatte als Teampräsident in seiner Heimat über Jahre eine Mannschaft zusammengestellt, die sich durch knallharte Defensivarbeit und Teambasketball auszeichnete. Vergangene Saison verhinderte die Truppe um ein Haar den Finaleinzug des späteren Meisters Miami Heat. Zu Beginn dieser Spielzeit hatten die Pacers die beste Siegbilanz der NBA, George war mit starken Leistungen in der Diskussion, am Ende die MVP-Trophäe als bester Spieler zu erhalten.

Zerstrittene Spieler passen sich nicht mehr den Ball zu

Doch in den letzten Saisonmonaten brachen plötzlich alle relevanten Statistiken des Teams und der Spieler ein, auch und vor allem bei George. Kernproblem: Die zerstrittenen Spieler passten sich einfach nicht mehr den Ball zu. Trotzdem reichte es noch, um sich im schwachen Osten der Liga Platz eins zu sichern, auch weil sich Titelverteidiger Miami schonte.

Doch schon im ersten Play-off-Spiel gab es eine Blamage: Das Nummer-eins-Team verlor am vergangenen Sonntag  gegen den Außenseiter Atlanta Hawks 93:101. Gegen das Team des deutschen NBA-Neulings Dennis Schröder boten die Pacers teils groteske Szenen: Bewegtbilder zeigen, wie George wild in drei Gegenspieler rennt, während Mitspieler und Trainer mit wedelndem Armen flehen, er solle doch abspielen. Fernsehexperte Charles Barkley schimpfte die Pacers danach „Memmen“ und „Hunde“.

Was ist passiert mit den Pacers? Schon im März war Roy Hibbert der Kragen geplatzt. „Wir haben einige selbstsüchtige Typen“, klagt Indianas Center. „Wir reden seit einem Monat darüber, vielleicht brauchen wir eine Gruppentherapie.“ Der 2,18-Meter-Hüne fand, er bekomme den Ball zu selten von Spielern wie Paul George und Lance Stephenson, die lieber selber werfen. Hibbert selbst ist aber auch kein Positivbeispiel für Teamgeist, er verließ während der Saison eine Teambesprechung am Spielfeldrand vorzeitig. Bei einem weiteren Kurzmeeting im Huddle mussten zwei Pacers-Spieler getrennt werden, bevor sie handgreiflich werden konnten, ähnliches geschah im Training vor dem Play-off-Start.

Paul George - zwischen Stripperinnen und Transvestiten

Zu der Kritik, ein Egoist zu sein, kamen bei Paul George einige Eskapaden. Zunächst dementierte der 23-Jährige, er habe eine Stripperin geschwängert und ihr eine Million Dollar für eine Abtreibung geboten. Dann soll George einem Homosexuellen, der sich als Frau ausgab, Bilder seines besten Stücks geschickt haben, die dieser ins Internet stellte, ein so genanntes „Catfishing.“ Trotz einiger Fotos, die seine obere Hälfte zeigen, dementierte George auf eigenwillige Art: „Das war ein Mädchen, ich weiß wer dahinter steckt.“ Und versicherte: „Das beeinflusst mich nicht, weil es nicht wahr ist.“ Dennoch brachen seine Wurfquoten ein, die Teamkollegen kritisierten seine Reife. Eine Satireseite verbreitete sogar das Gerücht, die beiden All-Stars Hibbert und George hätten sich bei einem flotten Dreier mit einem Groupie zerstritten, da, so eine anonyme Quelle, „sich ihre Schwerter gekreuzt“ hätten. Dass sich solche fragwürdigen Geschichten überhaupt halten, zeigt, wie schlecht es um den Teamgeist der Pacers bestellt ist.

Dabei ist die Mannschaft aus Indianapolis angewiesen auf gutes Zusammenspiel, nicht nur in der immer noch ligaweit zweitbesten Defensive. Vor allem offensiv haben die Pacers durch ihren Streit weiter verschlechtert. Nur sechs der 30 NBA-Teams erzielten in dieser Saison weniger Punkte im Schnitt, nur drei Mannschaften gaben sich weniger Korbvorlagen.

Immerhin scheint der umstrittene Angeltrip nach der Auftaktpleite gegen Atlanta Paul George die nötige Ruhe verliehen zu haben. In Spiel zwei am in der Nacht zu Mittwoch siegte Indiana 101:85. George erzielte 27 Punkte - und gab dazu sechs Korbvorlagen.

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