Big Four - Die US-Sport-Kolumne : Die New York Yankees sind wieder da

Die New York Yankees galten vor der neuen Saison in der Major League Baseball (MLB) bestenfalls als Mittelmaß. Inzwischen sieht das ganz anders aus - sehr zum Leidwesen der Konkurrenz.

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Curtain Call. Die Yankees-Fans haben derzeit allen Grund stolz zu sein - sogar auf Alex Rodriguez (13).
Curtain Call. Die Yankees-Fans haben derzeit allen Grund stolz zu sein - sogar auf Alex Rodriguez (13).Foto: Imago

Was der FC Bayern München in Fußball-Deutschland ist, sind die New York Yankees im US-Baseball. Kein Team in der langen Geschichte der Major League Baseball ist erfolgreicher, keines wirft so mit Geld um sich und produziert zuverlässiger Skandale. In der Natur der Sache liegt, dass sich die Yankees mit ihrem selbstbewussten bis selbstherrlichen Gebaren nicht nur Freunde machen. Und so ist die Schadenfreude dann auch immer wieder groß, wenn die Yankees ihr gestecktes Saisonziel nicht erreichen. Und das heißt Jahr für Jahr aufs Neue: die World Series erreichen und den Titel gewinnen. Allerdings hat das zuletzt nicht mehr so regelmäßig geklappt. Die Meisterschaft in der Saison 2009 war die letzte - und einzige in den vergangenen 14 Spielzeiten. Vor der aktuellen Saison prophezeiten Experten den Yankees nicht nur das Verpassen der Play-offs, sondern womöglich sogar die erste "Losing Season" seit 1992 - also eine Bilanz mit weniger Siegen als Niederlagen.

Die Realität nach rund einem Monat der aktuellen Saison sieht allerdings ganz anders aus. Die Yankees haben nicht nur eine positive Bilanz, sie führen auch ihre Division an und zählen zu den Top-Teams in der gesamten MLB. Dagegen dümpelt der hochgewettete Erzrivale Boston Red Sox am Tabellenende der American League East, besser hätte die ersten Wochen für Yankees-Fans kaum laufen können. Gründe für den bisherigen Erfolg gibt es einige. Da ist zunächst die Starting Rotation, in der lange verletzte Michael Pineda bisher überragt. Zuletzt gelangen ihm in einem Spiel 16 Strikeouts in nur sechs Innings. Seine Bilanz von 5:0-Siegen ist grandios und lässt vergessen, dass die vermeintlichen Top-Starter C.C. Sabathia (Bilanz: 1:5-Siege) und Masahiro Tanaka (verletzt) die Erwartungen bisher nicht erfüllen konnten. Als größte Stärke der New Yorker entpuppt sich aber momentan der Bullpen, aus dem Dellin Betances und Andrew Miller herausragen. Die beiden Spezialisten für die späten Innings haben bisher keinen einzigen Run abgegeben und schaffen es, knappe Führungen bis zum Spielende zu behaupten.

Alex Rodriguez liegt jetzt auf Platz vier der ewigen Homerun-Liste

Dazu kommt eine Offensive, die ihr Potenzial derzeit weitgehend abrufen kann. An der Spitze steht natürlich Alex Rodriguez, der nach seinem Jahr Doping-Sperre bisher nur sportliche Schlagzeilen schreibt. Kürzlich setzte er sich in der ewigen Homerun-Liste der MLB auf Platz vier. Rodriguez wirkt fokussiert und lässt sich auch von den obligatorischen Buh-Rufen in den gegnerischen Stadien nicht beeindrucken. Neben ihm sind auch andere erfahrene Spieler wie beispielsweise Mark Teixeira enorm produktiv - und vor allen Dingen gesund. Aber natürlich ist die Saison noch jung, dass die alternden Yankees-Stars dauerhaft von Verletzungen verschont bleiben, ist eher nicht zu erwarten. Trotzdem scheint die Mannschaft gefestigt, das Karriereende von Klub-Legende Derek Jeter hat kein Vakuum im Team hinterlassen. Das ist wohl auch ein Verdienst von Manager Joe Girardi, der seinen Job unaufgeregt erledigt und eine Art Jetzt-Erst-Recht-Mentalität entwickelt hat.

Verwundert reiben sich nun viele Experten die Augen, die Yankees sind wieder da und in der bisher eher schwachen Division scheint der Titel absolut möglich. Es zeigt sich einmal mehr, dass eine Saison erst einmal gespielt werden muss und das Prognosen gerade im Baseball eigentlich nur dazu da sind, über den Haufen geworfen zu werden. Das Gute für alle Yankees-Hasser: Es ist erst Mai und es bleibt noch Hoffnung auf den Absturz. Womöglich hält bei Pineda der Arm nicht so lange wie die Form, Rodriguez entzweit sich im Streit über seine Bonus-Zahlungen mit den Bossen und führt über die Medien einen Krieg gegen den eigenen Klub. Und ein Andrew Miller als Closer ist dann doch nur ein schlechter Abklatsch von Mariano Rivera. Und ganz, ganz vielleicht sind wenigstens die Red Sox irgendwann in der Lage dazu, wenigstens noch einen halbwegs passablen Pitcher irgendwoher zu zaubern. Damit es am Ende nicht immer wieder heißt: "Ballgame over! Yankees win! Theeeeeee Yankees win!"

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