Big Four - Die US-Sport-Kolumne : Major League Baseball: Wir sind enttäuscht!

Sie hatten große Ziele und können diese jetzt schon nicht mehr erreichen. In der Major League Baseball haben fünf Teams die in sie gesetzten Erwartungen beileibe nicht erfüllen können.

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Viel Masse, wenig Klasse. Pablo Sandoval enttäuscht in seiner ersten Saison bei den Boston Red Sox.
Viel Masse, wenig Klasse. Pablo Sandoval enttäuscht in seiner ersten Saison bei den Boston Red Sox.Foto: dpa

BOSTON RED SOX
Mit den Verpflichtungen von Hanley Ramirez und Pablo Sandoval vor der Saison hatten die Red Sox große Erwartungen bei Fans, Experten und sich selbst geweckt. Anderthalb Monate vor Ende der regulären Saison weist das Team von Manager John Farrell die schlechteste Bilanz der gesamten American League auf (Stand: 13.8.). Ramirez und Sandoval konnten die Offensive nicht wie erhofft verstärken, insbesondere der "Panda" blieb weit hinter den erhofften Leistungen zurück. In Boston hatte man sich aber wohl auch von den starken Auftritten des fülligen Sandoval mit seinem Ex-Team San Francisco Giants in den Play-offs blenden lassen und darüber vergessen, dass der Venezolaner ansonsten sowohl offensiv als auch defensiv eher ein durchschnittlicher Spieler ist. Blauäugig waren die Red Sox allerdings auch in dem Vertrauen in ihren Pitching Staff. Clay Buchholz sollte die Starting Rotation anführen. Er mühte sich nach Kräften, hatte nach schwachem Start auch eine ganz gute Phase zwischendurch. Inzwischen aber ist er mal wieder verletzt und dass er in dieser Saison noch einmal ein Spiel bestreitet, glaubt außer ihm kaum noch jemand in Boston. Mit einem ERA von 3,26 hat er immer noch den besten statistischen Wert aller Starter seines Teams. Hinter Buchholz gab es praktisch nur Ausfälle. Einziger Lichtblick ist Youngster Eduardo Rodriguez. Die Red Sox haben die Zeichen der Zeit erkannt und einige Veteranen mit auslaufenden Verträgen schon während der Saison abgegeben. Shane Victorino und Mike Napoli waren wesentliche Bestandteile des Meisterteams von 2013. Wer die beiden in dieser Saison gesehen hat, dürfte sich des Öfteren gefragt haben, ob man in nur drei Jahren das Baseball spielen fast völlig verlernen kann. Die Aussichten für die Zukunft sind für Boston nur dann rosiger, wenn der komplette Pitching Staff einer schonungslosen Analyse unterzogen wird. Das betrifft ausdrücklich auch den wackligen Bullpen. Schwer vorstellbar, dass die Red Sox einen Komplett-Umbruch nach der Saison hinbekommen. Nötig wäre er wohl, wenn es 2016 wieder merklich aufwärts gehen soll.

DETROIT TIGERS
Auch die Tigers haben die Saison mehr oder weniger abgeschenkt. Anders sind die Trades von Allstar-Pitcher David Price zu den Toronto Blue Jays und Slugger Yoenis Cespedes zu den New York Mets vor ein paar Wochen nicht zu erklären. Dazu kommt die Dauerformkrise von Justin Verlander und nimmt man dann noch den Abgang von Max Scherzer in der vergangenen Offseason hinzu, ist aus der ehemals besten Rotation der MLB ein Trümmerhaufen geworden. Wenn dann auch noch die beste Offensivkraft mit Miguel Cabrera verletzt ausfällt, wird es fast unmöglich, oben mitzuspielen. Dabei wäre das durchaus drin gewesen, der Saisonstart der Tigers war richtig stark. Dazu hat sich J. D. Martinez zu einem der gefährlichsten Schlagmänner der Liga entwickelt. Doch Offensive gewinnt eben nur Spiele und da Detroit die Schwächen im Relief Pitching nicht beseitigen konnte, verwundert der enttäuschende Saisonverlauf letztlich kaum.

SEATTLE MARINERS
Warum es bei den Mariners einfach nicht laufen will, ist eines der großen Mysterien in dieser Saison. Mit Felix Hernandez (14 Siege, 6 Niederlagen) und Hisashi Iwakuma (No-Hitter am Mittwoch gegen die Orioles) verfügt Seattle über eine der besten 1-2-Kombos im Starting Pitching der gesamten Liga. Doch Iwakuma war lange verletzt und dahinter tat sich dann doch ein spürbares Leistungsloch in Sachen Qualität auf. Zudem lieferte Closer Fernando Rodney eine erschreckend schwache Saison ab und ist seinen ursprünglichen Job inzwischen los. Offensiv hatte Seattle trotz des starken Neuzugangs Nelson Cruz (Ligabestwert von 34 Homeruns bis 13.8.) die üblichen Probleme. Besonders werden die am Namen von Robinson Cano deutlich, der seine Topform auch Mitte August noch immer nicht gefunden hat. Anders als zum Beispiel Boston hat Seattle aber die Bausteine für ein erfolgreiches Team. Bis es soweit ist, dauert es dann aber wohl doch länger als erwartet und es wird wohl auch noch den ein oder anderen Zugang im Winter geben müssen, um die Qualität insgesamt im Kader zu erhöhen.

MIAMI MARLINS
Die Marlins kämpfen inzwischen nur noch darum, die Saison nicht mit dem schlechtesten Rekord aller 30 MLB-Teams zu beenden. Dabei waren die Hoffnungen ursprünglich einmal sehr groß gewesen. Sie hatten natürlich viel mit dem teuersten Spieler der Liga, Giancarlo Stanton, zu tun. Doch der ist seit Ende Juni verletzt und es gibt keinen Grund für Miami, mit ihm in den Restwochen der Saison noch ein Risiko einzugehen. Stanton hatte bis zu seinem Aus offensiv die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllt. Doch auch mit einem Stanton in Bestform lief es nicht wirklich berauschend für die Marlins. Im Vergleich zu dem, was Miami jetzt anbietet, war es aber beinahe herausragend. Stanton wird hoffen, dass er in der neuen Saison ein paar mehr gute Spieler an die Seite gestellt bekommt, ansonsten bleibt er Alleinunterhalter in Florida. Finanziell wird er dafür ja noch jahrelang reichlich entschädigt.

SAN DIEGO PADRES
Matt Kemp, Justin Upton, James Shields, Craig Kimbrel - um nur die ganz großen Namen zu nennen. Mit den Padres musste man vor der Saison unbedingt rechnen. Doch mehr als ein .500er-Team ist aus San Diego nicht geworden und inzwischen zeigt der Trend sogar abwärts. Immerhin hat man bei den Padres dem Drang widerstanden, einige Leistungsträger via Trade schon während der Saison abzugeben. Vielleicht hat man immer noch die Hoffnung, dass es doch irgendwann Klick macht. In der starken National League West mit den Los Angeles Dodgers und San Francisco Giants dürfte das aber nahezu unmöglich sein. Durchaus denkbar, dass man sich in San Diego ein wenig überschätzt hat und die eingekauften Stars sich nur selbst dafür halten. Schon jetzt darf man gespannt sein, ob die Padres 2016 wieder angreifen wird.

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