• Big Four - Die US-Sport-Kolumne: Wie Steve Yzerman die Tampa Bay Lightning neu erfand

Big Four - Die US-Sport-Kolumne : Wie Steve Yzerman die Tampa Bay Lightning neu erfand

Steve Yzerman war der Franchise-Player bei den Detroit Red Wings. Inzwischen arbeitet er erfolgreich als General Manager in Tampa Bay - und könnte mit den Lightning den Stanley Cup in der NHL gewinnen.

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Der Chef bei der Arbeit. Steve Yzerman (l.) beim alljährlichen Draft in der NHL mit Zukunftshoffnung Anthony de Angelo.
Der Chef bei der Arbeit. Steve Yzerman (l.) beim alljährlichen Draft in der NHL mit Zukunftshoffnung Anthony de Angelo.Foto: Imago

1989 bei der WM in Schweden lernte ich Steve Yzerman kennen. Als begeisterter Zuschauer vor dem Fernseher. Der damals 24-Jährige Stürmer überragte mit seiner Geschwindigkeit und Technik und hätte gut und gern auch im ersten Super-Block der sowjetischen Mannschaft spielen können. Ein Jahr später setzte Yzerman bei der WM in der Schweiz noch einen drauf und kam in zehn Spielen auf zehn Tore und zehn Vorlagen. Nur zum WM-Titel reichte es für den Kanadier auch in jenem Jahr nicht. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass Yzerman bei einer Weltmeisterschaft für sein Heimatland auflief. Denn seine Detroit Red Wings wurden in der National Hockey League (NHL) mit ihm als Kapitän immer stärker, bis heute hat das Team die Play-offs in der besten Eishockey-Liga nicht mehr verpasst. Dank Steve Yzerman, der seine gesamte Karriere über für die Red Wings spielte und das Gesicht der Franchise war und in gewisser Weise immer noch ist.

Vor kurzem feierte Yzerman seinen 50. Geburtstag. Als General Manager von Tampa Bay Lightning, der Mannschaft, der in der NHL die Zukunft gehört. 2010 verließ Yzerman Detroit, er emanzipierte sich sozusagen von sich selbst. In Florida baut er seither ein Team zusammen, das an die guten alten Red Wings erinnert - zumindest was die Spielstärke angeht. Und das noch viele erfolgreiche Jahre vor sich haben dürfte. Die Mannschaft ist aktuell die viertjüngste in der NHL. Sollte sich Tampa Bay in den Eastern Conference Finals gegen die New York Rangers durchsetzen, wäre es das jüngste Team in einem Stanley-Cup-Finale seit den legendären Oilers-Teams Anfang der 1980er-Jahre.

Steve Yzerman hat sich von den Detroit Red Wings emanzipiert

Yzerman, der stets als leiser Anführer galt, geht dabei nicht immer nur den Weg des geringsten Widerstands. In der vergangenen Saison legte er sich mit Lightning-Ikone Martin St. Louis an. Er nominierte ihn in seiner Funktion als Executive Director von Team Kanada nicht für die Olympischen Spiele in Sotschi, sondern zog den seinerzeit verletzten Steven Stamkos vor. Zwar rückte St. Louis später nach, weil Stamkos nicht rechtzeitig fit wurde. Aber das Verhältnis zwischen St. Louis und Yzerman war zerrüttet. Tampas Kapitän forderte einen Wechsel und sein GM ließ ihn nach New York ziehen. Mit den Rangers trifft St. Louis nun auf sein altes Team - und macht dabei keine gute Figur. Im zweiten Finale leistete er sich ein folgenschweres Missgeschick bei einer Fünf-gegen-Drei-Überzahl was zu einem Gegentor führte. Nach drei Spielen liegt New York in der Best-of-Seven-Serie 1:2 zurück, St. Louis hat noch keinen Treffer erzielt und ist mit 39 Jahren nur noch Mitläufer.

Auf der anderen Seite blühen die Talente der Lightning regelrecht auf. Zum Beispiel ein Tyler Johnson, der eigentlich (wie einst St. Louis) als zu klein für die NHL galt. Nur nicht für Yzerman, der sich die Dienste Johnsons sicherte und bislang zwölf Play-off-Tore seines flinken Stürmers bejubeln durfte - sechs davon allein beim 4:3-Sieg in der ersten Runde gegen Yzermans altes Team aus Detroit. Bei den Red Wings verfolgen sie den Weg von Steve Yzerman noch ganz genau. Viele in Hockeytown hoffen auf eine Rückkehr ihres "Kapitäns" in die Organisation. Yzerman hat noch viele Freunde in Detroit, allerdings ist seine Mission in Tampa Bay noch nicht vollendet. Seinen Vertrag hat er kürzlich erst um weitere vier Jahre verlängert.

Denn längst hat das Football-Publikum in Tampa seine Liebe zum Eishockey (wieder-)entdeckt. Die Heimarena war in dieser Saison zu 98 Prozent ausgelastet, als Yzerman seinen Job vor fünf Jahren begann, blieb meist ein Viertel der Plätze in der Halle leer. Zwar ist die Stimmung in der regulären Saison noch nicht vergleichbar mit der in den Hockey-Hochburgen in der NHL, in den Play-offs ist allerdings kaum ein Unterschied in Sachen Lärmpegel zu den anderen Teams auszumachen. Auch das ist ein Verdienst von Steve Yzerman, der längst auch als General Manager seine Spuren im Welteishockey hinterlässt.

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