Big Four : Dirk Nowitzkis Nickerchen im Spiel

Dirk Nowitzki ist in dieser NBA-Saison wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Trotzdem sind die Dallas Mavericks nicht zufrieden, Nowitzkis Team droht erneut, die Play-offs zu verpassen oder früh zu scheitern.

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Muss sich ganz schön strecken: Dirk Nowitzki (rechts) droht mit den Dallas Mavericks erneut die Play-offs zu verpassen.
Muss sich ganz schön strecken: Dirk Nowitzki (rechts) droht mit den Dallas Mavericks erneut die Play-offs zu verpassen.Foto: Imago

Dirk Nowitzki lachte zunächst über die Bemerkung, offenbar hielt er sie für neckisches Geschwätz. Bis ihm sein Vorgesetzter mit bösem Blick zu verstehen gab, dass er es sehr wohl ernst gemeint hatte mit seiner Frage. Wie das Nickerchen mitten im Spiel am Tag zuvor gewesen sei? Nowitzki blieb sprachlos stehen, sein Chef wandte ihm den Rücken zu und ging.

So jedenfalls hat es Mark Cuban später vor laufender Fernsehkamera erzählt. Für gewöhnlich lässt der schwerreiche Internet-Milliardär und Teambesitzer der Dallas Mavericks ja kaum eine Gelegenheit auf Öffentlichkeit aus, einmal war er sich selbst für einen Auftritt beim Wrestling nicht zu schade. Mit populistischer Kritik an Spielern seines Klubs ist Cuban dagegen eher selten aufgefallen, schon gar nicht in der Personalie Nowitzki. Auch in seiner 16. Saison in der US-amerikanischen National Basketball League (NBA) ist der Deutsche die prägende Figur bei den Mavericks, im Schnitt erzielt er 21,5 Punkte bei einer Wurfquote von ziemlich genau 50 Prozent. Hochsolide Werte also. Trotzdem ist man in Dallas nach drei Vierteln der regulären NBA-Saison nicht so richtig zufrieden, wie Cubans ungewöhnlicher Ausbruch zeigt.

Mit einer Bilanz 41 Siegen bei 28 Niederlagen belegen die Texaner aktuell den achten Platz in der Western Conference. Der berechtigt zwar zur Teilnahme an den Play-Offs und verhindert zugleich ein ähnlich peinliches Szenario wie im Vorjahr, als die Mavericks zum ersten Mal seit 13 Jahren nicht die Ausscheidungsrunde erreichten. Nur zieht jener Rang in der Abschlusstabelle nach amerikanischer Play-Off-Arithmetik dummerweise eine Play-Off-Serie mit dem besten Team des Westens nach sich, aktuell kommen dafür Meisterschaftskandidat Oklahoma und der alte Angstgegner San Antonio in Frage. So oder so: keine erfolgsversprechenden Aussichten.

Andererseits kann Cubans Ansage auch als finale Motivationsmaßnahme gedeutet werden. Bis zum Start der K.o.-Runde in einem Monat sind noch 13 Spiele zu absolvieren, die Plätze sechs und fünf sind für die Mavericks in unmittelbarer Reichweite, der Rückstand auf Rang vier beträgt vier Siege. Welche Chancen Nowitzki und sein Teamkollegen in den Play-Offs haben, wird maßgeblich von den letzten Wochen der regulären Saison abhängen. „Wenn wir vorn gut treffen, können wir ein unschlagbares Team sein. Und wenn nicht, dann finden wir andere Wege um zu gewinnen“, sagt Cuban, „aber wir müssen uns in der Defense steigern.“

Verteidigung ist im Basketball traditionell eine Frage des Willens und der Kraft - und da ist Dallas eben nicht so gut aufgestellt wie die Konkurrenz. Dem Kader fehlt es an Tiefe, Auszeiten für Nowitzki sind unter gesamtmannschaftlichen Aspekten Himmelfahrtskommandos, und Besserung ist nicht in Sicht. Der Würzburger wird im Sommer 36 Jahre alt, er kann jede Pause gebrauchen, um noch ein paar Jahre länger an seiner Legende arbeiten zu können. Von der deutschen Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt hat sich Nowitzki in dieser Saison in der Kategorie „Punkte“ auf Platz zwölf der ewigen NBA-Bestenliste vorgearbeitet. Wenn es normal läuft, knackt der 2,13-Mann die Top Ten mühelos, selbst Platz sechs ist noch möglich. Den belegt im Moment ein gewisser Shaquille O'Neal. Auch daran lässt sich der Status ableiten, den sich Nowitzki in 16 Jahren USA erworben hat. Irgendwann wird er als einer der besten Basketballer aller Zeiten in den Sportler-Ruhestand treten. Als der Mann, der die chronisch erfolglosen Dallas Mavericks zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte geführt hat.


Auch deshalb verbindet ihn und seinen Vorgesetzten mehr als ein normales Angestelltenverhältnis. Unabhängig vom Ausgang der Saison, Mark Cuban und Dirk Nowitzki sind Freunde. Nickerchen hin oder her.

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